Zum Hauptinhalt springen

Bronzefrau erstrahlt wieder in altem Glanz

Die Frauenfigur des Bernabrunnens erhält derzeit den letzten Schliff. Nach der Restaurierung wird die Berner Schutzpa­tronin bald wieder auf der Säule vor dem Bundeshaus West stehen.

Die Bronzestatue vom Bernabrunnen beim Bundeshaus steht vorübergehend in der Werkstatt. Das Interview mit dem Restaurator Christian Baumann im Video. <i>Video: Florine Schönmann</i>

Vorsichtig führt Christian Baumann sein Werkzeug zum Kleid. In einer Falte des Stoffes schabt er behutsam an der Oberfläche. Die Frau im Gewand lässt diese Prozedur lautlos über sich er­gehen. Ihr forscher Blick ist ins Weite gerichtet. Ihre Augen blicken allerdings nur auf Wände aus Plastik.

Die eindrückliche Frau steht zurzeit in einer Werkhalle in Worblaufen. Sie heisst Berna, ist drei Meter hoch, fast 1000 Kilogramm schwer und besteht aus Bronze. Über ihrem Kleid trägt sie ein Kettenhemd, im Haar einen Lorbeerkranz. In der einen Hand hält sie einen Schild mit dem Berner Wappen, in der anderen normalerweise einen Speer. Dieser lehnt zurzeit an der Wand, der Arm, der ihn halten sollte, steht unnütz vom Körper ab. Die kriegerisch wirkende Figur symbolisiert den Staat Bern und die Bundesstadt. Über 150 Jahre lang stand sie auf dem Sockel des Bernabrunnens vor dem Bundeshaus West.

Feinarbeit an der Bronzestatue: Restaurator und Schmied Christian Baumann repariert Schäden. Bild: Andreas Blatter
Feinarbeit an der Bronzestatue: Restaurator und Schmied Christian Baumann repariert Schäden. Bild: Andreas Blatter

Werkzeuge selbst hergestellt

Bis letzten Sommer. Da nahm sich Berna eine Auszeit. Das Bundesamt für Bauten und Logistik verordnete ihr ein Facelifting und liess sie ins Atelier Ferrform von Christian Baumann transportieren. Der Schmied und Restaurator ist seither daran, der Riesen­figur weitere Lebensjahre zu ermöglichen. Gegenwärtig führen Baumann und zwei Mitarbeiter die letzten Arbeiten aus. Am 17. Januar reist Berna wieder an die Bundesgasse, um weitere Jahre auf dem Brunnensockel zu verbringen.

Christian Baumann steht in der Halle der ehemaligen Hammerwerke Worblaufen. Wo ist Berna? Der Schmied öffnet eine Plastikkabine. Sie schützt die Skulptur vor Staub und Russ aus der Halle und hilft, giftige Grünspanreste abzusaugen. Drinnen steht die Schutzpatronin Berns in ihrer ganzen Grösse.

Die Figur ist riesig, Baumann aber arbeitet mit kleinen Schabwerkzeugen, die er selbst geschmiedet hat. «Skalpelle aus dem Medizinbereich haben unseren Anforderungen nicht entsprochen», sagt er und entfernt kleine verschmutzte Flächen. An einer anderen Stelle spritzt er Öl in ein Bohrloch. Es soll verhindern, dass ein miteingegossenes Stützeisen rostet und die Bronze sprengt.

«Es war höchste Zeit, die Probleme der Statue zu beheben», sagt Baumann. Offenbar war Berna nie restauriert worden. Vor 80 Jahren hatte man einzig die Oberfläche chemisch gereinigt. Dadurch konnte zum Teil Wasser eindringen, was zu Rissen führte, bei denen die Bronzeschicht platzen kann. Baumann und sein Team untersuchten zuerst die Statue und dokumentierten die schadhaften Stellen. Dann gings ans Ausbessern, Kratzen, Schleifen sowie Verschliessen der Risse und Löcher.

«Es ist grossartig, diese Figur in der Werkstatt zu haben», sagt Baumann. Die gestalterischen und künstlerischen Aspekte zu entdecken, sei eindrücklich gewesen. Immer wieder habe man kreative Lösungen für Probleme gesucht. «Wir fühlten uns manchmal wie jemand zwischen Büezer und Mad Scientist.»

Als Schmied und Restaurator hat Baumann dazugelernt, etwa wie eine solch grosse Figur früher gegossen und bearbeitet wurde. Der Gusskern aus Gips und Schamott steckte teilweise noch in der Statue. Damit dieser nicht Nässe speichert, entfernte ihn Baumann und erhielt so Einblick in die Reparaturtechnik nach dem Guss. «Das war sehr spannend.»

«Historische Brillanz»

Berna erstrahle jetzt nicht in ­neuem Glanz, betont Baumann. Denn das Korrosionsprodukt Grünspan bilde eine Patina und schütze die Figur sogar. «Wir haben der Statue vielmehr die his­torische Brillanz wiedergegeben und zeigen das Edle des Materials.» Ist in all den Monaten eine Beziehung zu Frau Berna entstanden? «Sicher», sagt der Restaurator und lächelt, «wir haben sie ja auch gründlich ‹gstrychlet u gkräbelet›».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch