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Bauer Wittwer pflügt noch wie zu Gotthelfs Zeiten

Bis zum Siegeszug des Traktors waren sie das wichtigste Arbeitsmittel in der Landwirtschaft: die Pferdezüge. Doch auch heute gibt es Bauern, die für ihre Arbeit auf Pferdegespanne setzen.

Peter Wittwer mit dem Ardenner-Hengst Xingu.
Peter Wittwer mit dem Ardenner-Hengst Xingu.
Urs Baumann

Idyllisch liegt der Hof von Peter Wittwer an einem Hang in Vechigen. Saftige grüne Wiesen umgeben den Betrieb. Unten im Tal bahnt sich die S7 ihren Weg Richtung Bern. Auf der Worbstrasse sind zahlreiche Autos unterwegs. Von alldem ist auf dem Bauernhof der Familie Wittwer nichts zu ­hören. Dafür gibt es umso mehr zu sehen: Die Aussicht über weite Teile des Worblentals ist im­posant.

24 Kühe leben auf dem Bauernhof. Auch Ziegen und Kaninchen sind im Stall untergebracht. Doch der ganze Stolz von Wittwer versteckt sich hinter dem Kuhstall: Sieben Pferde stehen dort in ihren Boxen. Liebevoll tätschelt Wittwer einem Freiberger die Schnauze und wirft eine Handvoll Heu in die Box.

Genutzt werden die Tiere nicht bloss für den Ausritt: «Fast für ­alles brauche ich meine Pferde», erzählt der 49-Jährige. Beispielsweise für die Heuernte, zum Pflügen oder für Arbeiten im Wald. «Am liebsten würde ich alle Aufgaben mit den Pferden erledigen», schwärmt Wittwer. Dazu fehle ihm jedoch die Zeit. Und auch mit dem steilen Gelände würden sich die Tiere teilweise schwertun.

Pferdenarr seit jungen Jahren

Die Begeisterung für Pferde begann bei Wittwer bereits früh: «Wenn ich plötzlich verschwunden war, wusste meine Mutter immer, wo sie mich suchen musste: bei den Pferden auf dem Nachbarhof.» Auch Wittwer selbst ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Jedoch habe seine Familie lange keine Pferde gehalten. «Ich musste meinen Vater lange überzeugen, bis er endlich ein Pferd gekauft hat.»

Die Leidenschaft für die Tiere überdauerte: Wittwer absolvierte seine RS als Trainsoldat mit dem Pferd. Direkt danach ersteigerte er sein erstes eigenes Pferd.

Nach seinem Dienst pachtete Wittwer einen Hof in Vechigen, den er inzwischen gekauft hat. Dreissig Hektaren bewirtschaftet er dort. Früher habe er dafür noch zwei Traktoren benutzt. «Als ich immer mehr Arbeiten mit meinen Pferden erledigen konnte, habe ich einen davon verkauft.»

So könne er mit dem Einsatz der Tiere sogar noch Geld sparen. Finanzielle Vorteile seien aber nicht sein Ansporn: «Ökologische Aspekte werden heute gross­geschrieben. Dazu will auch ich meinen Teil beitragen.» Die Pferdehufe seien zudem für den Boden weniger schädlich als die breiten Reifen eines Traktors.

Mit den Pferden würden aber auch mehr Arbeit und Kosten ­anfallen. «Die Anforderungen des Tierschutzes sind hoch.» Es brauche viel Platz für die Haltung der Tiere. Zudem müsse Futter angebaut werden und die Ställe gemistet. Auch die Technik habe er neu anschaffen müssen: «Früher gab es meist Vorderwagen, die entweder für einen Traktor geeignet waren oder für ein Pferdegespann.» Nun gebe es auch Modelle, die mit Traktor und Pferd kompatibel seien.

Über den allfälligen Mehraufwand könne Wittwer jedoch hinwegsehen: «Schliesslich bereiten mit die Tiere auch viel Freude.»

900-Kilo-Riese

In Wittwers Stall stehen vornehmlich Freiberger. Aber auch ein Ardenner befindet sich darunter – eine der ältesten Kaltblutrassen. Der Hengst namens Xingu bringt knapp 900 Kilo auf die Waage. Die massigen Tiere seien besonders robust und gut geeignet für Arbeitseinsätze. Der Hengst komme meist in einem Zweiergespann mit einer Freibergerstute zum Einsatz. «Ardenner sind eher ruhig und be­häbig, aber wenn es Arbeit gibt, drehen sie so richtig auf.»

Die Freude an Pferden hat Wittwer bereits an die nächste Generation weitergegeben. Sein Sohn absolviert die Lehre zum Bauern. «Es war ihm wichtig, dies auf einem Hof zu tun, wo mit Pferden gearbeitet wird.» Ob damit die Nachfolge für seinen Hof und seine Pferdegespanne gewährleistet ist, weiss Wittwer nicht. «Noch habe ich die Hoffnung. Aber es kann immer etwas dazwischenkommen.»

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