Auf dem Abstellgleis

Gümligen

Dass Bernmobil über Zweirichtungstrams für die Linie nach Worb nachdenkt, stellt die neue Wendeschleife bei der Klinik Siloah infrage.

3 Millionen Franken hat die neue Wendeschleife gekostet, über die die Trams von Bernmobil bei der Klinik Siloah wenden können. Vielleicht wird sie schon bald überflüssig – und dann wieder weggerissen.

3 Millionen Franken hat die neue Wendeschleife gekostet, über die die Trams von Bernmobil bei der Klinik Siloah wenden können. Vielleicht wird sie schon bald überflüssig – und dann wieder weggerissen.

(Bild: Raphael Moser)

Stephan Künzi

Ausser Spesen nichts gewesen? Auf dieses Bauwerk trifft das geflügelte Wort vielleicht schon bald zu. Nicht einmal vier Jahre ist es her, dass der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) bei der Klinik Siloah in Gümligen eine Wendeschleife gebaut hat.

Rund 3 Millionen Franken verschlang die Gleisanlage, die der RBS als Besitzer der Infrastruktur für das Stadtberner Verkehrsunternehmen Bernmobil gebaut hat. Es ist für den Betrieb auf der Linie 6 nach Worb verantwortlich – doch seine roten Trams haben nur einen Führerstand und sind, wenn sie wenden wollen, auf eine Schleife angewiesen.

Anders die blauen Bähnli des RBS, die auch unter der Ägide von Bernmobil hier nach wie vor verkehren. Sie können von beiden Enden aus gesteuert werden und über eine einfache Weichenan­lage um­­kehren, wenn ein Unfall, eine Panne oder sonst eine Störung die Strecke blockiert. Eine Schleife ist unnötig.

Wieder 3 Millionen

Doch mittlerweile haben die blauen Bähnli schon 30 Jahre auf dem Buckel und werden deshalb über kurz oder lang ausgemustert. Lange Zeit schien klar zu sein, dass dann auf der Linie nur noch rote Trams unterwegs sein werden und diese nur in einer Richtung fahren können.

Immerhin war Bernmobil zuvor stets für diese sogenannten Einrichtungsfahrzeuge eingetreten: Sie passten nicht nur in die bestehende Flotte, so die Argumentation, sondern hätten auch den Vorteil, dass sie leichter und beim Kauf auch günstiger seien. Zudem böten mehr Platz für Passagiere.

Umso grösser war die Überraschung, als sich Bernmobil letzten Frühsommer flexibel zeigte. Unverhofft kündigte Sprecher Rolf Meyer an, man werde sich vor dem Kauf einer neuen Tramgeneration vertieft mit der Frage auseinandersetzen, ob nicht doch Fahrzeuge mit zwei Führerständen die bessere Wahl seien.

Verantwortlich für den Sinneswandel war der Entscheid des Berner Gemeinderates, auf eine weitere Schleife beim Helvetiaplatz zu verzichten. Sie hätte die ehema­lige Wendemöglichkeit auf den Gleisanlagen des Depots Burgernziel ersetzen sollen, die einzige auf den langen sechs Kilometern vom Bahnhof Bern bis zur Klinik Siloah.

Zweirichtungs- statt Einrichtungsfahrzeuge – plötzlich wurden leise Zweifel wach, wie sinnvoll das Geld in der eben fertiggestellten Schleife Siloah angelegt war. Das Stirnrunzeln ist bis heute nicht kleiner geworden, im Ge­genteil. Denn mittlerweile ist das 3-Millionen-Werk noch aus einem weiteren Grund buchstäblich aufs Abstellgleis geraten.

In den nächsten Jahren muss der RBS die Sicherungsanlagen an der Linie von Grund auf erneuern, und das wird weitere 3 Millionen kosten. Wie verlockend wäre es da, die vielleicht bald überflüssige Wendeanlage links liegen zu lassen. Immerhin liesse sich so Geld sparen – um wie viel die Investition kleiner würde, lässt sich allerdings im Moment nicht abschätzen.

Zeit sparen?

Noch sind keine Entscheide gefallen, und die Verantwortlichen bemühen sich auch, den Ball flach zu halten. Der RBS müsse in dieser Frage sicher die Bedürfnisse von Bernmobil berücksichtigen, sagt Sprecherin Christine Schulz nur und: «In diesem Zusammenhang wird auch die Frage der Fahrzeuge erörtert.»

Intern scheinen die Diskussionen bereits weiter zu gehen. Sollte Bernmobil tatsächlich neue Trams mit zwei Führerständen anschaffen, heisst es, könnte man sich den Zusatzaufwand gleich schenken. Und die Schleife Siloah getrost wieder wegreissen.

Schulz sieht die Sache differenzierter. Schleifen machten unter Umständen sogar mit Zweirichtungsfahrzeugen Sinn, weil die Lokführer im Führerstand bleiben und so rascher wenden könnten, hält sie fest. Wie entscheidend die Zeitersparnis im Alltag ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt