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«Auf den Wahlplakaten herrscht Beliebigkeit»

«Wahlplakat oder Qualplakat?», lautete die Frage an einem Podium im Kornhausforum. Politexperten und eine Grafikerin diskutierten über inhaltliche und ästhetische Qualität von Politwerbung. Fazit: In Bern herrscht Beliebigkeit.

Die Linken stehen zukunftsweisend unter dem neuen Baldachin beim Bahnhof, die Bürgerlichen sehen motiviert aus wie die Protagonisten aus einer Bank- oder Versicherungswerbung. Doch ein grosser Unterschied zwischen den Parteien lässt sich nicht feststellen, obwohl sie doch in fast allen Punkten gegensätzlicher Meinung sind. Kaum AussagenWolf Linder, Professor am Institut für Politikwissenschaft an der Uni Bern, bemängelte die Beliebigkeit, die auf den Plakaten der aktuellen Berner Gemeinderats- und Stadtpräsidiumswahlen herrsche. Sie hätten kaum eine Aussage und seien zudem weniger sichtbar als manche Unterwäschewerbung. Auch Kommunikationsberater Christian Jaquet meinte, die Porträts der Politiker seien, mit Ausnahme jenes des Spasskandidaten Jimy Hofer, schlicht nicht merkfähig und würden keinen besonderen Typus Mensch darstellen. Zu wenig GeistKulturjournalist Konrad Tobler, der das Podium moderierte, fragte die Grafikerin Pedä Siegrist nach dem gestalterischen Wert der Plakate. Diese kritisierte bei der Gestaltung der Sozialdemokraten, dass man sofort die am Computer entstandene Montage erkennen könne. Christian Jaquet fand das weniger relevant und wies darauf hin, dass der Baldachin immerhin insofern eine gute nonverbale Aussage mache, als er Verbindung evoziere. Wolf Linder meinte, die visuelle Kommunikation der Parteien sei insgesamt äusserst brav bei diesem Wahlkampf, es brauchte einfach mehr Geist und Spitzigkeit.Ungewohnt zahme SVPEine gewisse Dreistigkeit beweist immerhin die kommunistische Partei PdA, die mit einem Hamburger darauf hinweist, dass den Bernburgern die Stadt gehöre, und verlauten lässt, dass sie die Burger nicht aufessen wolle. Die angriffige SVP gibt sich mit einer reinen Typolösung ungewohnt zahm. Wolf Linder vermutete dahinter ein bewusstes Sichabheben vom üblichen Stil, um zu zeigen, dass die Berner einen anderen Ton bevorzugen als die SVP Schweiz. Das Plakat von Stadtpräsident Alexander Tschäppät, das gerade durch seine Einfachheit besticht, fand Gnade vor der Jury. Wolf Linder meinte, dass dieses Plakat, welches mit Schwarz auf Rot mit «wählt Tschäpp@» wirbt, nur funktioniere, weil die Stimmbürger den Kandidaten alle kennen würden und er so sein Image – als einer, der sich Gags erlaubt – zementiere. Christian Jaquet bezeichnete das «Weiter so» als eine gute richtungweisende Aussage, und Pedä Siegrist fand Tschäppäts Plakat aus grafischer Sicht erholsam. Polo Hofer wusste wieSchliesslich blickte die Runde noch in die Vergangenheit und kam zum Schluss, dass das einstige Plakat von Polo Hofer, der 1971 mit drei Freunden splitternackt für die Partei «Härdlütli» posierte, eines der besten Wahlplakate je gewesen sei. Stimmt, daran können sich bestimmt sogar einstige Kiffer erinnern. >

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