Besuch des Dalai Lama in Bern ist ein diplomatischer Eiertanz

Bern

Zwar wurde der Dalai Lama vom Berner Gemeinderat eingeladen und trifft diesen auch, ein offizieller Empfang sei das aber nicht, betont die Stadt.

Wagte den Handshake: Nationalratspräsidentin Maya Graf im Jahr 2013.

Wagte den Handshake: Nationalratspräsidentin Maya Graf im Jahr 2013.

(Bild: Keystone)

Der Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der Tibeter, stattet diese Woche Bern einen Besuch ab. Am Mittwoch wird er das Haus der Religionen besuchen. Am Donnerstag hält er im Kursaal einen Vortrag.

Besuche des Dalai Lama sind für den Gastgeber eine heikle Angelegenheit, Proteste Chinas sind absehbar. Vor drei Jahren, beim letzten Besuch in Bern, kam es noch zu einem Treffen mit der damaligen Nationalratspräsidentin Maya Graf (Grüne). Seit dem Freihandelsabkommen Schweiz - China gehen die Behörden in Sachen Dalai Lama noch zurückhaltender vor.

Die Stadt Bern wird denn auch nicht müde, den nicht-offiziellen Charakter des Treffens zu betonen. «Der Dalai Lama wurde vom Gemeinderat und vom Haus der Religionen eingeladen», sagt Regula Buchmüller, Abteilungsleiterin Aussenbeziehungen und Statistik Stadt Bern.

Sowohl im Haus der Religionen als auch im Kursaal sei ein Treffen mit dem Gesamtgemeinderat geplant. «Es ist aber kein offizieller Empfang», so Buchmüller. Offiziell wäre die Angelegenheit zum Beispiel, wenn der Gemeinderat den Dalai Lama in den Erlacherhof eingeladen hätte.

Eine offizielle Einladung war vor acht Jahren geplant gewesen. Der Dalai Lama musste damals aber aus gesundheitlichen Gründen absagen. «Wir haben gedacht, mit dem Haus der Religionen wäre nun der richtige Anlass für ein Treffen gegeben», so Buchmüller.

China ist nicht amüsiert

Die Stadt habe eng mit dem EDA zusammengearbeitet und die Spielregeln für den Besuch abgesprochen, so Buchmüller. Auf die Frage, ob China Druck ausgeübt hat, sagt sie: «Ihre Unlust haben die chinesischen Vertreter vor allem beim EDA deponiert.» Dieses habe die Beschwerden entgegengenommen. «Wir wollen keine diplomatischen Schwierigkeiten auslösen, aber der Berner Gemeinderat will sich auch nicht von einem fremden Staat dreinreden lassen», sagt Buchmüller.

Das EDA sei beratend tätig und weder in die Organisation noch in die Durchführung des Besuchs involviert, sagt dessen Mediensprecher Stefan von Below. Die chinesische Botschaft habe dem EDA ihre bekannte Meinung zur Reise des Dalai Lama in die Schweiz im üblichen Rahmen verschiedentlich kundgetan. Das EDA habe dies zur Kenntnis genommen.

Personenschutz angeordnet

Der Anlass im Haus der Religionen findet in kleinem Rahmen statt. Nur ausgewählte Gäste sind eingeladen, geplant ist ein interreligiöser Dialog. Im Kursaal hat die Bevölkerung die Möglichkeit, den Dalai Lama live zu erleben. Zuerst wird er einen Vortrag halten, darauf folgt ein Gespräch und anschliessend eine Fragerunde des Publikums. Es sind keine Tickets mehr verfügbar.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind beachtlich. Die Zu- und Abgänge zu den Gebäuden werden überprüft, die Liegenschaften gefilzt und überwacht, so Buchmüller. Der Dalai Lama selber erhalte Personenschutz. Die Bundespolizei (Fedpol) sei sehr stark beteiligt und organisiere den Aufenthalt mit der Kapo zusammen.

Der Hauptteil der Sicherheitskosten falle in den Ressourcenvertrag mit der Kapo. Ein kleiner Beitrag leiste das Fedpol, die Stadt übernehme teilweise die Kosten für den Personenschutz.

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