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«Ballmoos soll Ballmoos bleiben»

Eine Strasse, 20 Häuser, 56 Menschen: Ballmoos gehört zu den kleinsten Gemeinden im Kanton. Jetzt will sie mit Jegenstorf fusionieren. Am Freitag wird abgestimmt – im alten Hühnerstall des Gemeindepräsidenten.

«Eine Fusion von Null auf Hundert, das funktioniert nicht.» Davon ist Rolf Bernhard überzeugt. Bernhard ist 36-jährig. Ballmooser Gemeinderatspräsident. Und gespannt auf die Abstimmung, die am Freitag ansteht. Dann trifft sich die Bevölkerung zur Gemeindeversammlung. In Bernhards ehemaligem Hühnerstall. Und stimmt über die Fusion mit Jegenstorf ab. Bei einem Ja würde Ballmoos mit seinen 56 Einwohnerinnen und Einwohnern ab 2010 zur grossen Nachbargemeinde mit fast 4700 Einwohnern gehören. «Ich habe ein gutes Gefühl», sagt Bernhard. Ein Nein – das würde ihn überraschen. Gespräche am KüchentischSeit über zwei Jahren laufen die Vorbereitungsarbeiten für diese Fusion. An manchem Küchentisch ist Rolf Bernhard gesessen, um mit den Familien über deren Ängste, Visionen und Bedürfnisse zu sprechen. Er habe dabei eine offene, konstruktive Haltung der Bevölkerung gespürt. «Nur diese Haltung hat die Fusion überhaupt möglich gemacht.»Jetzt sitzt Rolf Bernhard auf einem Stuhl in der kleinen Gemeindeschreiberei, die mitten im Dorf in einem alten Rieghaus untergebracht ist und nur zwei Stunden pro Woche geöffnet hat. Vor ihm aufgeschlagen liegt ein Ordner voller Fusionsunterlagen, die er mit Jegenstorf und dem kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung erarbeitet hat. Erst vor kurzem fand nochmals ein Infoabend statt. Kritik habe es am Fusionsvertrag keine mehr gegeben, sagt Bernhard. «Das ist mir sehr wichtig. Wir haben über Probleme immer offen diskutiert.» Eines habe sich bei all diesen Diskussionen deutlich gezeigt: Trotz Fusion – Ballmoos soll Ballmoos bleiben.«Einfach und einfach schön» sei es hier, schwärmt Bernhard, selbst ein Ur-Ballmooser. Auf den Wiesen stehen alte Hochstammbäume. Stöckli, Spycher und alte Bauernhäuser säumen die kleine Strasse, die durch den Ort führt. Rund 20 Häuser stehen in Ballmoos. Viele sind denkmalgeschützt. Da und dort schaut vor einem Haus ein Hund zum Rechten. Ab und an ist auf der Strasse ein Traktor unterwegs. Gegen 11 Uhr kommt der Pöstler vorbei. Viel los ist sonst nicht. Umso weiter ist der Blick, der sich einem auftut. Die Berner Alpen sieht man von hier aus ebenso wie den Jura. Weitblick legt Ballmoos nun auch was seine Zukunft betrifft an den Tag.Finanzloch wegen KindernAus dem Nichts heraus tauchte die Fusionsidee nicht auf. «Der Fusionsdruck des Kantons auf die kleinen Gemeinden wächst», sagt Bernhard. Auslöser waren dann im 2006 vor allem die fast 20 Schulkinder. «Wir sind stolz auf sie, doch das Schulgeld hat uns stark belastet», sagt Bernhard. Ein Grossteil des Budgets von rund 180000 Franken habe man dafür einsetzen müssen. Ohne diesen Druck hätte man wohl eine Fusion weniger rasch ins Auge gefasst, räumt Rolf Bernhard ein. Um sogleich nachzuschieben: «Wir sind keine Finanzhölle, es geht wieder aufwärts.» Theoretisch könnte man alleine weitermachen.Steuertechnisch lohnt sich die Fusion für Ballmoos aber: Statt der hohen 2,0 Einheiten wird künftig der Jegenstorfer Steuerfuss gelten. Ab 2009 sollen das 1,35 Einheiten sein.Keine fremde PartnerinJegenstorf ist Ballmoos alles andere als fremd. «Wir arbeiten schon lange zusammen», sagt Bernhard. Ob Spitex, Sozialdienst, Oberstufenschule oder die Kirchgemeinde: unzählige Einzelverträge existieren schon. «Die früheren Gemeinderäte haben ihre Arbeit gut gemacht», findet Bernhard. Jegenstorf sei die ideale Fusionspartnerin, rational sei das völlig klar. Dass man auch der emotionalen Komponente Rechnung trug, war Bernhard ebenso wichtig. So heisst Ballmoos weiterhin Ballmoos. Und die Primarschulkinder gehen wie bis anhin in Zuzwil zur Schule. Auch Bauland eingezont wird nicht: «Das waren alles wichtige Punkte für uns.» So viel ändern werde sich gar nicht, denkt Rolf Bernhard. Und ist trotzdem überzeugt, dass die Fusion ein wichtiger Schritt für die Zukunft ist. «Ich wünsche mir, dass die Leute in 40 Jahren finden, wir hätten etwas gedacht dabei.»

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