Auch Landwirte wittern beim Hanfanbau Geschäft

In vielen Ländern gibt es Bestrebungen, Cannabis zu legalisieren. In der Schweiz hat BDP-Nationalrat Heinz Siegenthaler einen Vorstoss lanciert.

Dem Landwirt und BDP-Nationalrat Heinz Siegenthaler ist es wichtig, dass der Hanf landwirtschaftlich genutzt werden kann. Foto: PD

Dem Landwirt und BDP-Nationalrat Heinz Siegenthaler ist es wichtig, dass der Hanf landwirtschaftlich genutzt werden kann. Foto: PD

Julian Witschi

Heinz Siegenthaler ist ein Hanfpionier. Der BDP-Nationalrat hat schon vor zwanzig Jahren Cannabis angebaut, als dies wegen einer Gesetzeslücke möglich war. Seit Hanf mit einem THC-Gehalt von unter 1 Prozent vor drei Jahren legalisiert worden ist, baut der Landwirt aus Rüti bei Büren versuchsweise CBD-Hanf an. Im letzten Jahr waren es 25 Aren.

Mit der Ernte der angebauten Pflanzen stellt er Öle her und der Dorfbäcker Hanfbrot. «Allerdings war es schwierig, den Hanf zu dreschen, weil er so lang wurde. Dieses Jahr habe ich deshalb eine weniger hoch wachsende Pflanze gesät», sagt Siegenthaler. Solche Versuche sollten aber eigentlich der Bauernverband, die Forschungsanstalt Agroscope oder die Fachschule forcieren. Denn Cannabis sei in Europa ein Milliardenmarkt.

Ihm gehe es darum, dass Hanf landwirtschaftlich genutzt werden könne. Zuerst für nicht berauschende Produkte. Aber Siegenthaler hat im Nationalrat auch eine Motion eingereicht, um THC-haltiges Cannabis zu legalisieren. Anbau, Handel und Konsum sollten so geregelt werden, wie das bei hochprozentigem Alkohol auch erlaubt ist. Denn Cannabis sei eine Heilpflanze mit nachweislich medizinischer Wirkung, «wir Schweizer könnten diese Heilkräuter anbauen», sagt der Politiker.

«Anbau, Handel und Konsum von THC-haltigem Hanf sollen so geregelt werden, wie das bei hochprozentigem Alkohol auch erlaubt ist.» Heinz Siegenthaler, Landwirt aus Rüti bei Büren und BDP-Nationalrat

Die Repression zeige keine Wirkung. Über 200'000 Menschen in der Schweiz konsumierten regelmässig Cannabisprodukte. Auf dem Schwarzmarkt werde ihnen oft zwielichtiger, gestreckter Stoff angeboten. «Ich möchte diesen Schwarzmarkt austrocknen», betont Siegenthaler. Anbau und Handel müssten aber bewilligt werden.

Beim legalen CBD-Hanf besteht heute keine Bewilligungspflicht. Erlaubt sind aber nur gelistete Sorten aus dem Sorten­katalog des Bundesamts für Landwirtschaft. Siegenthaler ist noch nie kontrolliert worden, die Lieferscheine seiner Sorten hat er dennoch aufbewahrt. Zudem hat er den Anbau vorsorglich beim Regierungsstatthalter gemeldet. Vom offenen Feld werde auch immer wieder gestohlen, erzählt Siegenthaler, obwohl es eben kein berauschender Hanf sei.

Seine Partei, die BDP, zeigt sich offen für den Hanfanbau. So hat die Bundeshausfraktion beim letzten Ausflug auch eine Indoor-CBD-Anlage in Brügg besucht.

Berner Zeitung

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