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Kritik an der Waldau

Bei den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern werden Zwangsmassnahmen ungenügend dokumentiert. Zu diesem Schluss kommt die Anti-Folter-Kommission des Bundes.

Die Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) in der Berner Waldau stehen unter Kritik.
Die Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) in der Berner Waldau stehen unter Kritik.
Beat Mathys (Archivbild)

Zwar erhielt die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter bei ihrem letztjährigen Besuch bei den Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) einen «insgesamt positiven Eindruck» von den dortigen Verhältnissen. In ihrem diese Woche erschienenen Bericht beschreibt die Kommission aber auch diverse Mängel.

Kritik übt sie insbesondere am Umgang mit Fixierungen und Isolationen. Solche freiheits­beschränkenden Massnahmen würden in der Klinik Waldau zu oft vorkommen, und es gebe regelmässig Lücken in der ärztlichen Dokumentation.

So sei beispielsweise in zahlreichen Fällen nicht ersichtlich gewesen, von wem die Massnahme angeordnet und in welchen Abständen diese überprüft worden sei. Zudem seien die Massnahmen auch nicht in jedem Fall formell verfügt worden. Sowieso würden bei der UPD schriftliche Behandlungspläne für fürsorgerisch untergebrachte Personen fehlen. Deshalb habe nicht überprüft werden können, in welchen Fällen eine Behandlung ohne Zustimmung des Patienten erfolgt sei.

Lange Isolationen

Grundsätzlich empfiehlt die Kommission, auf mehrtägige Fixierungen an speziellen Betten zu verzichten. Die 2016 von der UPD verfügten 47 Fixierungen dauerten im Durchschnitt aber 2 Tage, bei einer Patientin in der forensisch-psychiatrischen Station Etoine sogar 21 Tage. Bei diesem Extremfall habe die betroffene Person aber in regelmässigen Abständen einen Spaziergang im Hof unternehmen, zur Toilette gehen und die Dusche benutzen können.

Kritisch beurteilt die Kommission auch den Umgang mit Isolationen. Die 282 Aufenthalte in den speziellen Einzelzimmern dauerten 2016 durchschnittlich 3,3 Tage. Zwei Patienten auf der Station Etoine wurden sogar für 83 respektive 104 Tage weggesperrt. Für solche Isolationen gebe es in der UPD keine klaren ­Regelungen. «Das Pflegepersonal entscheidet situativ über Ausgänge ins Freie und über weitere Lockerungen», schreibt die Kommission.

Zudem sei es in einem Einzelfall vorgekommen, dass das Sicherheitspersonal einen Patienten mit Handschellen fixiert habe. Darauf hat die UPD bereits reagiert und ein Verbot für solche Handlungen erlassen.

Schliesslich bemängelt die Anti-Folter-Kommission, dass die verschiedenen Stationen der Waldau «faktisch geschlossen» geführt werden. Dies, weil behördlich eingewiesene Personen und freiwillig eintretenden Patienten durchmischt werden. Das führe aber zu einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit aller Personen.

Chef verteidigt Klinik Waldau

UPD-Chef Stefan Aebi betont gegenüber dem «Bund», dass freiwillig eintretende Personen die Stationen jederzeit verlassen könnten. Die Durchmischung sei ein bewusst getroffener Entscheid, um die Stigmatisierung der behördlich eingewiesenen Personen nicht zu fördern. Das wäre letztlich auch im Behandlungsprozess nicht hilfreich, so Aebi.

Er verteidigt auch die 47 vorgenommenen Fixierungen. Diese müsse man in einem Verhältnis zu den über 3500 stationären Patienten sehen. Insbesondere bei suchtkranken Personen gebe es «manchmal keine ­andere Möglichkeit als eine kurzzeitige Fixierung», sagt Aebi. Eine solche Massnahme könne aber auch nur dazu dienen, dass der Patient nicht vom Stuhl falle.

Aebi bestreitet auch, dass es für Aufenthalte in Isolationszimmern keine Regelungen gebe. «Selbstverständlich gibt es hausinterne Regelungen.» Er räumt aber ein, dass das Personal in Notfällen manchmal sehr rasch und situativ entscheiden müsse, «um Schlimmes zu verhindern». Die fehlenden Behandlungspläne schliesslich seien tatsächlich ein Problem. Der Grund dafür sei eine neue Software, die noch nicht komplett funktioniere. Daran arbeite man mit «Nachdruck».

Der Berner Regierungsrat hat den Bericht zur Kenntnis genommen und schreibt in seiner Stellungnahme, dass die Mängel «generell als behebbar eingeschätzt» werden.

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