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Berner «Heiler» mit Taser überwältigt

Der in seiner Liegenschaft verschanzten Berner «Heiler» und eine weitere Person konnten am Freitagnachmittag festgenommen werden. Die Polizei stürmte das Haus und konnte den Mann mithilfe eines Tasers festnehmen.

Der Pöstler kann wieder seine Arbeit verrichten, beobachtet von Polizisten.
Der Pöstler kann wieder seine Arbeit verrichten, beobachtet von Polizisten.
Andreas Blatter
Kurz nach der Intervention der Kantonspolizei fuhr auch der Krankenwagen ab. Der Mann wurde zur Kontrolle ins Spital gebracht und sei nach neuesten Erkenntnissen nicht schwer verletzt, wie ein Polizeisprecher bestätigt.
Kurz nach der Intervention der Kantonspolizei fuhr auch der Krankenwagen ab. Der Mann wurde zur Kontrolle ins Spital gebracht und sei nach neuesten Erkenntnissen nicht schwer verletzt, wie ein Polizeisprecher bestätigt.
Tobias Ochsenbein
Bei der Strassensperre gab es einen Grossaufmarsch der Medien.
Bei der Strassensperre gab es einen Grossaufmarsch der Medien.
Keystone
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Die Kantonspolizei Bern hat am Freitagnachmittag vor Ort über die Festnahme des Berner «Heilers» informiert. Oberstes Ziel sei gewesen, dass keine Personen zu Schaden kommen würden. Aus diesem Grund hab der Einsatz relativ lange gedauert, wie Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern, erklärt. Zudem hätten die speziellen Türschlösser den Einsatz schwierig gestaltet.

Der «Heiler» konnte schliesslich von der Sondereinheit «Enzian» mit einer Elektroschockpistole, einem sogenannten Taser, überwältigt werden. Laut Willi ist er nicht verletzt worden. Bei seiner Anhaltung sei er bewaffnet gewesen, mit was wollte die Polizei jedoch nicht bekannt geben. Er wurde gemäss Sanitätspolizei nach der Anhaltung zur Kontrolle seines psychischen und physischen Zustands ins Spital gebracht. Er befindet sich zurzeit in Haft, ist aber im Spital untergebracht worden. Die ärztlichen Untersuchungen dauern zurzeit noch an.

Die zuständige Staatsanwaltschaft eröffnete ein Verfahren wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte und allenfalls weitere Delikte und stellte einen Haftbefehl gegen den Mann aus. Das neue Verfahren gegen den Mann wird unabhängig von dem bereits laufenden Prozess geführt. Ein Antrag auf Untersuchungshaft wegen Flucht und Ausführungsgefahr werde zu gegebener Zeit gestellt, heisst es weiter.

Die Frau, die sich mit dem «Heiler» im Haus befand, wurde ebenfalls festgenommen. Ihre Identität ist noch nicht gesichert. Die Frau hat sich laut Polizei freiwillig bei ihm aufgehalten.

Der Einsatz wird von der Polizei als gelungen bezeichnet. Es sei niemand verletzt worden. Die Polizei habe die Lage jederzeit abschätzen können, da ein ständiger telefonischer Kontakt mit dem «Heiler» bestanden habe. Der Fall sei deshalb auch nicht mit dem Fall Kneubühl vergleichbar.

Am Donnerstag hatten zunächst vier Polizisten mit dem «Heiler» zweimal Kontakt an der Haustüre. Der Verschanzte habe massive Drohungen gegen Polizei und Justiz ausgestossen. Die Einsatzkräfte hätten sich dann wegen unklarer Bedrohungslage zurückgezogen und Verstärkung angefordert.

Weil der Mann massive Drohungen ausgestossen hatte, erliess die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl. Wie lange der Mann in Haft bleibt ist offen. Unklar ist auch, ob der Mann noch vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland erscheinen wird, wo derzeit ein Prozess gegen ihn stattfindet.

Der «Heiler» habe signalisiert, dass er dem Prozess fernbleiben wollte, wie Willi weiter ausführt.

Einsatz kurz vor dem Mittag

Die Lage vor dem Haus der Heilers hatte sich am Freitagmorgen schlagartig verändert: Kurz vor Mittag erfolgte der Zugriff durch die Polizei, wie Polizeisprecher Michael Fichter bestätigt. Ein 54-jähriger Mann und eine Frau seien in der Wohnung des «Heilers» angehalten worden. In welcher Beziehung die beiden zueinander stünden, sei offen. Sie Der Mann sei zu Abklärungen ins Spital gebracht worden. «Er ist jedoch nicht schwer verletzt», so Fichter weiter.

Laut einer Reporterin von Redaktion Tamedia fuhr gegen 11.30 Uhr ein Ambulanzfahrzeug vor. Gegen 11.45 Uhr erfolgte dann der Zugriff durch die Polizei. Wenig später wurde, verdeckt von einem schwarzen Tuch, eine oder mehrere Personen in einen weissen Kastenwagen verladen. Noch ist unklar, um wen es sich dabei handelte.

Die Situation im Quartier scheint sich nach dem Zugriff weiter zu entspannen. Gegen 13 Uhr konnten die ersten Anwohner wieder in ihre Wohnungen im abgesperrten Bereich zurückkehren.

Die Polizeiaktion vor dem Haus des selbst ernannten «Heilers von Bern» hatte die ganze Nacht auf Freitag angedauert. Am Morgen stellte sich die Lage ruhig dar. Das Gebiet um das Wohnhaus des Mannes im Westen von Bern war weiträumig abgesperrt. Die Anwohner konnten jedoch jederzeit in ihre Wohnungen.

«Bin froh, wenn alles vorbei ist»

Eine Quartierbewohnerin äusserte sich am Morgen besorgt über die aktuelle Situation: «Ich habe zwar nicht direkt Angst, doch wohl ist es mir bei der ganzen Sache nicht.» Sie habe ein mulmiges Gefühl bei so viel Polizei im Quartier. Zudem wisse man nicht genau, wie es weitergehe. «Ich bin froh, wenn alles vorbei ist», so die Frau weiter.

Der angeklagte «Heiler» war am Donnerstagmorgen zum zweiten Mal in Folge nicht vor Gericht erschienen. Er leide an einer «akuten psychischen und physischen Erschöpfung», hiess es in einer E-Mail, die der Verteidiger dem Gericht vorlegte. Bis Ende Woche könne er dem Prozess nicht beiwohnen.

Prozess soll heute fortgesetzt werden

Damit gab sich das Gericht nicht zufrieden und stellte einen Vorführungsbefehl aus. Als die Polizei den Mann an seinem Wohnort in Bern abholen wollte, habe dieser sich «nicht kooperativ verhalten», sagte ein Polizeisprecher. Der «Heiler» zeigte sich am Donnerstag mit Messer und Säbel bewaffnet in seinem Garten und drohte Gewalt anzuwenden.

Der Mann befand sich bislang auf freiem Fuss. Die bernische Justiz hatte ihm ursprünglich auferlegt, den Kanton nicht zu verlassen und sich jeden Tag persönlich bei der Polizei zu melden. Das Bundesgericht strich aber die meisten Auflagen wegen Unverhältnismässigkeit.

Dem selbst ernannten Heiler und Musiklehrer wird vorgeworfen, 16 Menschen vorsätzlich mit HIV infiziert zu haben.Er bestreitet alle Vorwürfe. Ungeachtet der Ereignisse soll der Prozess am Regionalgericht Bern-Mittelland heute Nachmittag mit den ersten Plädoyers von Opferanwälten fortgesetzt werden. 13 der 16 Opfer treten als Privatkläger auf. Das Plädoyer der Verteidigung wird am Montag erwartet.

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