Bei der Insel-Gruppe beginnt das Sparen

Bern

Die Insel-Gruppe baut bis Ende 2019 rund 150 Vollzeitstellen ab. Geplant sind auch weitere Massnahmen. Insgesamt will das Unternehmen einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag einsparen.

Muss sparen: Uwe E. Jocham, CEO Insel-Gruppe.

Muss sparen: Uwe E. Jocham, CEO Insel-Gruppe.

(Bild: Beat Mathys)

Marius Aschwanden

Vor den Feiertagen gibt es schlechte Nachrichten für das Personal der Insel-Gruppe: Das Unternehmen teilte Am Dienstag mit, dass es bis Ende 2019 rund 150 Vollzeitstellen abbaut. Das entspricht einer Personalreduktion von 1,7 Prozent. Der Abbau soll mehrheitlich über die natürliche Fluktuation erfolgen. Kündigungen könnten aber nicht ausgeschlossen werden, steht im Mediencommuniqué.

Überraschend kommt die Nachricht nicht. Bereits im Oktober machte diese Zeitung publik, dass innerhalb der Insel-Direktion über einen Personalabbau diskutiert wird.Damals wurde von verschiedenen Quellen die Zahl von 600 bis 700 gefährdeten Vollzeitstellen genannt. Die Spitalgruppe verwies auf den laufenden Budgetprozess und wollte sich nicht zu den Recherchen äussern.

Am Dienstag nun nahm Direktionspräsident Uwe E. Jocham erstmals Stellung. «Wir haben ein ganzes Paket an Sparmassnahmen erarbeitet und erst in einem letzten Schritt beim Personal angesetzt», sagt er. Wo genau die 150 Stellen eingespart werden, kann er noch nicht sagen. Die Detailplanung stehe jetzt bevor. Klar sei aber, dass alle Berufsgruppen betroffen sein würden.

«Schere öffnete sich»

Dass intern auch über die Zahl von 600 bis 700 Stellen diskutiert worden ist, bestreitet Jocham nicht. Diese habe sich aber zu einem grossen Teil auf Stellen bezogen, die aufgrund der Budgeteingaben der einzelnen Abteilungen im nächsten Jahr hätten geschaffen werden sollen. Er verhehlt denn auch nicht, dass der Budgetprozess anspruchsvoll gewesen sei. Die Ansprüche der Kliniken und die finanziellen Möglichkeiten der Insel scheinen so stark divergiert zu haben wie schon lange nicht mehr.

Die Stellenreduktion markiert denn auch einen Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens. In den letzten drei Jahren nahm die Zahl des Personals stetig zu. Laut Jocham um rund 700 Stellen, davon um 250 im laufenden Jahr. «Gleichzeitig war das Wachstum auf der Ertragsseite unterproportional. Diese Schere hat sich immer weiter geöffnet.» Es sei deshalb dringend notwendig gewesen, ein «nicht nachhaltiges Personalwachstum» zu verhindern.

Weitere Sparrunden

Neben dem Personalabbau will die Insel-Gruppe auch den Einkauf optimieren sowie die Auslastung medizinischer Geräte erhöhen. Projekte und Investitionen sollen zudem neu priorisiert werden. Der Mitte Jahr kommunizierte Verzicht auf den Neubau des Spitals Tiefenau ist ein erstes Resultat dieser Massnahme. Welche weiteren folgen könnten, will Jocham noch nicht sagen. «Wir überprüfen die Investitionen jedes Jahr aufs Neue.»

Als Grund für das Sparprogramm gibt die Insel-Gruppe den zunehmenden ökonomischen Druck an. Die Revision des ambulanten Tarifs oder die Entwicklung, dass immer mehr Behandlungen ambulant anstatt stationär durchgeführt werden, stellen die Spitäler vor grosse Herausforderungen. Denn die Tarife für ambulante Behandlungen sind für sie nicht kostendeckend.

Erstmals in ihrer Geschichte verzeichnete die Insel-Gruppe nach dem ersten Halbjahr 2018 denn auch einen Verlust von 1,3 Millionen Franken. Noch Ende 2017 wurde ein Gewinn von 21 Millionen geschrieben. Mit den nun kommunizierten Massnahmen will das Unternehmen einen «mittleren zweistelligen Millionenbetrag» sparen. Genauer will Jocham nicht werden.

Klar ist aber, dass weitere Sparrunden nicht ausgeschlossen werden können. «Wir bewegen uns in einem Umfeld, in dem man dauernd die Tarife kürzt», sagt Jocham. Deshalb müsse die Insel-Gruppe in den kommenden Jahren laufend an ihrer Effizienz arbeiten. In erster Linie würden aber Prozesse und Strukturen angepasst und nicht Personal entlassen, so Jocham.

Spitäler schliessen

Der Berner Gesundheitsökonom Heinz Locher ist ob der Sparmassnahmen nicht erstaunt. Er ist überzeugt, dass diese erst ein Anfang sind. «Der Prozess wird in den nächsten Jahren weitergehen», vermutet Locher.

Neben der Verschiebung vieler Behandlungen in die ambulanten Strukturen sieht er einen weiteren Grund für die finanzielle Schieflage der Insel-Gruppe: «Heute muss man sagen, dass der Zusammenschluss von Inselspital und Spital Netz Bern ein Fehler war», so Locher. Die Fusion habe zu viele Kapazitäten gebunden, und es habe zu viele Abgänge gegeben. Das beschäftige die Gruppe noch heute.

Wie Jocham plädiert auch Locher für strukturelle Veränderungen anstelle von Personalreduktionen. «Stationäre Strukturen müssen schnellstmöglich abgebaut werden.» Konkret heisst das: Abteilungen oder Spitäler schliessen. Locher: «Auf den angedachten Neubau des Spitals Münsingen jedenfalls muss zwingend verzichtet werden.»

Berner Zeitung

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