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Auf den Spuren der Darmbakterien

Ein Bürger an der Riedstrasse meldet, das Wasser schmecke ungewöhnlich. Tests im Labor weisen Enterokokken nach. Seither läuft in Schwarzenburg die Suche nach dem Grund der Verschmutzung – nach der Nadel im Heuhaufen.

Christian Beyeler nimmt eine Wasserprobe bei einem Hydranten in der Nähe der Kirche Wahlern.
Christian Beyeler nimmt eine Wasserprobe bei einem Hydranten in der Nähe der Kirche Wahlern.
Andreas Blatter

Der Blick durch das runde Fensterchen in der Stahltür ist nicht sonderlich spektakulär. Es sieht aus wie in einem Hallenbad. Weisse Plättchenwände, darüber ein blauer Schimmer. 1500 Kubikmeter Wasser fasst das Reservoir Hausmattweidli oberhalb von Schwarzenburg. «Wenn Sie eine Verunreinigung sehen, dann melden Sie es bitte», sagt Daniel Gerber sarkastisch. Er ist verantwortlich für die Wasserversorgung der Gemeinde Schwarzenburg und muss nun den Grund suchen, warum Darmbakterien ins Trinkwasser gelangt sind.

Ein Bürger, der an der Riedstrasse bei Lanzenhäusern wohnt, habe sich Mitte letzter Woche gemeldet, erklärt Gerber. «Er sagte, das Wasser schmecke komisch.» Die Gemeinde testete das Wasser und fand Enterokokken. Einige Spezies dieser Bakterien spielen eine wichtige Rolle bei der Verdauung des Menschen, andere verleihen etwa Büffel-Mozarella seinen typischen Geschmack. Die Spezies im Trinkwasser ist aber weniger reizvoll. Sie kann zu Durchfall führen, wie die Gemeinde vorgestern per Flugblätter und Radio warnte. Schwarzenburger sollen mindestens bis Montag nur abgekochtes Wasser trinken, ausgeschlossen ist Albligen, das sein Wasser von Heidenried und Ueberstorf bezieht.

Komplizierte Spurensuche

Wenn Daniel Gerber in diesen Tagen vor dem Reservoir Hausmattweidli steht und über das Gemeindegebiet schaut, muss er ein anderes Bild sehen als sonst. Nicht die hügligen Felder, Bäume und Höfe wird er sehen, sondern ein kompliziertes Netz von Wasserleitungen, das sich unterirdisch über ganz Schwarzenburg erstreckt. Irgendwo in diesem System könnte ein Rohr kaputt sein, könnte es ein Vakuum geben, das zum Beispiel Jauche oder Abwasser ansaugt, wie Gerber erklärt. Ein Leck sei ein möglicher Grund für die Verschmutzung. Die andere Möglichkeit sei, dass ein Fassungsgebiet verschmutzt wurde. So oder so, im komplizierten Rohrnetz könnte das verseuchte Wasser überallhin fliessen. Solange Gerber und ein Kantons-Chemiker eine Gefahr nicht ausschliessen können, wird die Warnung aufrechterhalten.

Proben fürs Labor

Wasser schiesst aus dem Hydranten. Es sucht sich seinen Weg über die Strasse bei der Kirche Wahlern und fliesst über die angrenzende Weide. Christian Beyeler hält einen kleinen Becher in den Strahl. Der stellvertretende Wasserwart von Schwarzenburg nimmt Proben für das Labor. «Wir haben das Wasser in den Reservoiren mit Chlor versetzt», erklärt er. Das töte die Bakterien ab. Nun lasse er bei Hydranten an jedem Rohrstrang Wasser ab, etwa 20 bis 30 Kubik, bis das behandelte Wasser aus dem Hydranten fliesst. Dann nimmt Beyeler eine Probe. «Wenn das Wasser verunreinigt ist, wissen wir, dass es auf dem Weg vom Reservoir ein Leck haben muss.» Genau könne man es jedoch nicht orten. Denn die Stränge sind auch untereinander querverbunden.

«Die Laborwerte werden wir am Montag haben», erklärt Daniel Gerber. «Dann können wir sagen, ob das Grundwasser oder eine Quelle verseucht ist oder ob es einen anderen Grund gibt.» Wenn einzelne Proben von Hydranten Bakterien enthielten, könne man ein mögliches Leck zumindest grob eingrenzen.

Wenn das Wasser jedoch rein ist, heisst das noch nicht viel. Die Verschmutzung könnte ein einmaliges Ereignis gewesen sein, zum Beispiel könnte das Grundwasser gestiegen und verunreinigt worden sein. Es könnte aber auch ein Loch in einem Rohr geben, durch das später wieder Abwasser laufen könnte. «Wir würden dann am Montag noch eine Probe nehmen», sagt Gerber. «Wenn sie auch negativ wäre, würden wir Entwarnung geben. Aber wir müssten natürlich weiter nach dem Grund suchen.»

Keine Gesundheitsprobleme

Bisher hätten sich erst einzelne Bürger wegen Durchfall bei der Gemeinde gemeldet, sagt Gerber. «Doch bei 7000 Einwohnern ist es nicht verwunderlich, dass ein paar gerade krank sind.» Auch die Ärzte der Umgebung haben keine Häufung festgestellt. Es könnte also alles halb so schlimm sein. «Das wäre der Wunschtraum», sagt Gerber. Doch verschreien will er nichts. «Ich möchte nicht, dass mich das Labor eines Besseren belehren.»

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