Barfuss über Stock und Stein

Wiedlisbach

Vor einem halben Jahr hat der Verein Pro Jura Bipperamt die neue Sagenweg- und Wanderkarte für den Jura herausgegeben. Am Samstag wurde nun auch die neuste Attraktion des Gebiets, der Barfussweg, eröffnet. Ein Selbstversuch.

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Der Barfussweg im Wald oberhalb von Wiedlisbach beginnt gleich anspruchsvoll, mit Kies, der uns frischgebackenen Barfussgängern wohl spitzer vorkommt, als er das in Wirklichkeit ist. Von langsamer Eingewöhnung keine Spur.

Als Nächstes kommt eine sehr angenehme Kassette mit quer gelegten Baumstämmen. Die Füsse atmen auf. Dann Holzschnitzel, wiederum verziehen viele das Gesicht. Die meisten hängen aber gleich noch eine zweite Runde über die drei ersten Kassetten des neuen Barfusswegs an. Und siehe da – die Steine und Holzschnitzel fühlen sich schon sehr viel weniger schmerzhaft an.

Gemütliche Stimmung

Die Eröffnung des Barfusswegs, den der Verein Pro Jura Bipperamt ins Leben gerufen hat, wäre am Samstag beinahe ins Wasser gefallen. Heftige Regenfälle, die etwa eine halbe Stunde nach Beginn der Feier einsetzen und innerhalb einer Stunde einen Teil des Waldwegs in einen Bach verwandeln, zwingen die Organisatoren zu ein bisschen Kreativität. Man ist zum Glück vorbereitet: Kurzerhand werden Zelte und Festbänke auf dem Waldweg aufgestellt und der gemeinsame Imbiss vorverlegt.

Bei den etwa dreissig Anwesenden kommt schnell eine gemütliche Stimmung auf und die Vereinspräsidentin Regula Brüllmann erzählt von der Umsetzung des Barfusswegs: «Ideen für solche Projekte haben wir immer sehr viele. Nur am Geld fehlt es leider oft.

Beim neuen Barfussweg hatten wir viel Unterstützung von der Burgergemeinde, die uns Boden und Holz zur Verfügung gestellt hat, dem Naturschutzverein Wiedlisbach und Umgebung, der uns tatkräftig beim Aufbau unterstützt hat, und anderen freiwilligen Helfern.» Noch stehen nicht alle der geplanten Kassetten, die, verteilt über etwa 500 Meter, den Barfussweg bilden. Doch auch schon die acht bereits fertiggestellten lohnen einen Besuch.

Und siehe da – die Steine und Holzschnitzel fühlen sich schon sehr viel weniger schmerzhaft an.

Nach den ersten drei Kassetten, die den ersten Abschnitt des Wegs bilden, geht es erst mal ein gutes Stück über einen Feldweg zur nächsten Station. Dort erwarten uns weitere gekonnt ins Gelände eingepasste Kassetten, gefüllt mit Tannenzapfen, grossen und mittleren runden Steinen und wiederum Baumstämmen, diesmal nicht längs, sondern quer durchgesägt. «Es war uns sehr wichtig, für die Befüllung unseres Barfusswegs nur Naturmaterialen zu verwenden», meint Brüllmann.

Durch den heftigen Regen entsteht spontan ein zusätzlicher, nicht minder anregender und vor allem spassiger Posten: ein Schlammfeld, durch das viele der Barfussgänger kurz entschlossen nach dem Motto «jetzt kommts auch nicht mehr drauf an» stampfen. Der kühle Schlamm ist eine wohlige Abwechslung für die Füsse, bevor sie den Rückweg über den Kiesweg antreten.

Wanderungen abgesagt

Obwohl der Gang über manche Materialen anfangs etwas schmerzhaft ist, ist der Barfussweg alles in allem ein sehr angenehmes Erlebnis. Man spürt, wie sich die Füsse an die neue Herausforderung gewöhnen, und nach der Überwindung der ersten Durchgänge fühlen sich die Materialien plötzlich ganz anders an.

Das zuerst so unangenehme Drücken der Steine an unerwarteten Stellen beginnt sich wie eine Fussreflexzonenmassage anzufühlen, das Stechen der Tannenzapfen tritt in den Hintergrund, und man beginnt ihre Struktur und anregende Wirkung zu fühlen. Das Ganze ist natürlich eine spassige Attraktion für Jung und Alt, hat aber durchaus auch Wellnesscharakter.

Obwohl der Gang über manche Materialen anfangs etwas schmerzhaft ist, ist der Barfussweg alles in allem ein sehr angenehmes Erlebnis.

Barfussgehen ist für den gesunden Menschen sehr wohltuend. Es werden Muskeln, Sehnen und Bänder gestärkt, die für den natürlichen Bewegungsablauf wichtig sind und sonst oft zu stark durch Schuhe entlastet werden. Auch werden die Durchblutung der Füsse, der Kreislauf und das Immunsystem angeregt.

Bei Gelegenheit lässt sich der Besuch des Barfusswegs mit einer kleineren oder grösseren Wanderung, wie sie auf der neuen Wanderkarte eingezeichnet sind, kombinieren. Auch am Samstagabend wären im Rahmen der 12. Schweizer Wandernacht noch zwei geführte Wanderungen geplant gewesen. Diese mussten aber wegen des starken Regens abgesagt werden.

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