Beim blauen Haus sieht die Behörde rot

Bremgarten

Das abgelehnte Baugesuch für ein Baumhaus ist kein Einzelfall. Die Fassaden eines Reihenhauses in Bremgarten müssen neu gestrichen werden, weil die Farbe einem Nachbarn und der Baukommission nicht passte.

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In Bremgarten schritten die Behörden in letzter Zeit mehrmals ein, weil für Bauarbeiten keine Bewilligung eingeholt worden war. Im Gemeindeblatt «Dr Wecker» wies die Bauverwaltung gar darauf hin, dass «künstlich geschaffene Bauten», Abbrüche und Terrain- oder Fassadenänderungen eine Baubewilligung erfordern.

«Solche Fälle gab es immer wieder, stark angestiegen sind sie nicht», sagt Markus Hodler, Leiter der Bauverwaltung. Es geht vor allem um Stützmauern, Sichtschutzwände, Fassaden und ums Umnutzen von Gebäuden.

Baumhaus und Hausfassade

Angeeckt ist zum Beispiel ein Baumhaus in einem Garten an der Ländlistrasse. Dieses steht im geschützten Uferbereich und ragt teils in das Nachbargrundstück hinein. Die Bauverwaltung verlangte den Rückbau, die Besitzer wehrten sich aber und zogen bis vors Verwaltungsgericht – erfolglos.

Nun ist ein ähnlicher Fall bekannt. Die Fassade des Reihenhauses von Kurt und Monique Bangerter am Hohstalenweg erhielt letzten Sommer eine neue Farbe: ein leicht gedämpftes, aber doch intensives Blau. «Von kompetenter Seite wurde mir versichert, es sei keine Baubewilligung nötig», sagt Kurt Bangerter.

Einen Monat später beschied ihm die Gemeinde, die Änderung erfordere eine Bewilligung. Bangerters reichten darauf ein nachträgliches Gesuch ein. Die meisten Nachbarn erklärten ihr Einverständnis zur neuen Farbe, nur zwei Unterschriften fehlten.

Die Baukommission entschied, sie könne den neuen Farbton nicht bewilligen, und erteilte den Bauabschlag. Begründung: Die Farbe passe nicht ins Bild der Überbauung, das Blau sei nicht pastellfarben, wie es in der Siedlung vorherrsche.

Bangerter schlug den Nachbarn dann einen helleren Farbton vor für die Fassade. «Die meisten schüttelten aber den Kopf. Sie wollten nicht, dass wir das jetzige Blau überstreichen.» Bangerters hätten den Entscheid der Baukommission an die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) weiterziehen können.

Vor kurzem ist die Frist ungenutzt abgelaufen. Der Gang vor die BVE mit unsicherem Ausgang hätte ins Geld gehen können, vermutet Bangerter. Jetzt bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Fassaden neu zu streichen.

Für das Nein der Gemeinde hat Kurt Bangerter kein Verständnis: «Der Hauseigentümerverband und ein spezialisierter Anwalt sagen mir, das sei Schikane. Hier wird mit ungleichen Ellen gemessen.»

Denn im Dorf gebe es viele Häuser mit markant gefärbten Fassaden, zwei stünden sogar in der Hohstalensiedlung wie sein Haus. Tatsächlich: Wer sich im Dorf umsieht, bemerkt immer wieder Häuser in intensiven Farben, die sich oft auch von umliegenden Gebäuden abheben.

Neues Baureglement

Der für den Hochbau zuständige Gemeinderat Werner Meile (SP), Mitglied der Baukommission, und Bauverwalter Markus Hodler wollen sich nicht zum Fall von Kurt Bangerter äussern, weil es ein laufendes Verfahren sei. Hodler hält aber fest, Entscheide fälle immer die Baukommission, nicht er oder seine Abteilung.

Laut Werner Meile gilt allgemein: Fassadenfarben müssen untereinander korrespondieren, gerade in einheitlichen Überbauungen. «Es passt nicht, wenn Pastellfarben neben Signalfarben stehen.»

Er weist darauf hin, dass seit 2011 ein neues Baureglement gelte. «Damit wurde eine strengere Praxis eingeführt.» Allerdings: Auch nach 2011 haben in Bremgarten Häuser intensive Farben erhalten.

Berner Zeitung

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