Bern belegt Rang 3 beim Städteranking

Im Quervergleich mit anderen Schweizer Städten steht die Stadt Bern gut da. Zu diesem Schluss kommt die Denkfabrik Avenir Suisse. Kritik übt sie jedoch an der Wohnbaupolitik der Stadt.

Die Stadt Bern landet im Städteranking knapp hinter Zürich und Basel auf dem dritten Rang.

Die Stadt Bern landet im Städteranking knapp hinter Zürich und Basel auf dem dritten Rang.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Welche ist die liberalste Stadt der Schweiz? Dieser Frage geht die Denkfabrik Avenir Suisse in einer neuen Studie nach. Die wirtschaftsnahe Stiftung hat die zehn grössten Städte der Schweiz anhand von diversen Kriterien miteinander verglichen. Darunter Bern als fünft- und Biel als zehntgrösste Stadt des Landes.

Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse, sprach am Mittwoch in Zürich den Städten ein Lob aus: «Diese haben seit Mitte der 1990er-Jahre einen Boom erlebt. Der Sog hält bis heute an.»

In der Analyse belegt die Stadt Bern knapp hinter Zürich und Basel den dritten Rang. Ein Grund für die gute Rangierung der Stadt Bern dürfte die nicht allzu starke Konkurrenz der fünf anderen grossen Städte der Schweiz sein: Diese werden ebenfalls von rot-grünen Regierungen gelenkt, die auch nicht nach dem liberalen Lehrbuch vorgehen. 

Gute Noten erhält die Stadt Bern vor allem für ihre Finanzpolitik. Die Experten von Avenir Suisse honorieren insbesondere, dass es der Stadt gelungen ist, in den vergangenen Jahren die Schulden zu reduzieren.

Abzüge gibts dagegen, weil die Pensionskasse der Stadt Bern nur einen Deckungsgrad von 95 Prozent aufweist. Um die Kasse solid aufzustellen, fehlen hier rund 300 Millionen Franken.

«Die Städte haben seit Mitte der 1990er-Jahre einen Boom erlebt. Der Sog hält bis heute an.»Peter Grünenfelder, Direktor Avenir Suisse

Pluspunkte erhält die Stadt Bern auch, weil sie die Verkehrsbetriebe Bernmobil und den Energieversorger EWB als öffentlich-rechtliche Anstalten aus der Verwaltung ausgelagert hat. «Die Entscheidungswege werden dadurch viel kürzer», sagt Mitautor Lukas Rühli. Zum Vergleich: In Zürich sind die Verkehrsbetriebe und zwei Spitäler Teile der Stadtverwaltung.

Vorteile für Insider?

Die Stadt Bern weist ein gutes Notenblatt aus, doch sie hat nicht überall Bestnoten erhalten. So warnt die Denkfabrik vor zu starken Eingriffen in den Wohnungsmarkt, wie sie die Stadt Bern verstärkt vornehmen will. So hält sie wenig von der Idee, Wohnbaugenossenschaften vergünstigt Land im Baurecht abzugeben. 

Diese Art der Subventionierung sei wenig treffsicher: «Es profitieren oft nicht jene Personen, die eine Unterstützung am nötigsten hätten, sondern jene, die am besten informiert und lange genug auf einer Warteliste sind. Bevorteilt werden also primär Insider», schreiben die Autoren. 

Ins gleiche Horn stiess am Mittwoch die FDP der Stadt Bern. Sie kritisierte, dass die Stadt Bern mit noch mehr Interventionen in den Wohnungsmarkt eingreifen wolle. «Sinnbildlich steht der Entscheid des Stadtparlaments, auf dem Gaswerkareal Stockwerkeigentum zu verbieten», betont die FDP. 

Die Autoren von Avenir Suisse schlagen in der Wohnbaupolitik Rezepte vor, an denen die FDP Gefallen finden dürfte. «Die einzige Massnahme, die gegen eine steigende Nachfrage wirkt, ist ein steigendes Angebot», sagte Autor Lukas Rühli. Die Knappheit von Wohnraum könne nicht mit Regulierung beseitigt werden.

Entscheidend sei, dass eine Stadt den Bau von neuen Wohnungen oder Verdichtungen ermögliche. Und Avenir-Suisse-Direktor Peter Grünenfelder fügte an: «Es gibt Luft nach oben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Beispiel indem die Städte es zulassen, dass mehr Hochhäuser gebaut werden.»

Auf dem Weg zur Smart City

Auch die bürgerlichen Parteien kriegen ihr Fett ab. «Sie übertragen ihre politischen Programme aus den Agglomerationen relativ unbeholfen auf die Städte», schreiben die Autoren. Doch sie fänden in den Städten wenig Anklang. 

Die Avenir-Suisse-Vertreter sind der Ansicht, dass sich die Grabenkämpfe durchaus überwinden lassen. Die Städte sollen sich laut ihnen auf Lösungen konzentrieren, die das Potenzial von neuen Technologien nutzen. Das Nirwana werden die Städte laut den Autoren dann erreicht haben, wenn sie «liberale Smart Cities» sind. 

Berner Zeitung

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