Auch die Fahrlehrerin ist schuld

Auf einer Lernfahrt blieb 2015 ein Auto auf dem Bahnübergang in Bolligen stecken und wurde vom Zug erfasst. Der Richter verurteilte die Fahrlehrerin zu einer Geldstrafe mit Busse.

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Der Unfall war spektakulär. Beim Bahnhof Bolligen stand ein Auto eingeklemmt zwischen den geschlossenen Barrieren. Am Steuer sass eine Fahrschülerin, neben ihr eine Fahrlehrerin in Ausbildung. Verzweifelt versuchte Letztere, das Auto seitlich neben die Geleise zu stellen. Schliesslich stiegen die zwei Frauen aus und brachten sich in Sicherheit, weil sich der RBS-Zug schon näherte. Sekunden später prallte er trotz Vollbremsung ins Fahrzeug.

Es geschah am 21. September 2015 kurz vor 17 Uhr. Die Aufregung nach dem Unfall war gross. Der Zug und das demolierte Auto standen auf dem Bahnübergang, auf beiden Seiten der Schranken stauten sich die Autos. Verletzt wurde niemand, doch der Sachschaden am Triebwagen und am Auto betrug mehrere Zehntausend Franken.

Die Fahrlehrerin – sie hatte erst fünf Schüler gehabt – wurde in der Folge wegen groben Verstosses gegen die Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 2800 Franken und einer Busse von 700 Franken verknurrt. Etwas weniger hoch waren die Beträge, welche die Fahrschülerin bezahlen musste. Die Fahrlehrerin erhob gegen den Strafbefehl Einsprache.

Gestern befasste sich deshalb das Regionalgericht Bern-Mittelland mit dem Fall. Obwohl das Geschehen nochmals aufgerollt und die Frau sowie zwei Zeugen angehört wurden, bestätigte Richter Sven Bratschi den Strafbefehl. Zusätzlich muss die Verurteilte aber Verfahrenskosten von 1465 Franken bezahlen.

Problematische Fahrschülerin

Die heute 56-jährige Frau und die Lernfahrerin waren vor gut einem Jahr von Ittigen her gekommen. In Bolligen bogen sie rechts ab, um Richtung Ostermundigen zu fahren. Auf dem Bahnübergang senkten sich die Schranken und schlossen sie ein. Die Fahrlehrerin beteuerte gestern, sie habe das Lichtsignal nicht blinken gesehen.

Sie und ihr Anwalt machten dafür die tief stehende Sonne verantwortlich. Das Signal habe das Sonnenlicht reflektiert. Auch das Bimmeln des Bahnübergangs will die Frau nicht gehört haben. Das beteuerte auch die damalige Fahrschülerin. Eine Überprüfung der Anlage durch die Polizei und den RBS hatte aber ergeben, dass diese einwandfrei funktionierte.

«Sie haben nicht auf das Blinklicht geschaut, weil Sie mit anderem beschäftigt waren», sagte der Richter. Nach dem Unfall hatte die Frau nämlich angegeben, sie habe sich auf die Beinarbeit der Lenkerin konzentriert. Das war offenbar wichtig: Die Fahrschülerin hatte schon 60 Fahrstunden absolviert und war zweimal durch die Prüfung gefallen. Mit der Fahrlehrerin war sie zum ersten Mal unterwegs gewesen.

Mit einer solchen Schülerin hätte sie an der Stelle besonders aufpassen müssen, so Sven Bratschi. «Als Fahrlehrerin ist doch das Wichtigste, den Warnblinker zu beachten.» Für das Führen des Fahrzeugs sei sie mitverantwortlich. Deshalb sei ihr Vergehen als grober Verkehrsregelverstoss einzustufen.

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