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Bern Tourismus: Nächstes Jahr kommts zur Grundsatzdebatte

Mit dem (abtretenden) Präsidenten und einem Vorstandsmitglied hat Bern Tourismus im Gemeinderat zwei starke Fürsprecher. Die Organisation habe sich «enorm entwickelt», finden Alec von Graffenried und Reto Nause.

Wie soll Bern künftig touristisch vermarktet werden? Darüber scheiden sich die Geister.
Wie soll Bern künftig touristisch vermarktet werden? Darüber scheiden sich die Geister.
Christian Häderli

Debattiert Berns Stadtrat über das Budget oder die mittelfristige Finanzplanung, verlangt früher oder später jemand von links, dass Bern Tourismus Federn lassen soll. Auch sonst lässt etwa Luzius Theiler (GPB-DA) keine Gelegenheit aus, gegen die Bern-Vermarkterin zu schiessen.

Zuletzt wehrte er sich gegen das «Weihnachtswunderland» auf der Kleinen Schanze, das im kommenden Winter erstmals stattfinden soll. Weihnachtsmärkte seien austauschbar, das Eisfeld auf dem Bundesplatz decke den Bedarf ab, jenes auf der Kleinen Schanze beschädige bloss den Rasen, kritisierte Theiler.

Der Gemeinderat hält indes am Entscheid von letztem Jahr fest, das Projekt mit einer Anschub­finanzierung von 100 000 Franken zu unterstützen. Die beiden Eisbahnen und die verschiedenen Weihnachtsmärkte sehe er «nicht als Konkurrenz, sondern als gegenseitige Ergänzung und Erweiterung des Weihnachts- und Winterangebots in Bern». Der Markt solle über die Angebote entscheiden.

«Ein Verständnis aus der Steinzeit»

Grundsätzliche Kritik daran, wie Bern als Tourismusdestination vermarktet wird, übte kürzlich auch GB-Stadträtin Rahel Ruch. In der Debatte zum integrierten Aufgaben- und Finanzplan warb sie für den Antrag, auf die Erhöhung des Beitrags an Bern Tourismus beziehungsweise dessen Nachfolgeorganisation Bern Wel­come von jährlich 530 000 Franken ab 2019 zu verzichten.

Während die UNO 2017 zum Jahr des nachhaltigen Tourismus erklärt habe, stamme das Nachhaltigkeitsverständnis von Bern Tourismus «aus der Steinzeit», so Ruch. Statt etwa Zugreisende anzusprechen oder kleine Betriebe zu fördern, konzentriere sich Bern Tourismus auf Überseemärkte (also Flugtourismus) und beweible «globalisierte Riesenketten».

Bevor ihre Fraktion allenfalls für höhere Beiträge sei, müsste die touristische Ausrichtung Berns grundsätzlich diskutiert werden. Das Parlament sah dies aber anders. Mit 35 Nein- gegen 26 Ja-Stimmen bei 8 Enthaltungen ging der Streichungsantrag bachab.

«Lieb gewonnene Feindbilder»

Der Entscheid freut Stapi Alec von Graffenried (GFL) und Reto Nause (CVP), die im Gemeinderat eine starke touristische Achse bilden – Letzterer als Vorstandsmitglied von Amtes wegen, Ersterer als Präsident von Bern Tourismus, ein Amt, das er heute an der Mitgliederversammlung abgibt.

Während danach Marcel Brülhart die neu gegründete Bern Tourismus AG künftig präsidieren soll, bleibt der Verein Bern Tourismus nur als Förderverein bestehen – mit von Graffenried an der Spitze. «Das ist nur eine kleine Verantwortung verglichen mit dem bisherigen Präsidium», sagt er, und es erleichtere dem Verein den Start.

In den letzten fünf Jahren habe sich Bern Tourismus «enorm entwickelt», so von Graffenried. Dies hätten noch nicht alle mitbekommen, zumal «lieb gewonnene Feindbilder oft noch länger haften bleiben». Bern Tourismus versuche, «seinen Gästen die nachhaltige Lebensweise der Bernerinnen und Berner zu vermitteln».

Belege seien Werbung fürs Aareschwimmen, das Bern-Ticket zur Förderung des ÖV oder das Weibeln für Velofahren. Bern Tourismus sei Mitglied der Klimaplattform der Wirtschaft, arbeite eng mit dem Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung zusammen und verfüge «über junges, urbanes und motiviertes Personal, das stark in diese Richtung drängt».

Auch Gemeinderat Nause legt sich mit Verve für Bern Tourismus ins Zeug. Die Logiernächte zeigten, dass die meisten Touristen aus der Schweiz anreisen, gefolgt von Besuchern aus Europa. Entsprechend würden auch die Mittel eingesetzt. Mit Blick etwa auf Währungskrisen müssten die Risiken aber diversifiziert werden.

«Auch Tourismus soll keine Mono­kultur sein», so Nause. Die Angst vor «Monsterevents» sei unberechtigt, «das ist genau nicht die Strategie». Statt Gross­events peile man vielmehr kleinere Anlässe «mit überschaubaren Sicherheitsrisiken» an. Er verstehe das Anliegen, grundsätzlich über die touristische Ausrichtung zu diskutieren, so Nause. «Nächstes Jahr, wenn der neue vierjährige Leistungsvertrag verhandelt wird, kann diese Debatte geführt werden.»

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