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Baum sorgt für Ärger im Quartier

Der Standort eines Ginkobaums sorgt in Kräiligen für Ärger im Quartier. Der Baum sollte den Hausbesitzern eigentlich Glück bringen, provoziert aber stattdessen den Nachbarn. Jetzt haben die Baumbesitzer gehandelt.

Vor dem Baum des Anstosses: der verärgerte Nachbar Celestino Marrongelli.
Vor dem Baum des Anstosses: der verärgerte Nachbar Celestino Marrongelli.
Urs Baumann

Noch ist es sommerliches Wetter, doch das Laub beginnt sich zu verfärben. Das ist auch die Zeit, in der manch einem Nachbarn die Zornesröte ins Gesicht steigt. Es wird über das am Boden liegende Laub gestritten, über die Höhe eines Baumes, die Breite einer Hecke und um den faulen Apfel, der auf das Nachbargrundstück gefallen ist. Die Behörden werden eingeschaltet, und manch ein Dossier landet schliesslich auf dem Pult des Richters. Der «Baum des Anstosses» kann so zu einem totalen Zerwürfnis zwischen Nachbarn führen und das Leben im Quartier schier unerträglich erscheinen lassen. Im Gebiet Kräiligen gibt es so einen Baum. Es ist ein Ginkobaum, was so viel wie Glücksbaum heisst.

Er kämpft gegen «Filz»

Vor vierzehn Jahren haben ihn Pia und Ulrich Sommer gepflanzt. Er war ein Geschenk der Verwandten und sollte der Familie Glück bringen. Doch es kam anders. Der Baum wurde grösser, dies ärgerte den Nachbarn, Celestino Marrongelli. Ein Baum so nahe an die Grundstücksgrenze zu pflanzen sei nicht rechtens, glaubt er. Zudem falle ein zu grosser Schatten in seinen Garten. Gespräche mit den Nachbarn hätten keine Wirkung gezeigt. «Jetzt ist der Baum wie ein rotes Tuch für mich. Jedes Mal, wenn ich ihn erblicke, ärgere ich mich», sagt der gebürtige Italiener.

Marrongelli fühlt sich ungerecht behandelt. Die Baubehörden und auch die Gemeindepräsidentin seien zwar auf seine Aufforderung hin bei ihm gewesen, doch genützt habe dies nichts. Marrongellis Vorwürfe sind happig: «Da sie beim ehemaligen Wirtepaar Sommer gratis essen konnten und sich duzen, sind sie befangen und machen nichts. Gegen diesen Filz habe ich keine Chance.» Ein Blick über den Gartenhag zeigt, dass der Baum in der Tat knapp neben dem Grenzstein gepflanzt wurde.

Zu den Filzvorwürfen hat Gemeindepräsidentin Rosmarie Habegger (SVP) eine klare Antwort: «Wir wurden nie zu einem Gratisessen eingeladen. Und dass Gemeinderäte mit Leuten aus dem Dorf per Du sind, ist nichts Aussergewöhnliches. Diese Personen werden nicht privilegiert behandelt.»

Die Wurzeln des Übels

Der Baum sei gar nicht das Problem, sondern der Nachbar, finden wiederum Pia und Ulrich Sommer auf der anderen Seite des Zauns. «Wir haben den Baum zum Sichtschutz gegen die lästigen Blicke des Nachbarn so nahe an die Grenze gepflanzt», sagt Pia Sommer. Zum Gesprächstermin mit dieser Zeitung hat sie fünf weitere Personen aus dem Quartier eingeladen. Im Verlauf der Diskussion wird klar: Die Wurzeln des Streits liegen tiefer als diejenigen des Baumes. Am Tisch ist man sich einig, dass Marrongelli durch sexistische Äusserungen und durch ein unangepasstes Verhalten auffalle. «Er ist ein Profiteur, der sich nur dann an unsere Gesetze erinnert, wenn sie ihm nützen», sagt Elisabeth Fiechter. Auch die an Sommers Tisch versammelten Quartierbewohner erheben Vorwürfe gegen die Gemeinde. Sie haben Unterschriften gegen die Verbrennung von stinkendem Material gesammelt. Die Rauchentwicklung aus dem Hause Marrongelli sei jeweils beachtlich und bestimmt rechtswidrig, sagen sie. Doch die Gemeinde habe nichts unternommen. Das war 2005. Gemeindepräsidentin Habegger entkräftet: Man habe schriftlich Stellung genommen, Celestino Marrongelli aufgefordert, die Vorschriften einzuhalten und die Nachbarn gebeten, weitere Vorkommnisse unverzüglich der Polizei oder dem Gemeinderat zu melden. Seither habe sie nichts mehr von unsachgemässen Verbrennungsaktionen gehört.

Äste mussten dran glauben

Die Gemeinde befasst sich seit Jahren mit diesen Streitigkeiten. Mehr als vermitteln und Gesprächsbereitschaft zeigen könne sie jedoch nicht, sagt Rosmarie Habegger. Alles andere sei Sache der Richter, findet Habegger. Stehe ein Baum länger als fünf Jahre, dürfe er nicht mehr umgehauen werden.

In der Zwischenzeit haben Pia und Ulrich Sommer neue Tatsachen geschaffen. Sie liessen die Äste kurzerhand vertikal den Gartenzaun entlang abschneiden. Wurde damit ein Stück Glück wiedergewonnen, oder ging noch mehr verloren?

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