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Loubegaffer: Velo-Busse, Playback-Punk und Formel-L

Die Loubegaffer schauen hin, hören zu und berichten, was unter den Berner Lauben zu reden gibt.

Lernfahrer-L auf dem Safety-Car des E-Prix.
Lernfahrer-L auf dem Safety-Car des E-Prix.
zvg

Wie viel Fliegerei ist noch verantwortbar, fragen sich die Loubegaffer und führen sich nochmals das Interview mit André Lüthi von letzter Woche zu Gemüte. Der Globetrotter-CEO gibt darin an, seit Anfang Jahr 38'000 Flugkilometer zurückgelegt zu haben: «Ich bin dreimal nach Asien gereist, zweimal davon geschäftlich.»

Und das könne er verantworten. Ganz vergessen in seiner Aufzählung scheint er allerdings seinen Trip nach Sylt zu haben, festgehalten auf Insta­gram. «Sylt im Januar... eine Reise wert», schreibt er unter das Foto. Ohne jegliche Zweifel liegt Sylt nicht in Asien, sondern im Norden von Deutschland und entspricht somit nicht seiner Anregung, auch mal eine lange Reise zu machen als immer diese – klimaschädlichen – Kurztrips.

Claude Grosjean musste der Polizei 30 Franken abdrücken. Grund: Beim Abbiegen von der Nägeli- in die Predigergasse hatte er auf dem Velo kein Handzeichen gegeben. Auf Twitter liess der GLP-Stadtrat seinem Frust freien Lauf. Dass so etwas geahndet werde, obwohl die Strasse leer gewesen sei, sei «purer Formalismus».

Mit Amüsement verfolgten die Loubegaffer daraufhin die angeregte Diskussion, in die sich weitere Stadträte einklinkten. Der freisinnige Tom Berger monierte in Law-and-Order-Manier, dass das «blinde Kreuz-und-quer-Abbiegen» gewisser Velofahrer sehr wohl ein Problem sei.

Daraufhin eilte Maurice Lindgren (Junge Grünliberale) seinem angeschossenen Gesinnungsgenossen zu Hilfe. Das Verhältnis zwischen Regeldichte und Risiken im Langsamverkehr empfindet er als «grotesk». Derweil lobte sich GFL-Stadtrat und Dauer-Twitterer Manuel C. Widmer als personifizierte Korrektheit im Sattel. Er halte auch in einer leeren Stadt um 4 Uhr morgens vor einer roten Ampel.

Die Band Dnjepr war Ende der 1980er-Jahre das heisse Ding in der Berner Untergrund-Musikszene – bis sie als Play-back-Lug aufflog. Der Berner Musiker Andrea Kaiser machte Avantgarde-Punk, veredelt mit gehörig New-Wave-Leder-Schick. Er spielte alle Instrumente selber ein.

Bei Auftritten stellte er seine unmusikalischsten Freunde auf die Bühne und liess die Musik ab Band laufen. Als 1987 sein betrunkener Bassist bei einem Konzert über das Stromkabel des Kassettengeräts flog, war der Schwindel enttarnt und Dnjepr untendurch. Bis Andrea Kaiser vor zwei Jahren endlich wieder ein musikalisches Lebenszeichen gab. Nun kündigt er für den Herbst ein neues Album an. Ohne J. Als Dnepr.

Die Loubegaffer staunten nicht schlecht, als sie kürzlich an der Laubeggstrasse oberhalb des Aargauerstaldens den Safety-Car des E-Prix sichteten. Nicht wegen der vielen Werbung, die darauf geklebt war, denn am Heck prangte ein ganz spezieller Aufkleber: ein Lernfahrer-L. Irgendwie bringen wir die zwei Dinge nicht zusammen. Wie viel «Safety» steckt denn in diesem Auto tatsächlich? Wie auch immer, der Neulenker hat noch bis zum 22. Juni Zeit, sein Handwerk zu lernen. Und dann hoffen wir, dass der Wagen nicht zum Einsatz kommt.

Die Loubegaffer schauen hin, hören zu und rapportieren, was unter den Berner Lauben zu reden gibt. stadtbern@bernerzeitung.ch

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