Biel ist nah

Biel hat keinen guten Ruf. Der neue Reise­führer «111 Orte in Biel, die man gesehen haben muss» könnte helfen, Vorurteile über die Stadt abzubauen.

  • loading indicator

25 Zugminuten entfernt von Bern liegt Biel. Die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz, die zehntgrösste Metropole im Land, das urbane Zentrum des Seelandes, die Heimat des grössten Uhrenkonzerns der Welt.

Es ist schön dort.

Für viele Bernerinnen und Berner aber ist Biel ein Ort, den sie vom Hörensagen kennen, vielleicht von einem Ausflug an den See, der den Namen der Stadt trägt. Oder von einer Schulreise.

Es gibt Vorurteile über Biel, die in Berner Köpfen festgebrannt sind: In Biel «hinten», wie sie sagen, ist die Kriminalität hoch, alle leben von der Sozialhilfe, und die meisten Quartiere sind verfallen. Dass das Quatsch ist, wissen fast alle. Und trotzdem fahren sie an einem schönen Sonntagmorgen lieber auf den Gurten oder ins Marzili oder an den Thunersee als nach Biel. Es ist einfach so.

Was also tun, wenn man Biel gern hat und auch gern beliebter machen würde? Zum Beispiel ein Buch schreiben, wie Sonja Muhlert. Sie hat mit Fotograf Adrian Künzi den jetzt erschienenen Reiseführer «111 Orte in und um Biel, die man gesehen haben muss» verfasst.

Das Werk ist Teil der erfolgreichen «111er»-Reihe aus dem Kölner Emons-Verlag, die 2008 mit «111 Orte in Köln, die man gesehen haben muss» startete. Mittlerweile gibt es 280 deutschsprachige Bände. Über die Stadt Bern ist 2015 einer der sogenannten Entdeckungsführer erschienen.

Guter Mix

Gymnasiallehrerin Muhlert lebt seit 16 Jahren in Biel und schätzt dort den «Mix aus Naturnähe, Kleinstadtleben und Urbanität», wie sie schreibt. In ihrem Buch stellt sie relativ offensichtliche Bieler Sehenswürdigkeiten vor. Den Elfenaupark zum Beispiel, das Leubringenbähnchen, den futuristischen neuen Swatch-Hauptsitz, das Café Odéon.

Muhlert zeigt aber auch Sehenswürdigkeiten, die eben erst auf den zweiten Blick Sehenswürdigkeiten sind. Die Aussentreppe am Kongresshaus, die nirgendwo hinführt, etwa, eine faszinierende Kunstinstallation.

Den Friedhof Madretsch, ein «Ort der Ruhe für Lebende und Tote». Den Wartsaal im Bahnhof. Geschäfte wie den Bierladen Bier-Bienne, das Kitschparadies Marmelade, die stadtbekannte Metzgerei Häberli. Oder die King-Kong-Wandmalerei am Kino Rex.

Originelle Tipps

Natürlich wird, wer Biel kennt, in dem Buch ein paar Orte vermissen. Dass zum Beispiel die modernste Sportstätte der Schweiz, die Tissot-Arena, fehlt, ist merkwürdig. Oder der Tierpark! Oder einer der versteckten Badeplätze am See!

Trotzdem eröffnet das Buch auch Einheimischen neue Blicke auf ihre Stadt. Weil sie manche der vorgestellten Orte vergessen oder womöglich noch nie besucht haben. Und weil Muhlert zu jedem Ort einen originellen Tipp abgibt: Vom ehemaligen Siechenhaus im Stadtteil Bözingen zum Beispiel ist es nicht weit ins beste Bowlingcenter der Gegend.

Und für Berner und andere Restschweizer, die sich dazu durchringen wollen, den Weg nach Biel auf sich zu nehmen, sind die rund 25 Franken für das Buch in jedem Fall sinnvoll investiertes Geld.

Sonja Muhlert: «111 Orte in und um Biel/Bienne, die man gesehen haben muss», Emons-Verlag, 240 Seiten, ca. 25 Fr.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt