Borter kommt, Brülhart bleibt

Bern

Ab Montag ist Nadine Borter Stiftungsratspräsidentin von Konzert Theater Bern. Sie übernimmt von Übergangspräsident Brülhart – doch der bleibt im Stiftungsrat. Vorübergehend.

Nadine Borter, die Chefin der Werbefirma Contexta, übernimmt das Präsidium im Stiftungsrat von Konzert Theater Bern.

Nadine Borter, die Chefin der Werbefirma Contexta, übernimmt das Präsidium im Stiftungsrat von Konzert Theater Bern.

(Bild: Iris Andermatt)

Michael Feller@mikefelloni

Unternehmerin und Kommunikatorin mit Auszeichnung: Nadine Borter (43), Chefin der Werbefirma Contexta und Werberin des Jahres 2011, ist die neue starke Frau im Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB). Sie übernimmt das Präsidium per 1. Juli.

Dass die Wahl auf sie fiel, ist seit März 2017 bekannt, damals wurde sie als Nachfolgerin von Benedikt Weibel vorgestellt. Als Quereinsteigerin in die Kulturszene hat sie sich allerdings eine Übergangsphase ausbedungen. Zunächst nahm sie Einsitz als einfache Stiftungsrätin. Weibels damaliger Vize Marcel Brülhart wurde Übergangspräsident.

Krach ging an Nadine Borter vorbei

Der sanfte Wechsel schien für alle Beteiligten am sinnvollsten, und im Nachhinein ist die Lösung ein Glücksfall für Borter. In der vergangenen Saison krachte es in der KTB-Chefetage gehörig, mit dem Resultat, dass Schauspielleiter Cihan Inan das Haus nach zweijährigem Engagement bereits 2019 verlässt.

Marcel Brülhart hatte versucht, in der Auseinandersetzung zwischen Intendant Stephan Märki, Cihan Inan und der damaligen Chefdramaturgin Sophie-Thérèse Krempl zu vermitteln. Er scheiterte – etwas, das der geübte Troubleshooter Brülhart selten tut. Wahrscheinlich hätte es auch für Kommunikationsprofi Nadine Borter in ­dieser Situation nichts zu gewinnen gegeben.

Bis vor zwei Jahren hatte ­Marcel Brülhart selbst lange wie der logische Nachfolger von Benedikt Weibel ausgesehen. Für den Anwalt hätten seine grosse Erfahrung und sein Ruf als Vermittler gesprochen. 2010 bis 2012 leitete er die Zusammenführung von Stadttheater und Symphonieorchester zu Konzert Theater Bern.

Auch die Zusammenführung von Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee in einer Dachstiftung hat Brülhart massgeblich geprägt. Für die Berner Museen ist er als Leiter des ­Gurlitt-Dossiers nach wie vor unverzichtbar. Dass er zugleich bei den beiden grossen Berner Institutionen eine wichtige Rolle spielt, hat ihm immer wieder ­Kritik eingebracht.

Doch Brülhart macht seit längerem keinen Hehl daraus, dass er seine Kulturmandate abschliessen möchte. So hat er sich 2016 gegen das Präsidium von Konzert Theater Bern und für den neuen Tourismusverband Bern Welcome entschieden.

Wie sieht das Theater der ­Zukunft aus?

Nun kommt also die vom Kulturkuchen bis dato unbekleckerte Nadine Borter in die starke Position. «Wir suchten eine junge, initiative Frau, die gut kommunizieren kann», sagte Stadtpräsident Alec von Graffenried zur Wahl von Borter. Zu besprechen und anzupacken gibt es einiges: Auf den Stiftungsrat kommt als Nächstes die Nachfolge von Stephan Märki zu, der Intendant verlässt das Vierspartenhaus 2021.

Neben einem bald zu ­nennenden Namen interessiert ganz Grundsätzliches: Wohin soll es gehen mit dem Vierspartenhaus? Und: Ist das jetzige Leitungs­modell das richtige für die ­Zukunft? Soll man die Ausrichtung des Orchesters bei sinkenden Abozahlen überdenken?

Es sind Fragen, die Marcel Brülhart in jüngster Zeit aufgeworfen hat – und die Nadine Borter in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Es gibt viel zu tun, selbst wenn Nadine Borter von persönlichen Reibereien im Vierspartenhaus verschont werden sollte.

Ganz ohne Brülhart geht es aber auch bei Konzert Theater Bern weiterhin nicht. «In einer Übergangsphase bleibe ich im Stiftungsrat, ungefähr bis Ende Jahr», sagte er am Freitag auf Anfrage.

Noch sechs Jahre nach der ­Fusion von Stadttheater und Symphonieorchester bleiben Nachwehen. Alte Verträge garantieren dem Orchester eine weitreichende Autonomie – was einer Planung mit dem Blick aufs Ganze entgegensteht. Es ist eine Altlast, die Brülhart anpacken muss, damit sich Nadine Borter mit der Zukunft befassen kann.

Berner Zeitung

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