«Auf Dauer reicht diese Lösung nicht aus»

Muri

Damit die Aare nicht den Uferweg wegfrisst, halten seit einem Jahr Baumstämme die Strömung zurück. Die provisorische Schutzmassnahme verlangsame die Erosion, sagt der Kanton. Stoppen könne sie diese aber nicht.

Die Baumstämme sollen den Uferweg vor Erosion schützen. Es ist und bleibt aber eine provisorische Lösung. Foto: Christian Pfander

Die Baumstämme sollen den Uferweg vor Erosion schützen. Es ist und bleibt aber eine provisorische Lösung. Foto: Christian Pfander

Es ist ein Thema, das in Muri nunmehr seit bald drei Jahren hohe Wellen schlägt: die Zukunft des beliebten Uferwegs. Die idyllische Allee direkt an der Aare zwischen Wehrliauparkplatz und Muribad droht wegen der Strömung Schritt für Schritt weggespült zu werden.

Der Kanton wollte dies eigentlich geschehen lassen und dem Fluss in jenem Bereich mehr Platz geben. Als Ersatz für die verschwindende Allee schlug er 2017 den Bau eines Alternativwegs rund 40 Meter landeinwärts vor.

Was folgte, war eine kleine Revolution: Bürger aus Muri und Umgebung gingen auf die Barrikaden. In einer Petition sammelten sie in Rekordzeit 3500 Unterschriften, zogen Geologen und Juristen bei, welche die Pläne des Kantons öffentlich in Frage stellten. Der Druck zeigte Wirkung, die Kantonsbehörden legten einen Marschhalt ein.

Der vorläufige Kompromiss: Der Uferweg soll die nächsten fünf Jahre vorerst mit einer provisorischen Massnahme vor weiterer Erosion geschützt werden. Erst dann wird entschieden, wie weiter.

Providurium keine Option

In Muri atmete man auf. Und als die provisorische Massnahme – Baumstämme zur Bändigung der Strömung – im letzten März beim Uferweg installiert wurde, keimte sogar die Hoffnung auf, das Provisorium könnte am Ende zum Providurium werden, und alles bliebe beim Alten. «Wenn sich diese Massnahme als wirksam herausstellt, sie uns nicht allzu viele Ressourcen kostet und damit auch die Bevölkerung zufrieden ist, wäre das eine gute Lösung», sagte damals Thomas Marti, Leiter Umwelt und Verkehr bei der Gemeinde.

Die Bilanz nach einem Jahr Provisorium spricht jedoch kaum für dieses Szenario. Zwar würden die provisorischen Schutzmassnahmen ihre Funktion erfüllen und hätten die Erosion verlangsamt. «Stoppen werden sie diese aber nicht können», sagt Thomas Wüthrich, Bereichsleiter Wasserbau beim kantonalen Tiefbauamt. Wie erwartet, werde der betroffene Uferabschnitt weiterhin stark angeströmt.

Für Wüthrich ist klar: «Auf Dauer reicht diese Lösung nicht aus.» Die Erosion aufhalten und den Uferweg retten könnte nur eine harte Verbauung aus Steinblöcken. Eine solche ist jedoch tabu, weil sich der Uferweg in einem Auengebiet von nationaler Bedeutung befindet. Wie soll es also nach der Zeit des Provisoriums weitergehen? Wüthrich spielt bei dieser Frage den Ball weiter. «Es liegt an der Gemeinde, Vorschläge für das weitere Vorgehen zu machen.»

Dort hat man die erste Zwischenbilanz zur Kenntnis genommen. «Die Erfolgskontrolle des Kantons hat gezeigt, dass ein Providurium keine Option ist», stellt Thomas Marti von der Gemeinde Muri fest. Es bleibe aber noch genügend Zeit, um eine Anschlusslösung zu finden. Und dennoch: «Die Gemeinde ist bei der ganzen Sache im Sandwich», so Marti. Einerseits gelte die Variante, bei welcher der Uferweg durch eine harte Verbauung erhalten bliebe, als nicht bewilligungsfähig. Andererseits werde die Wegverlegung von der Bevölkerung nicht getragen.

Experten sind uneins

Dazu kommt ein Expertenstreit, der die Fronten weiter verhärtet: Die Kantonsbehörden berufen sich bei ihren Plänen auf ein geologisches Gutachten, das die Aufhebung des Uferwegs legitimiert. Fachleute in den Reihen der Projektgegner hingegen sehen durch eine Verbreiterung der Aare die nahe gelegene Trinkwasserfassung gefährdet und halten eine harte Verbauung daher für umso notwendiger. «Ich sorge mich um das Trinkwasser», sagt Georg von Erlach, der sich als Sprecher der Gegnerschaft versteht. Er findet, der Schutz der Wasserfassung sei höher zu werten als der Auenschutz.

Um die Wogen zu glätten, hatte die Gemeinde vor einiger Zeit angekündigt, ein weiteres Gutachten einzuholen. Daraus ist bis heute aber nichts geworden. «Wir haben darauf verzichtet, weil wir durch das Provisorium mittlerweile wieder Zeit gewonnen haben», so Thomas Marti. Diese wolle man nun nutzen, um sich «unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung seine Überlegungen zu machen.»

Berner Zeitung

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