Baumhaus muss weg, weil die Baubewilligung fehlt

Bremgarten

Das Baumhaus der Familie Pfister in Bremgarten bewegt die Gemüter. Die Gemeinde hat eine nachträgliche Baubewilligung verweigert. Und auch das Verwaltungsgericht verlangt den Abbruch.

Corpus Delicti: Das Baumhaus in Bremgarten ist nicht bewilligt. Die Besitzer und Erbauer sollen es deshalb abbauen.

Corpus Delicti: Das Baumhaus in Bremgarten ist nicht bewilligt. Die Besitzer und Erbauer sollen es deshalb abbauen.

(Bild: Urs Baumann)

Ein Haus hoch oben auf einem Baum: Das ist der Traum vieler Kinder. Auch von Jan, dem Sohn von Claudia und Marcel Pfister in Bremgarten. Vor zwei Jahren ging sein Vater daran, den Traum zu verwirklichen. Er baute auf einem Baum im Garten ein Spielhäuschen. Mit einer Leiter als Aufstieg vom Hang und einer Seilbrücke als Zugang vom Garten. Mit Fenstern, Läden, einer Tür und einer kleinen Veranda.

Das war im Frühling 2013. Seither ist aus dem Holzhäuschen ein Rechtsfall geworden. Das strittige Objekt hat bereits drei Instanzen durchlaufen: die Bremgartner Bauverwaltung, die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion und das Verwaltungsgericht. Grund: Fürs Baumhaus braucht es eine Baubewilligung, diese hat die Gemeinde verweigert.

Im geschützten Uferbereich

«Als ich das Haus baute, dachte ich nicht im Traum an eine Baubewilligung», sagt Marcel Pfister. Er habe vorher auch niemanden gefragt. «Ich nahm an, dass dies nicht nötig ist bei einem Spielgerät, das kleiner als zwei Meter ist.» Zudem sei der Baum grösser als das Haus selbst. Doch Pfisters Grundstück an der Ländlistrasse liegt im geschützten Uferbereich der Aare, dort sind auch «unbeheizte Kleinbauten» bewilligungspflichtig.

Pfisters erfuhren davon, als die Bauabteilung von Bremgarten sie darauf aufmerksam machte. Dass die Behörden das Baumhaus selbst entdeckten, kann Marcel Pfister nicht glauben. «Ich vermute, dass Nachbarn, wie auch schon, aus Neid und Missgunst reklamierten.» Es müsse ein nachträgliches Baugesuch eingereicht werden, wurde ihnen beschieden. «Man gab uns aber zu verstehen, die Gemeinde werde dieses nicht gutheissen», erzählt Pfister. Die Bauverwaltung hatte nämlich gemessen – und festgestellt, dass das Baumhaus an einer Stelle 1,25 Meter in die Nachbarparzelle ragt und der Grenzabstand auf einer anderen Seite mit 1,3 Metern unterschritten wird. Trotzdem reichten Pfisters ein nachträgliches Gesuch ein.

Die Gemeinde erteilte im Dezember 2013 jedoch den Bauabschlag und verordnete, der ursprüngliche Zustand müsse wiederhergestellt werden. Gegen diesen Entscheid reichten Pfisters Beschwerde ein. Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) stützte die Gemeinde. Pfisters gelangten deshalb ans Verwaltungsgericht. Doch sie blitzten auch dort ab. Das Gericht fand, für unbewohnte Bauten, die zu nahe an Nachbargrundstücken stehen, könnten zwar Ausnahmen gemacht werden. «Die Beschwerdeführenden verfügen aber weder über ein Näherbaurecht, noch haben sie um eine Ausnahme ersucht», heisst es im Urteil. Das «ausdrückliche Einverständnis» der betroffenen Eigentümer «sei unentbehrlich».

Zum Aussehen des Häuschens hielten die Verwaltungsrichter fest: «Es verfügt über drei Fenster mit verschliessbaren Fensterläden sowie eine grosse Tür.» Mit der «robusten Holzplattform» und der «Terrasse mit Holzbrüstung» erwecke es «eher den Eindruck eines Chalets als eines von Kindern behelfsmässig zusammengezimmerten Baumhauses». «Ich könnte fast stolz sein, dass ich laut Verwaltungsgericht in der Lage war, ein Chalet in den Baum zu hängen», sagt Marcel Pfister.

Hohe Kosten

Noch ist nicht klar, ob Pfisters die Beschwerde vors Bundesgericht ziehen werden. Das wäre kostspielig. Bereits fürs Baugesuch verlangte die Gemeinde nämlich 1100 Franken, jetzt soll Pfister auch die Verfahrenskosten von 1500 Franken übernehmen. Damit hat er schon so viel ausgegeben wie fürs Baumaterial. Und wenn es abgebaut werden müsse? Pfister: «Das Baumhaus war ohnehin für höchstens zehn Jahre geplant.»

Berner Zeitung

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