Boulevard trifft Strassenkampf

Draussen kämpfen Aufständische. Drinnen im Hotel streiten zwei Ehepaare. Das Theater Matte zeigt mit «Rauch», wie aus glimmenden Konflikten Feuersbrünste entstehen.

Die vier Protagonisten reizen sich bis aufs Blut.

Die vier Protagonisten reizen sich bis aufs Blut.

(Bild: PD)

Peter Steiger

Auf den Strassen protestiert die Bevölkerung gegen den Schurkenstaat, Unterdrückte prügeln sich mit Polizisten. Im abgeschotteten Hotel warten zwei Ehepaare auf das Ende des Aufstands. Hier hauen sich die Wohlversorgten ihre Beziehungskonflikte um die Ohren.

Das ist die Ausgangslage des Vierpersonenstücks «Rauch». Das Berner Theater Matte präsentiert das Werk als Schweizer Erstaufführung. Der Autor Josep Maria Miró i Coromina war bei der Premiere dabei. «Very interesting», sagte der Katalane mit dem langen Namen in der Pause. Weil er nicht Deutsch spricht, war das wohl eher eine höfliche Geste als eine fundierte Bewertung. Recht hat er trotzdem: Regisseurin Marion Rothhaar liefert eine respektable Inszenierung.

Wie verhalten sich Menschen in dieser Krisensituation? Im Stück reizen sie sich bis aufs Blut. Die Eingeschlossenen streiten sowohl als Paare untereinander wie auch über Kreuz. Da sind Laura und Robert. Er ist Schriftsteller, sie unterbeschäftigte Ehefrau. Das zweite Paar, Eva und Alex, ist hierhergereist, um ein Kind zu adoptieren.

Spielmacherin ist Laura. Sie versucht ihren Mann zum Fremdgehen zu bewegen. Die Intrigantin sät aber auch Zwietracht zwischen Eva und Alex. Eines ihrer Kampfmittel ist die Zigarette. In der Matte-Produktion rauchen die Protagonisten allerdings nicht wirklich. Laura lässt nur das Zündholz brennen. Die Flamme ist ein Leuchtfeuer und weist darauf hin, dass nun eine weitere Gemeinheit zu erwarten ist. Der Wink ist ein bisschen überdeutlich, gliedert das dialoglastige Stück aber hilfreich.

Robert (Fredi Stettler) beobachtet, wie ein Aufständischer mit dem Kopf gegen die Glastüre des Hotels schlägt, immer wieder, bis er zusammenbricht. Das Erlebnis wirft den Schriftsteller aus der Bahn. Es ist eine der stärksten Szenen. Leider kommt sonst in Marion Rothhaars Werk die Wirkung der brutalen Aussenwelt auf die Schutzsuchenden zu kurz.

Hier, im Hotelzimmer und in der Lobby, steigert sich der Zwist vom Geplänkel zum Streit. Gehobener Boulevard ist das mit durchaus hintersinnigem Tiefblick. Luc Müller verkörpert Alex gekonnt mit einer Prise Naivität. Claudia Rippe gelingt es als Eva, die Normen des temporären Gefängnisses aufzuweichen. Annemarie Morgenegg ist als Strippenzieherin zwar glaubhaft, ihre Figur könnte man sich allerdings noch etwas fieser vorstellen.

Vorstellungen bis 24. März. www.theatermatte.ch

Berner Zeitung

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