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Bruno Riem (FDP)

Er würde die freisinnige Tradition fortführen

Bruno Riem will bei den Vereinen punkten.
Bruno Riem will bei den Vereinen punkten.
Beat Mathys

Bruno Riems Büro ist ein überaus ordentlicher Ort. Blaue Bundesordner, viel Platz, noch mehr Glas. Und trotzdem sagt er: «Normalerweise ist hier keine solche Unordnung.» Sein Blick bleibt an den paar Mäppchen hängen, die – zugegeben – etwas wahllos auf seinem Pult liegen. Das passt zu diesem Mann, der sich aufmacht, das Wichtracher Gemeindepräsidium für die FDP zu verteidigen: Alles hat seinen Platz, Ordnung muss sein. Wenig später sind die Mappen fein säuberlich gestapelt.

Bruno Riem – 57, wirklich tiefe Stimme, einst passionierter Eishockeyspieler – arbeitet seit 28 Jahren für die Huwiler Services AG in Ostermundigen. Heute ist er der Geschäftsführer des Unternehmens, das auf das Rechnungswesen grosser Immobilienplayer spezialisiert ist. Er sitzt seit vier Jahren im Wichtracher Gemeinderat – und möchte nun den nächsten Schritt machen. Den ins Gemeindepräsidium.

Freisinnige Dominanz

Nach den letzten Wahlen war Riem der einzige Neue in der Gemeindeexekutive. Also musste er sich hinten anstellen. Ihm blieb das Ressort «Soziales». Keine Herzensaufgaben, wie er zugibt. Aber so sei das mit der Anciennität. «Man nimmt, was man bekommt» – jeder hat seinen Platz. Er sei am Amt gewachsen, habe viel dazugelernt. «Aber es ist schwierig, in diesem Bereich wirklich etwas zu bewegen.» Zu abhängig sei man von anderen Behörden, vom Kanton, den Umständen. Auch deshalb tritt Riem am 8. September als Kandidat fürs Präsidium an: weil er mehr Einfluss haben möchte, mehr Verantwortung.

Das Wort «Verantwortung» fällt an diesem Sommernachmittag mehrmals. Davon trägt Riem tatsächlich eine Menge. In seinem Job beschäftigt er sich beinahe täglich mit gewaltigen Summen, die Pensionskassen in Immobilien angelegt haben. Er koordiniert die Arbeit von über 30 Mitarbeitenden. «Ich bin keiner, der alles an sich reisst. Ich delegiere und unterstütze», sagt er. Genauso würde er es auch als Gemeindepräsident machen.

«Keine Schlammschlachten. Wir wollen alle einander in die Augen schauen können.»

Und die Chancen dazu stehen gar nicht so schlecht. Denn wenn in Wichtrach Kommunalwahlen stattfinden, schneidet die FDP traditionell gut ab. Seit 2015 ist sie zweitstärkste Kraft im Dorf, nur ganz knapp hinter der SVP. Seit der Fusion von Ober- und Niederwichtrach stellt der Freisinn zudem stets den Gemeindepräsidenten – 16 Jahre ohne Unterbruch. Zunächst war da Peter Lüthi, dann folgte Hansruedi Blatti. Und nun Bruno Riem? «Das Amt reizt mich sehr, aber die Konkurrenz ist stark», sagt er. Allzu viel Gewicht misst er der freisinnigen Tradition nicht bei: «Auf Gemeindeebene tritt die Gesinnung der nationalen Parteien in den Hintergrund.» Klar, die grossen Linien der Mutterpartei, mit denen könne auch er sich identifizieren. Beigetreten war er der Partei aber, weil der Nachbar – ein ehemaliger Präsident der lokalen FDP – «das ganze Strässli bearbeitet hat».

Auf dem Eis spielte Bruno Riem früher am linken Flügel. Bei Wiki, dem Eishockeyclub der Dörfer Wichtrach und Kirchdorf, zu denen später auch noch Münsingen dazustiess. Ihn einen «ehemaligen Eishockeyspieler» zu nennen, findet er aber «etwas zu dick aufgetragen». Er sei vor allem zu Juniorenzeiten und in der zweiten Mannschaft aktiv gewesen. Später präsidierte er den Verein während sieben Jahren.

«Keine Schlammschlachten»

Auch deshalb gilt der Mann als bestens vernetzt im Ort. Er nennt es «verwurzelt» und sagt, dass er diesen Umstand auch seiner Ehefrau Susanne Riem-Gerber zu verdanken habe. Sie sass während Jahren im Vorstand des lokalen Turnvereins und betrieb mit ihm zusammen einen Weinladen im Dorf. Während die Konkurrenz über die längere Erfahrung in der Kommunalpolitik verfügt, sind Beziehungen und ehrenamtliche Tätigkeit Riems Trümpfe.

«Ich will etwas bewegen, aber sicher nicht alles auf den Kopf stellen», sagt er über die kommende Legislatur. Die Information könne man verbessern, die Bevölkerung bei grösseren Projekten stärker einbeziehen. Insgesamt funktioniere der Gemeinderat «extrem kollegial». Aber: «Neuer Drive täte der Gemeinde gut.» Der Wahlkampf werde gesittet bleiben. «Keine Schlammschlachten. Wir wollen alle einander in die Augen schauen können.» Ordnung muss sein.

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