Brandstifter aus Tunesien zu zwei Jahren Haft verurteilt

Bern

Ein junger Asylbewerber hat im Regionalgefängnis Bern seine Matratze angezündet. Zwei Jahre unbedingt lautet das Strafurteil.

Der Verurteilte hat gestanden, seine Matratze angezündet zu haben.<br><i>(Symbolbild)</i>

Der Verurteilte hat gestanden, seine Matratze angezündet zu haben.
(Symbolbild)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Es ist eine Migrationsgeschichte ohne Happy End. Im Frühling 2018 war ein damals 22-jähriger Tunesier wie viele seiner Landleute nach Europa gelangt. Am Mittwoch endete für ihn der Traum von einem Leben in Westeuropa abrupt. Das Regionalgericht Bern verurteilte ihn wegen versuchter qualifizierter Brandstiftung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten, abzüglich Untersuchungshaft von 106 Tagen. Und zu einer Landesverweisung von 12 Jahren. Da der kleine, schmächtige Tunesier noch nicht genügend Deutsch versteht, erläuterte ein Übersetzer ihm das Urteil.

Der Mann hat die Tat gestanden: Er hat am 15. März dieses Jahres in seiner Zelle im Regionalgefängnis Bern einen Brand gelegt. Er hat Papier unter seine Matratze gelegt und dieses mit einem Zündholz angezündet. Gerichtspräsident Jürg Christen hielt fest, dass der Täter in diesem Moment unter einem besonderen psychischen Druck gestanden sei: «Er hatte kurz zuvor einen Brief von der tunesischen Botschaft erhalten, mit der Aufforderung, sich bei ihr zu melden. Er interpretierte diesen so, dass er ausgeschafft werde. Er hatte Angst und war aufgebracht.» Denn der junge Tunesier wollte eine erzwungene Rückkehr in sein Heimatland um jeden Preis vermeiden und in einem anderen Land in Europa sein Glück versuchen.

Erwägungen des Richters

Der 22-Jährige reiste im April 2018 in die Schweiz ein. Danach stellte er ein Asylgesuch, das die Behörden im September 2018 abwiesen. Aufgrund diverser Delikte wie Sachbeschädigung und Diebstahl musste er kurze Gefängnisstrafen absitzen. Zudem erhielt er einen Landesverweis. Deshalb kam er am 6. März 2019 in Ausschaffungshaft. Neun Tage später legte er den Brand.

Wie der Gerichtspräsident Jürg Christen bei der Urteils­verkündung sagte, führte der Brand zu einer starken Rauchentwicklung. «Es war ein typischer Glimmbrand. Es bestand aber keine Gefahr, dass das Feuer auf andere Zellen oder auf das ganze Gebäude hätte übergreifen können», sagte er. Drei Minuten nach dem Entfachen des Feuers verliess der Brandstifter seine Zelle. Die Feuerwehr löschte den Brand. Die Folgen: Ein Aufseher hatte brennende Augen und Kopfschmerzen, aber es gab keine Verletzten. Der Sachschaden wird auf 1000 Franken beziffert.

Der Appell an den Tunesier

Zum Schluss redete der Gerichtspräsident Jürg Christen dem Tunesier ins Gewissen: «Sie brauchen eine Perspektive und nach dem Gefängnis einen Neustart», sagte er. Er empfahl ihm, sich im Gefängnis «wohl zu verhalten» und von dessen Angeboten zu profitieren. «In diesem Fall könnten Sie von einer vorzeitigen Entlassung nach dem Verbüssen von zwei Dritteln der Strafe profitieren», stellte ihm der Gerichtspräsident in Aussicht. Danach werde es darum gehen, ein menschenwürdiges Leben zu führen. «Doch ein solches Leben werden Sie nur in Tunesien führen können, nicht jedoch in Europa», sagte er und schloss die Verhandlung mit einem «Heit Sorg!».

Berner Zeitung

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