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Sparmassnahmen: Die Spitex trifft es besonders hart

Die Berner Regierung hat Details des Sparpakets bekanntgegeben, das sie letztes Jahr ankündigte. Acht der jährlich 185 Millionen gesparten Franken betreffen die Spitex.

Philippe Müller
«Die 8 Millionen, die man uns wegnehmen will, machen 9 Prozent aller Sparmassnahmen aus, die 2018 umgesetzt werden. Das ist ein massiver Eingriff für unsere Organisationen», sagt Eva Desarzens, Präsidentin des Spitex-Verbandes Kanton Bern.
«Die 8 Millionen, die man uns wegnehmen will, machen 9 Prozent aller Sparmassnahmen aus, die 2018 umgesetzt werden. Das ist ein massiver Eingriff für unsere Organisationen», sagt Eva Desarzens, Präsidentin des Spitex-Verbandes Kanton Bern.
Marc Dahinden

«Das schlägt dem Fass den Boden aus.» Die erste Reaktion von Eva Desarzens sagt alles. Die Präsidentin des Spitex-Verbandes Kanton Bern hat die Sparmassnahmen des Regierungsrates ungläubig zur Kenntnis genommen. Die 50 öffentlichen Spitex-Organisationen verlieren ab 2018 total jedes Jahr 8 Millionen Franken. Die Regierung will damit die Hälfte der heu­tigen Grundbeiträge an die ­Versorgungspflicht einsparen.

Dieser Beitrag ist Teil der Entschädigung des Kantons an die Spitex-Organisationen mit Versorgungsauftrag, dafür, dass sie jeden Patienten behandeln, möge er noch so abgelegen wohnen und noch so pflegeaufwendig sein. Desarzens stört sich daran, dass der Regierungsrat nirgendwo sonst so viel sparen will wie in der Spitex: «Die 8 Millionen, die man uns wegnehmen will, machen 9 Prozent aller Sparmassnahmen aus, die 2018 umgesetzt werden. Das ist ein massiver Eingriff für unsere Organisationen.»

Existenzbedrohend für Spitex-Organisationen

Jürg Schläfli, Geschäftsführer des Spitex-Verbandes, ­befürchtet aufgrund des Sparprogramms ein Abrutschen ­diverser Spitex-Einheiten in die roten Zahlen. «Die meisten sind bereits heute unterfinanziert, sie haben zu wenig Eigenkapital», sagt er. Das kantonale Entlastungspaket könne für die Spitex-Organisationen gar existenzbedrohend sein.

Die Halbierung der Versorgungspflichtbeiträge ist nicht der einzige Eingriff, den der Regierungsrat bei der Spitex vornimmt: Er will die Höhe der Patientenbeteiligung an die Pflegeleistungen erhöhen und die eigenen Beiträge um 13 Millionen senken. ­Allerdings wird dieses Geld der Spitex nicht weggenommen, die Kosten werden an die Klienten überwälzt. Heute zahlt ein Patient 5.50 Franken pro Stunde selber, für Leute mit hohem Einkommen gilt zudem eine ­Patienten-beteiligung von maximal 15.95 Franken pro Tag. Diese zahlen künftig alle Patienten ­zusätzlich zum Stundentarif, unabhängig vom Einkommen. Das könnte laut Schläfli dazu führen, dass sich nicht mehr alle Patienten die Spitex leisten können und eine Verlagerung etwa in Pflegeheime und Spitäler stattfinde.

Der Spitex-Verband wolle die Sparmassnahmen nicht kampflos hinnehmen, sagt Präsidentin Desarzens. Geplant seien mehrere Lobbying-Massnahmen, ­etwa eine Veranstaltung für die Grossräte.

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