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Im Bauhaus-Jahr voran mit Neubau

Bis im Sommer 2019 soll der Variantenentscheid über den Erweiterungsbau des Berner Kunstmuseums fallen. Die Arbeiten dürften allerfrühestens 2025 abgeschlossen sein.

Das Kunstmuseum Bern steht vor dem Umbau.
Das Kunstmuseum Bern steht vor dem Umbau.
Adrian Moser

«Dürfen wir uns zum Strahlen bringen?», fragte Jonathan Gimmel am Donnerstag suggestiv in die Runde der Jahresmedienkonferenz. «Dürfen wir das Museum der Zukunft bauen?» Nachdem der Präsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern / Zentrum Paul Klee selbstkritisch die lange Leidensgeschichte gescheiterter Erweiterungsprojekte an der Hodlerstrasse resümiert hatte, konnte er an die erfreulichere Entwicklung der jüngsten Vergangenheit anknüpfen. Seit Mai 2018 zeichnet sich ein Neubau als konkrete Lösung ab.

Als Mäzen Hansjörg Wyss Anfang Jahr die in Aussicht gestellten 20 Millionen Franken vom gescheiterten Anbauprojekt aus dem Jahr 2006 gelöst hatte, konnte eine Machbarkeitsstudie für neue Szenarien in Auftrag gegeben werden. Diese ergab, dass eine Sanierung und Erweiterung des bestehenden Atelier-5-Gebäudes weniger geeignet wäre, den Platzbedürfnissen der Ge­genwartskunst und ihren ausstellungstechnischen Ansprüchen gerecht zu werden, als ein Neubau.

«Dürfen wir das Museum der Zukunft bauen?»

Jonathan Gimmel Präsident ad interim der Dachstiftung Kunstmuseum /Zentrum Paul Klee

Am Donnerstag stellte Gimmel nun die beiden Neubauvarianten mit und ohne zusätzliche Nutzung von Teilen des angrenzenden Polizeigebäudes näher vor – geschätzte Kosten: zwischen 56 und 82 Millionen Franken. Der Kanton will 40 Millionen beisteuern. So oder so unangetastet bleibt das heutige Haupthaus des Kunstmuseums, der denkmalgeschützte Stettler-Bau.

Mehr Vernetzung im realen Umfeld

Immer wieder betonte Jonathan Gimmel, altgedienter Worber Gemeinderat und in leitender Funktion bei der Stadt Bern angestellt, dass man die gesamte Neugestaltung der Hodlerstrasse im Auge habe und mit allen Beteiligten im Dialog sei. Am runden Tisch sitzen nebst der Stiftung, dem Subventionsgeber Kanton Bern und dem Mäzen vornehmlich Vertreter der städtischen Behörden. «Wird die Stadt uns die neuen Räumlichkeiten vermieten? Und wie bezahlen wir die Miete?» fragte Gimmel.

Oder: «Wenn man an der Hodlerstrasse eine Kulturmeile anstrebt, wie bekommt man den Verkehr weg?» Offenbar sind die städtischen Verkehrsplaner schon länger am Evaluieren neuer Lösungen für die unattraktive Rennstrecke. Zudem wurde der Zeitplan des Museumsprojekts abgeglichen mit jenem der Kantonspolizei, die teilweise nach Niederwangen umziehen wird. Demnach soll 2019 der Wettbewerb für den Museumsneubau ausgeschrieben werden, gebaut würde von 2022 bis 2026, der Betrieb wäre ab 2027 vorgesehen.

«Es ist eine ganz neue Ära angebrochen», freut sich Maria- Teresa Cano, Kommunikationschefin der beiden Berner Kunsthäuser. «Es wird jetzt mehr und klarer kommuniziert, auch gegen aussen.» Endlich, so scheint es, ist die früher eigenmächtig agierende Kunstinstitution im real existierenden Umfeld angekommen und willig, sich auch politisch mehr zu vernetzen.

Mehr Ausstrahlung dank Gurlitt

Auf künstlerischer Ebene ist die Vernetzung unter Direktorin Nina Zimmer weit gediehen. Vom Pontonierverein in Bern bis zur Phillips Collection in Washington reichen die Kooperationen, die an der gestrigen Medienkonferenz als wilde Collage aufgeschaltet wurden. Zusammen mit dem kaufmännischen Direktor Thomas Soraperra blickte Zimmer auf ein erfolgreiches Jahr mit 140000 Besucherinnen und Besuchern pro Haus zurück – das ist mehr als 2017 und weniger als 2010, dem Jahr der grossen Anker-Schau.

Vor allem die internationale Ausstrahlung des Kunstmuseums Bern ist 2018 gestiegen. Dies einerseits im Zusammenhang mit Gurlitt-Erbe, Provenienzforschung und kreativen Lösungen in diesbezüglichen Streitfällen, andererseits mit eigenwilligen Ansätzen in der Ausstellungspraxis. Beispiele dafür sind die Parallelismusschau zu Hodlers 100. Todestag oder das multimediale Projekt «Touch Down» zur Geschichte des Downsyndroms im ZPK. So hat man sich bereits «zum Strahlen gebracht» und stellte für das Jahr 2019, das im Zeichen von hundert Jahren Bauhaus steht, ein ambitioniertes Programm vor.

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