Aus zwölf mach eins

Bern

Es ist eine emotionale Angelegenheit: Die zwölf Kirchgemeinden der Stadt Bern sollen fusionieren. Im September beginnen die Vertragsverhandlungen. Konfliktpotenzial ist vorhanden.

In der Stadt Bern gibt es insgesamt zwölf Kichgemeinden. Diese sollen nun fusionieren (Archivbild Nydeggkirche).

In der Stadt Bern gibt es insgesamt zwölf Kichgemeinden. Diese sollen nun fusionieren (Archivbild Nydeggkirche).

(Bild: Urs Baumann)

Sheila Matti

Heute gibt es in der Stadt Bern elf reformierte Kirchgemeinden. Sogar zwölf, zählt man die Französische Kirche, die Paroisse française réformée de Berne, dazu. «Bei dieser Menge ist es oft schwierig, stadtübergreifende Projekte zu organisieren», sagt Hans von Rütte, Präsident der Kirch­gemeinde Nydegg. Hinzu komme der finanzielle Aspekt: Jede Kirchgemeinde braucht genügend Interessierte, um den Rat zu besetzen und die administrativen Prozesse zu erledigen. Kein Leichtes, bedenkt man die stetig sinkende Zahl der Kirchen­mitglieder.

Hans von Rütte ist auch Präsident des Verfassungsrates, welcher sich mit der Lösung dieser Probleme beschäftigt. Das Ziel ist klar: Am Ende soll es nur noch eine Kirchgemeinde Bern geben, die in sechs Kirchkreise unterteilt ist. In den letzten vier Jahren wurden bereits mehrere Schritte für eine solche Fusion gemacht. Ein weiterer wichtiger Schritt wird diesen September in Angriff genommen: Zum ersten Mal setzen sich die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Kirchgemeinden zusammen und sprechen über die Details des Fusionsvertrags.

Die Bedenken berücksichtigt

Eigentlich handelt es sich dabei um Gespräche rein juristischer Natur. Sie bergen aber auch ein gewisses Konfliktpotenzial; eine Kirchenfusion dieser Grösse löst bei vielen Beteiligten Ängste aus. Bereits letztes Jahr, als die einzelnen Kirchgemeinden darüber sprachen, ob sie an den Verhandlungen teilnehmen wollen, wurden diese Bedenken deutlich: Wollen wir wirklich unsere Autonomie aufgeben? Laufen wir nicht Gefahr, von oben her bestimmt zu werden? Und verlieren wir so nicht unsere Identität? Es waren solche Fragen, die im Raum standen.

«All diese Unsicherheiten sind immer noch vorhanden», meint von Rütte. Dennoch gehe er optimistisch in die Verhandlungen: «Wir haben die Einwände der Kirchgemeinden sehr ernst genommen und sie in unsere Überlegungen miteinbezogen.» Sichtbar wird dies auch im Entwurf des Organisationsreglements, welches die Projektgruppe am Mitwoch präsentierte: Das Dokument ist so formuliert, dass sich möglichst niemand bevormundet fühlt. «Die Subsidiarität ist uns sehr wichtig», so von Rütte.

Nicht ohne Exekutive

Erreicht werden soll dies insbesondere durch die Bildung von Kirchenkreisen – einer für die französische Gemeinde und fünf weitere für den deutschsprachigen Raum. Es bilden nur jene Kirchgemeinden zusammen einen Kreis, welche bereits heute engen Kontakt zueinander pflegen. Den Kirchenkreisen wie­derum wird möglichst viel Mitspracherecht eingeräumt: In Planungskonferenzen können sie ­ihre Vorstellungen einbringen. Und auch bei der Anstellung oder Abwahl von Pfarrpersonen solle nichts ohne die Zustimmung der Kirchenkreise geschehen.

Ganz um einen übergeordneten Rat kommt aber auch die Kirchgemeinde Bern nicht herum. Weil die Fusion dem Gemeinderecht des Kantons unterstellt ist, wird eine Exekutive vorgeschrieben. Wie gross dieser Kirchgemeinderat sein wird und wie viele Sitze welcher Kreis bekommen wird – «all diese Dinge werden wir nun in den Vertragsverhandlungen festlegen», sagt von Rütte. Etwa auch, was passiert, wenn sich eine Kirchgemeinde weigert zu fusionieren.

Am 8. September treffen sich die Vertreter erstmals. Der definitive Fusionsvertrag könnte bereits Ende 2019 zur Abstimmung kommen.

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