Bahnhof Bern: Jetzt geht es ab in die Tiefe

Von vier Grossbaustellen aus wird die Zukunft des Bahnhofs Bern aufgegleist. Nach monatelangen Vorbereitungen wird ab Juli zunehmend in die Tiefe ge­graben.

Die Bauarbeiten am Bahnhof Bern sind in vollem Gang. Video: Michael Bucher/Salome Studer
Michael Bucher@MichuBucher

Der rund 1 Milliarde Franken teure Bahnhofausbau in Bern wird sichtbarer für die ­Bevölkerung. Seit dem Beginn der Vorarbeiten im letzten Sommer häufen sich die Baustellen.

Noch sind diese oberirdisch, doch so langsam verlagern sich die Arbeiten in die Tiefe. Vier grosse Installationsplätze rund um den Bahnhof werden derzeit von SBB und RBS betrieben. Dort werden Zugänge ­gegraben, um mit den unterirdischen Bauten zu beginnen.

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Die beiden Bahnunternehmen luden gestern zusammen mit der Stadt Bern zu einem Baustellenrundgang. Die Tour d’Horizon sollte einen Überblick über den Stand der Arbeiten liefern.

«Wir bauen eigentlich erst die Baustelle.»Adrian Wildbolz RBS-Gesamtprojektleiter

  • Grosse Schanze: Zu Beginn des Rundganges führen die SBB zu ihrem Installationsplatz auf der Grossen Schanze. Hier wird ab Juli in die Tiefe gegraben zur Realisierung des neuen Zugangs via Länggasse. Von dort aus wird später die neue Personenunterführung Mitte gebaut, welche zwischen der bisherigen Unterführung und der Welle zu liegen kommt. Diese neue Mitte soll künftig etwa 44 Prozent der ­Passagierströme aufnehmen. Im ­Oktober wird die SBB-Baustelle noch augenfälliger. Dann wird nämlich eine Plattform über die Schanzenstrasse führen. «Darauf wird ein Teil der Baustelleninstallation platziert, um die beanspruchte Fläche auf der Grossen Schanze so klein wie möglich zu halten», wie SBB-Gesamtprojektleiter Benno Nussberger erklärt. Inklusive des weiteren Zugangs via Bubenbergplatz lassen sich die SBB diesen Ausbau 360 Millionen Franken kosten.
  • Hirschenpark: Weiter gehts zum ersten von drei Installationsplätzen des RBS. Beim ­Regionalverkehr Bern-Solothurn bleibt beim Umbau bis 2025 kein Stein auf dem anderen. Bekanntlich erhält der RBS einen komplett neuen Tiefbahnhof, der unter den SBB-Gleisen 2 bis 7 zu liegen kommt. Der Grossteil des Milliardenumbaus – nämlich 630 Millionen Franken – wird für den neuen RBS-Bahnhof verbaut. Letzten Sommer begannen beim Hirschenpark unterhalb des Bierhübeli die ersten Vorarbeiten. Die Grabungen sind eine äusserst delikate Angele­genheit. So mussten Bauarbeiter vor rund drei Wochen eine Swisscom-­Leitung «herausfiletieren», wie RBS-Gesamtprojektleiter Adrian Wildbolz den sensiblen Vorgang nennt. Diese wie auch andere Gas- und Wasserleitungen mussten verlegt werden. Erst ab August entsteht aber die eigentliche Baugrube. Von hier aus gräbt der RBS einen circa 1 Kilometer langen Eisenbahntunnel zum neuen Bahnhof. Beim Hirschenpark wird dieser mit dem bereits bestehenden Schanzentunnel Richtung Worblaufen verbunden.
  • Eilgutareal: Die Baustellenführung geht weiter zum Eilgutareal. Hier, bei den Abstellgleisen von SBB und BLS hinter der Reitschule, wird sich der neue RBS-Anfahrtstunnel in vier Röhren aufteilen. Wegen der Bohrungen musste die Hälfte der zehn Abstellgeleise vorübergehend entfernt werden. Zwei 20 Meter hohe Bohrgeräte sind derzeit dabei, Löcher in die Erde zu bohren. Diese würden mit Betonpfählen ausgefüllt, erläutert Adrian Wildbolz vor Ort. Mit der Zeit entsteht so eine Wand aus Betonelementen, die überdeckelt werden kann. Diese Bauweise hat einen grossen Vorteil: Während unter dem Deckel später die eigent­lichen Grab- und Bauarbeiten stattfinden, kann an der Oberfläche der Bahnbetrieb seinen gewohnten Gang nehmen.
  • Laupenstrasse: Zum Schluss gibts noch einen Augenschein auf dem dritten RBS-Installationsplatz. Dieser befindet sich beim Gleisfeld hinter der Laupenstrasse. Um den neuen Tiefbahnhof bauen zu können, muss hier ein Zugang gegraben werden. Noch ist nicht viel davon zu sehen. «Wir bauen eigentlich erst die Baustelle», meint Adrian Wildbolz dazu. Dies geschieht bislang in äusserst bescheidenen Platzverhältnissen. Das wird sich jedoch bald ändern. Denn: «Auf einer Fläche von drei Badetüchern kann man keine Grossbaustelle betreiben», sagt der RBS-Projektleiter etwas zugespitzt. Wie der RBS dieses Problem löst, ist ebenfalls schon länger bekannt. Das Bahnunternehmen installiert eine Plattform über der Laupenstrasse mit einer LKW-Rampe, um die Transporte sicherzustellen. Dank dieser Plattformlösung wird der Auto- und Busverkehr in der Laupenstrasse nicht gross ­beeinträchtigt. Ab September ­beginnt die Montage der Stahlkonstruktion, und voraussichtlich Anfang 2019 werden die ersten Lastwagen die Rampe hochfahren.

Berner Zeitung

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