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Milchkannen, so leer wie die Kassen

Gewerkschaft und Bauern kritisieren die Industriemolkerei der Migros-Gemeinschaft, die den Milchpreis um 2,5 Rappen senken will.

Landwirte wehren sich auf dem Migros-Parkplatz beim Shoppyland Schönbühl gegen eine Milchpreissenkung.<br><i>(Video: Keystone-SDA)</i>

Es klingt nach wenig. Doch auch 2,5 Rappen pro Kilogramm Milch summieren sich. Mit Abstrichen von knapp 10'000 Franken jährlich rechnet Landwirt Rudolf Andres. Die Milchwirtschaft ist das wichtigste Standbein auf dem Betrieb des Präsidenten des Bernisch-Bäuerlichen Komitees in Bargen bei Aarberg. 50 Kühe hält Andres, sie produzieren um 400'000 Liter jährlich. Dazu mästet er Muni und betreibt Ackerbau.

In diesem Moment ist Andres weder auf dem Feld noch im Stall, obschon viel zu tun ist. Stattdessen steht er vor der Betriebszentrale am Hauptsitz der Migros Aare in Schönbühl. Hier trifft er sich mit einer Handvoll anderen Milchproduzenten zum Protest. Milchkannen und Fahnen haben sie auf den Platz getragen. Auf jenen Platz, den die Bauerngewerkschaft Uniterre, die Bäuerliche Interessengruppe für Marktkampf, das Bernisch-Bäuerliche Komitee und das Bäuerliche Zentrum Schweiz für ihre Aktion am Dienstagvormittag reklamieren. Inzwischen hält Rudolf Andres das Megafon und verschafft seinem Unmut Luft. «Das ist schlichtweg nicht mehr verkraftbar!»

Zuschlag, dann Senkung

Im September wird in der Schweiz der sogenannte «Grüne Teppich» ausgerollt. Auf der Milchgeldabrechnung muss ab diesem Zeitpunkt ein Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rappen pro Kilo ausgewiesen und separat bezahlt werden. Dass die Migros-Tochter Elsa und Emmi den Milchpreis zwei Monate vor Einführung dieses Zuschlags um 2,5 Rappen senken wollen, erzürnt die Produzenten.

Dieser Entscheid der Industriemolkerei der Migros-Gemeinschaft sei ein verhängnisvolles Signal an die anderen Anbieter. Dazu muss man wissen, dass die Verarbeiterin der Migros bisher mehr bezahlt als andere. Eine faire Entlöhnung, daran erinnern die Produzenten in Schönbühl, sieht anders aus. Sie rechnen mit 1 Franken pro Kilo Milch allein für die Produktion.

Rechnet sich das noch?

Rudolf Andres hat als direkter Elsa-Lieferant im vergangenen Jahr im Schnitt 64 Rappen pro Kilo erhalten, sagt er. 2 Rappen davon als Zulage, weil er seine Milch an einen Sammelplatz karrt. Schrumpft sein Verdienst, sind auch Investitionen in die Infrastruktur und das Tierwohl nicht möglich, argumentiert er. Seinen Anbindestall in einen Laufstall umbauen: Das liege nur drin, wenn er noch Geld verdiene. Stattdessen müsse er sich heute überlegen, ob sich das Melken für ihn überhaupt noch rechne.

Mit seiner Milch deutlich weniger verdient Christian Messerli. 20 Milchkühe umsorgt er auf seinem Betrieb in Wohlen, deren Milch an die Aaremilch AG geht. Diese wiederum liefert an Emmi. Weil er kein Produzent der Elsa ist, liegt Messerlis Erlös heute schon unter 50 Rappen pro Kilo. «Irgendwie geht es schon», stellt der Landwirt fest, «aber das hat keine Zukunft.» Er versuche eine möglichst nachhaltige Milch zu produzieren und füttere daher möglichst wenig hinzu. Das wiederum wirke sich auf den Gehalt der Milch aus.

«Einige Produzenten werden nun sehen, wie tief der Erlös tatsächlich fallen kann», sagt Messerli. Die Solidarität treibt ihn an, sich vor dem Hauptsitz der Migros Aare zu einem knappen Dutzend Kollegen zu gesellen.

Sie hoffen, dass die Branchenriesen auf ihren Entscheid zurückkommen. Ob das geschehen wird, da sind sich Andres und Messerli nicht sicher. Aber dass ihre Aktion etwas bewirken kann, davon sind sie überzeugt.

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