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Biker sollen im Ostermundigenwald ihre eigene Piste erhalten

Im Wald waren Biker in der Vergangenheit eher ungern ge­sehen. Nun will die Gemeinde Muri für sie eine eigene Downhillstrecke errichten. Seitens der Jäger gibt es aber Opposition.

Eigens abgesteckte Bikerpisten – wie hier am Gurten – entschärfen Nutzungskonflikte im Wald. Nicht alle Biker bleiben aber auf der ihnen zugewiesenen Spur.
Eigens abgesteckte Bikerpisten – wie hier am Gurten – entschärfen Nutzungskonflikte im Wald. Nicht alle Biker bleiben aber auf der ihnen zugewiesenen Spur.
Iris Andermatt

Hündeler, Pilzler, Wanderer, Jogger – der Ostermundigenwald ist sowohl bei Ausflüglern als auch bei Hobbysportlern äusserst beliebt. Zu letzterer Gattung gehören auch die Biker. Nur: Richtige Wege gibt es für sie im Agglomerationswald keine. Das hielt sie in der Vergangenheit jedoch nicht davon ab, mit ihren Zweirädern über Stock und Stein zu sausen – und sich hie und da auch mal ihren eigenen Parcours zu basteln.

«Einige junge Biker haben teilweise im Wald auf eigene Faust Schanzen gebaut», sagt der Muriger Gemeinderat Beat Wegmüller (SP). Dies wiederum habe anderen Waldnutzern gar nicht gepasst, weshalb sie die wild errichteten Hindernisse wieder zerstörten. Das Resultat: Frust sowohl bei Spaziergängern als auch bei den Bikern.

Eröffnung bereits im Frühling

Damit soll nun Schluss sein. Der Gemeinderat will oberhalb des Melchenbühls auf Muriger Gemeindeboden im Ostermundigenwald für die Biker eine eigene Downhillstrecke installieren. «Das Baugesuch ist eingereicht und die geplante Strecke bereits ausgesteckt», sagt Wegmüller.

Mehrere Hundert Meter lang soll die Piste werden, mit einem flachen und einem steilen Teil sowie mehreren Kurven und Schanzen. Kostenpunkt: 25 000 Franken für den Bau samt Bewilligungsverfahren. Mitanpacken sollen bei der Installation auch die jungen Biker, welche die Idee einer eigenen Downhillstrecke ursprünglich via Jugendmotion ins Rollen gebracht hatten. «Wenn alles nach Plan läuft, kann die Strecke im nächsten Frühling eröffnet werden», so Wegmüller.

Bisher ist das Bikevorhaben grösstenteils auf offene Ohren gestossen. «Die Aussichten für die Realisierung der geplanten Downhillstrecke sind grundsätzlich positiv», heisst es im aktuellen Zwischenbericht des Muriger Gemeinderates.

Sowohl die kantonale Waldabteilung als auch der Archäologische Dienst hätten nichts einzuwenden. Und auch der wichtigste Schritt ist der Gemeinde gelungen. Sie konnte die Waldeigentümerin – die Berna Park AG – für das Vorhaben ins Boot holen.

Heikel wegen der Haftbarkeit

Deren Bedingung ist jedoch, dass die Gemeinde die Trägerschaft und somit die Verantwortung für die Downhillstrecke übernimmt. Denn besteht keine solche Vereinbarung, liegt die Haftbarkeit unter Umständen bei der Waldbesitzerin.

«Wir suchen nach einer Lösung, die dem Bedürfnis nach Bewegung im Freien und dem Wildtierschutz Rechnung trägt.»

Niklaus Blatter, Jagdinspektor

Diese hätte dann zu befürchten, dass sie rechtlich belangt werden könnte, sollte ein Biker in ihrem Wald verunfallen. In Köniz etwa gibt es deswegen seit Jahren Konflikte (siehe Box). Für die Gemeinde Muri ist der Fall jedoch klar: «Wir würden die Trägerschaft für die Strecke übernehmen», sagt Beat Wegmüller. Damit wäre die Gemeinde verantwortlich für den Betrieb und den Unterhalt der Piste.

Noch könnten die Biker aus­gebremst werden. Denn trotz grundsätzlicher Zustimmung seitens Waldeigentümerin und Behörden gibt es auch Vorbehalte. Diese kommen konkret vom kantonalen Jagdinspektorat.

«Das betroffene Waldstück befindet sich in einem bereits heute stark belasteten Gebiet», sagt Jagdinspektor Niklaus Blatter. Die verschiedenen Freizeitaktivitäten würden die Wildtiere unter starken Druck setzen. «Einige Arten reagieren darauf sehr sensibel, was zu einem Lebensraumverlust für diese Tiere führt.»

Zusätzliche Biker könnten das Rehwild also vertreiben, worauf sich dieses in ruhigeren Waldteilen niederlassen würde. Das Problem: «Dort verursacht es dann Schäden am Jungwuchs», so Blatter.

Trotz der Bedenken versuche man nun, «mit der Gemeinde eine Lösung zu finden, die dem Bedürfnis der Jugend nach Bewegung im Freien und dem Wildtierschutz gleichermassen Rechnung trägt.»

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