Aus der Röhre in den Stollen

Illiswil

Die Sanierung der ehemaligen Abfalldeponie in Illiswil geht in die zweite Phase. Der Illiswilbach soll oberhalb der Deponie gefasst und über einen Stollen in den Mülibach geleitet werden. Kostenpunkt gut fünf Millionen Franken.

Hier taucht der Illiswilbach wieder auf. Mit Rohren wird das verschmutzte Sickerwasser weggeführt.

Hier taucht der Illiswilbach wieder auf. Mit Rohren wird das verschmutzte Sickerwasser weggeführt.

(Bild: Stefan Anderegg)

Hans Ulrich Schaad

Alles ist vereist. So sieht der Illiswilbach unterhalb jener Stelle aus, wo er südlich der Hauptstrasse zwischen Wohlen und Illiswil aus einer Betonröhre auftaucht. Bis vor gut 50 Jahren floss der Bach oberirdisch durch einen Einschnitt in der Landschaft. Das kleine Tal ist verschwunden. Ab 1962 diente der Bachgraben als Abfalldeponie, der Illiswilbach ist eingedolt. Diese Deponie ist nicht mehr sichtbar, aus ihr gelangen aber durch Sickerwasser seit Jahren Schadstoffe in den Illiswilbach (siehe Infobox). Diese Substanzen fliessen via Mülibach in den Wohlensee.

Problem Sickerwasser

Nach längeren Untersuchungen hat das zuständige Amt für Wasser und Abfall (AWA) beschlossen, die Abfallhalde in Etappen zu sanieren. Die Arbeiten konzentrieren sich auf die Reinigung des Sickerwassers und eine Verlegung des Bachs um den Deponiekörper herum. Nicht in Betracht gezogen wurde, die ganze Deponie abzutragen und die Schadstoffe zu entsorgen. Das wäre angesichts der sehr grossen Abfallmenge und des relativ niedrigen Gefährdungspotenzials unverhältnismässig und sehr teuer gewesen.

Aktuell hat das AWA die Arbeiten für die zweite Sanierungsetappe ausgeschrieben. In dieser Phase steht der Illiswilbach im Mittelpunkt. Er soll nicht mehr in einer mittlerweile undichten Betonröhre unter der Deponie durchfliessen, sondern über einen Stollen auf kürzestem Weg in den Mülibach geleitet werden.

Ein Spezialfall

«Wir hatten zwei Varianten geprüft», sagt Jürg Krebs, verantwortlicher Projektleiter beim AWA. Die andere Variante sah vor, den Bach oberirdisch um die Deponie zu leiten und zu renaturieren. Es ist auf den ersten Blick eine ökologischere Lösung und entspricht dem Gesetz, dass Bäche grundsätzlich nicht mehr eingedolt werden dürfen.

«Die Beeinträchtigung in der Landschaft wäre bei dieser Va­riante aber zu gross gewesen», sagt Jürg Krebs. Denn das naturnahe Tal oberhalb der eingedolten Strecke müsste aufgefüllt werden. Dafür wären Terrainverschiebungen – bis zu 20'000 Kubikmeter – nötig, und der Bach müsste viel weiter oben gefasst werden, die ursprüngliche Bachlandschaft wäre verloren. Das Gewässergesetz werde mit dem Bachstollen nicht verletzt, betont Jürg Krebs. Es sei ein Spezialfall, weil die Altlastensanierung im Vordergrund steht.

Der Stollen wird rund 450 Meter lang und einen Durchmesser von 1,5 bis 2 Meter haben, damit er Hochwasserspitzen schlucken kann. Das Detailprojekt müsse aber noch die genauen Dimensionen aufzeigen, ergänzt Krebs. Der Stollen muss gebohrt werden. Er wird in östlicher Richtung direkt in den Mülibach führen.

Sickerwasser in die ARA

In der ersten Sanierungsetappe wurde eine Fassung für das Sickerwasser erstellt. Dieses fliesst seit März 2015 nicht mehr in den Illiswilbach, sondern über eine gut 600 Meter lange Leitung und ein Absetzbecken in die ARA Wohlen. «Diese Massnahme hat sich bewährt», sagt Jürg Krebs. Diese Etappe kostete 1,8 Millionen Franken.

Die Kosten für die zweite Etappe belaufen sich gemäss Vorprojekt auf 5 bis 6 Millionen Franken. Übernommen werden sie vom Kanton (42%), vom Bund (40%) und von der Stadt Bern (18%). Auf Stufe Kanton liegt die Kompetenz für den Kredit beim Regierungsrat.

Nicht mehr zur Kasse gebeten werden die Grundeigentümer. Diese mussten sich mit fünf Prozent an den Untersuchungen beteiligen. Ursprünglich wollte der Kanton zehn Prozent (rund 80'000 Franken) von den Landbesitzern. Diese wehrten sich und erhielten vor Bundesgericht recht. In neuen Verhandlungen einigten sich Kanton und Grundeigentümer auf den neuen Verteilschlüssel.

Bevor die Bohrmaschinen in Illiswil auffahren, dauert es bis zu 2 Jahre. Das AWA möchte in etwa zwei Monaten die Ingenieurarbeiten vergeben. Über ein Jahr dauert es anschliessend, um das eigentliche Projekt auszuarbeiten und das Bewilligungsverfahren durchzuführen. Projektleiter Krebs rechnet damit, dass bei einem guten Verlauf Anfang bis Mitte 2019 die Bauarbeiten beginnen können.

Berner Zeitung

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