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«Die Stimmung ist wahnsinnig»

Nach der Kinderfasnacht am Freitag stand am Samstag der grosse Fasnachtsumzug auf dem Programm. Tausende Schaulustige verfolgten das bunte Treiben und liessen sich nicht vom schlechten Wetter vergrämen.

Am Samstag fand der grosse Fasnachtsumzug statt.
Am Samstag fand der grosse Fasnachtsumzug statt.
Manuel Zingg
Die Schiishuesler haben die Fasnacht am Donnerstag um 11.11 Uhr mit einem Marsch von Münsingen nach Bern begonnen.
Die Schiishuesler haben die Fasnacht am Donnerstag um 11.11 Uhr mit einem Marsch von Münsingen nach Bern begonnen.
Manuel Zingg
Weitere Impressionen des Grossen Umzugs der Berner Fasnacht 2018.
Weitere Impressionen des Grossen Umzugs der Berner Fasnacht 2018.
Manuel Zingg
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50 Guggen hatten die Berner Innenstadt am Samstag im Griff. Zu Tausenden kamen die Zuschauer, obwohl es nicht nur Konfetti regnete. Im Publikum war auch die Luzernerin Helene Mösch. «Wenn es bei der Luzerner Fasnacht schön ist, dann wird es in Bern regnen, sagt man. Ich bin aber bei jedem Wetter dabei», sagt sie. Neben ihr sitzt ihr Mann, den sie überreden musste, mitzukommen. Die Fasnacht sei halt nicht bei jedem Berner beliebt, meint die 57-Jährige. «Unser Sohn will nichts damit zu tun haben, aber die Tochter spielt jetzt auch in einer Guggenmusik».

Während Mösch auf dem Balkon des Restaurants Mishio einen guten Blick auf den Umzug hatte, stand weiter vorne beim Bundeshaus Susanne Stenz, mit dabei ihre Freundin Claudia Schmid. Ihr Meerjungfrauen-Kostüm fiel auf, auch der Prämierungsjury, die die 41-Jährige mit dem dritten Platz auszeichnete. «Der Aufwand für die Kostüme ist riesig, aber es macht grossen Spass», sagte die Aargauerin begeistert. Dabei hatte sie auch eine fahrbare Bar, aus der sie Passanten türkisblauen Schnaps anbot. Wer den nicht mochte, bekam Holdrio oder Kafi-Schnaps. «Ich habe alles dabei», so Stenz.

Besser in Kultur verankern

Video: Claudia Salzmann

Um 16.30 Uhr war der Umzug vorbei. Viele der Guggen besammelten sich auf dem Bundesplatz zum traditionellen Monsterkonzert. Unter den Taktangebern war auch Daniel Graf, der die Fasnacht seit vier Jahren präsidiert. «Es war eine zufriedene Fasnacht mit etwas weniger Leuten», sagt Graf. Auch hätten sie einen Rückgang bei der Anzahl an Guggen. Das Ziel sei es, nächstes Jahr mehr Guggen zu haben und Gastguggen einzuladen. Viele Kinder spielten heuer mit, ein Nachwuchsproblem scheint die Berner Fasnacht nicht zu haben. «Mir ist das auch aufgefallen. Es hat auch reine Kinderguggen, eine beispielsweise aus Schliern. Das Interesse ist da», freut sich Graf.

Nach dem Konzert auf dem Bundesplatz verteilen sich die Guggen wieder in der Stadt. Damit die Stimmung hochgehalten werden kann, seien einige der Guggen schon nach dem Umzug losgezogen, so Graf. Er bedauert, dass die Fasnacht nicht besser in der Berner Kultur verankert sei. «Wir arbeiten daran. Das Publikum, das da ist, geniesst es. Die Stimmung ist wahnsinnig», so Graf.

Scharfzüngiges aus Bern

Ein Einblick in die Schnitzelbank-Soirée, die jeweils am Donnerstag stattfindet. Video: Claudia Salzmann

Zur Fasnacht gehören natürlich auch die Schnitzelbänke, die das aktuelle Geschehen spitzzüngig kommentieren. «Tüüü, taaa, tooo, d'Poscht chlaut oo», reimte beispielsweise die «Gwundernase».

Die drei Musketiere nahmen sich den Essgewohnheiten an: «i bschtelle Filet i dr Beiz, d Veganer luege mit Verdruss. I has du gässe, stängligse, duss bi de Roucher uss.»

Plakette, nein danke

Trotz aller Freude an der Fasnacht sind viele Besucher nicht mehr bereit, eine Plakette für sieben Franken zu kaufen. Das macht vor allem dem Veranstalter, dem Verein Berner Fasnacht, seit einigen Jahren Bauchweh.

Mobile Toiletten, Bühnen, Elektronik, die Kinderfasnacht und vieles mehr kostet Geld. Der Veranstalter hat ein Budget von rund 300'000 Franken.

Damit könnten zwar die wichtigsten Programmpunkte finanziert werden, «aber wir schreiben jedes Jahr ein Minus, weil immer weniger Leute eine Fasnachtsplakette kaufen», sagte Daniel Graf, Präsident des Berner Fasnachtsvereins gegenüber dem Regionaljournal Bern Freiburg Wallis von Radio SRF.

Er verstehe nicht, so Graf, warum viele Besucher die sieben Franken für drei Tage Fasnacht nicht bezahlen wollten. In Basel etwa sei dies kein Thema.

Fasnachtsfieber grassiert

Nicht nur in Bern sind die Narren los: auch in Langenthal, Biel und in vielen anderen Gemeinden ist Fasnacht angesagt. Die Langenthaler, so scheint es, haben bei der Wahl ihres Mottos bereits geahnt, dass das Wetter nicht mitspielen könnte: «Mir touche ab», wählte die Fasnachtsgesellschaft nämlich als Leitspruch.

Die Bieler Fasnacht beginnt jeweils am Aschermittwoch mit dem Charivari. Es folgen der Schnitzelbankabend, Strassenfasnacht, Umzüge, ein Monsterkonzert und zum Ausklang am Sonntag noch eine Carnaval-Party.

Früh dran mit ihrer Fasnacht sind jeweils die Thuner: dort sind die Narren jeweils bereits Ende Januar los.

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