Rosshäusern

Belastetes Wasser neben BLS-Deponie

RosshäusernNachdem die BLS im Grossen Forst Ausbruch des neuen Rosshäuserntunnels eingelagert hat, sind die Nitratwerte der Quelle für den Weiler Mädersforst über den Toleranzwert gestiegen.

Mitten im Grossen Forst lagert Ausbruch aus dem Rosshäuserntunnel. Ist er schuld an den Problemen der Mädersforstquelle?

Mitten im Grossen Forst lagert Ausbruch aus dem Rosshäuserntunnel. Ist er schuld an den Problemen der Mädersforstquelle? Bild: Beat Mathys

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Das Wasser plätschert wie eh und je aus dem Überlauf der Brunnstube hinaus in den kühlen Wald. Die Idylle ist perfekt mitten im Grossen Forst, wo die Quelle für den Weiler Mädersforst unweit des Bahnhofs Rosshäusern liegt – eigentlich. Denn das, was hier aus dem Rohr in die freie Natur fliesst, entspricht nicht mehr dem, was die Lebensmittelgesetzgebung toleriert. Der Nitratgehalt ist zu hoch.

Der Grund liegt ein paar Gehminuten entfernt in einer Lichtung. Rund fünf Hektaren Wald hat die BLS hier in den letzten Jahren abgeholzt, um den ­darunter liegenden Kies zu Beton verarbeiten und diesen für den Bau des neuen Rosshäuserntunnels verwenden zu können.

Das Areal hat sie später mit Ausbruchmaterial aus der gut zwei Kilometer langen Tunnelröhre aufgefüllt und anschliessend aufgeforstet. Die kleinen Bäume stehen in Reih und Glied – und sollen irgendwann so gross sein, dass der Grosse Forst auch an dieser kahlen Stelle seinen Namen wieder verdient.

Das Sprengmittel

Zum Ortstermin im Wald sind Willi und Brigitte Mäder als ­Direktbetroffene mitgekommen. ­Ihnen gesellt sich Markus Sägesser von der BLS als verantwortlicher Projektleiter bei, und er relativiert gleich von Anfang an: Den letzten Beweis, dass an der Verunreinigung wirklich das Material aus dem Rosshäuserntunnel schuld sei, gebe es nicht.

Aber starke Indizien – immerhin enthielt das im Rosshäuserntunnel verwendete Sprengmittel Nitrit. Rückstände davon könnten sich aus dem Ausbruchmaterial gelöst und in Nitrat verwandelt haben sowie anschliessend ins Grundwasser gelangt sein.

Die BLS übernehme trotzdem die Verantwortung, fährt Markus Sägesser fort und wendet sich nun an Willi und Brigitte Mäder: «Schliesslich haben wir eine Vereinbarung zum Schutz der Quelle abgeschlossen.»

Basierend darauf lässt die BLS die Quelle seit 2011 überwachen. So, wie sie das auch bei den anderen Quellen im wasserreichen Grossen Forst tat – bei einer dieser regelmässigen Messungen stellte sie im Frühsommer 2016 erstmals einen Ni­tratgehalt fest, der über dem ­gesetzlichen Toleranzwert von 40 Milligramm pro Liter lag.

Die zweite Quelle

Was tun? Die Lösung fand sich in einer weiteren Quelle, die die Häuser des nahen Weilers Heitern versorgt. Sie liegt sogar noch ein Stück näher am aufgefüllten Areal, ist aber von unverändert guter Qualität.

«Der Grundwasserstrom verläuft hier wohl anders», vermutet Markus Sägesser – wie auch immer: In der Folge liess die BLS die zwei Quellen mit einer Leitung verbinden. Seither kann das belastete Mädersforstwasser mit sauberem Heiternwasser gemischt und so der Ni­tratgehalt unter den Toleranzwert gedrückt werden.

Diese Überbrückung sei nur als vorübergehende Massnahme gedacht, fügt Markus Sägesser an. Er sagt dies in der Hoffnung, dass die Schadstoffe irgendwann ausgewaschen sind und die belastete Quelle dann wieder den traditionell tiefen Gehalt von deutlich unter 10 Milligramm pro Liter aufweist.

Noch ist aber nicht absehbar, wann dieses Szenario eintritt und der Weiler Mädersforst wieder allein aus seiner Quelle versorgt werden kann. Zu sehr schlägt die Kurve mit den Messwerten aus den letzten Monaten mal nach oben und dann wieder nach unten aus.

Das grosse Fest

Die Chancen, dass sich Markus Sägessers Hoffnung erfüllt, stehen nicht schlecht. So jedenfalls schätzt im kantonalen Amt für Wasser und Abfall Oliver Steiner die Situation ein. «Erfahrungsgemäss sinken die Nitratkonzen­trationen mit der Zeit», hält er fest. Wann genau dies der Fall sein wird, weiss er allerdings nicht: Für eine Prognose sei es noch zu früh.

Oliver Steiner erinnert daran, dass eine Nitratkonzentration von über 50 Milligramm pro Liter bei Säuglingen die sogenannte Blausucht auslösen kann. Das Blut nimmt dann nur noch in vermindertem Umfang Sauerstoff auf, was im schlimmsten Fall zum Ersticken führt.

Den letzten Beweis, dass die BLS Verursacherin der Probleme beim Mädersforstwasser ist, hat auch Steiner nicht. Er schreibt aber von einer «starken Vermutung», dass dies so sei. Und weiter in aller Deutlichkeit: «Es handelt sich hier sicherlich um keinen alltäglichen Vorfall.»

Willi und Brigitte Mäder lassen sich darob den Alltag nicht verderben. Sie betonen das gute Einvernehmen mit der BLS und sind natürlich auch zufrieden, dass die Bahn für alle Kosten aufkommt. Am nächsten Samstag werden sie auf jeden Fall auch auf dem Areal des Bahnhofs Rosshäusern auftauchen: Die BLS wird dort den neuen Rosshäuserntunnel feierlich einweihen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.08.2018, 23:20 Uhr

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