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Die Bürger von Court schmettern das Windparkprojekt ab

Der Windpark von Energie Service Biel im Gebiet Montoz-Pré Richard kommt nicht zustande. 70 Prozent der Stimmenden an der Gemeindeversammlung von Court schickten das Projekt bachab.

Das heisse Thema sorgte an der Gemeindeversammlung Court für einen Grossaufmarsch.
Das heisse Thema sorgte an der Gemeindeversammlung Court für einen Grossaufmarsch.
Bieler Tagblatt

Sieben Windenergieanlagen, jede mit einer Leistung von 2,7 Megawatt. Die Nabe des Windrades auf 120 Meter Höhe, jedes Rotorblatt 60 Meter lang, die Gesamthöhe pro Anlage bei 180 Metern. Eine Gesamtleistung von 18,9 Megawatt, der erwartete Energieertrag 32 Gigawattstunden pro Jahr. Eine Investition von 40 bis 50 Millionen Franken.

Es ist ein imposantes Projekt, das am Montagabend in der Mehrzweckhalle in Court gebodigt wurde, und das überaus deutlich: Fast 70 Prozent der Anwesenden an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung sprachen sich in geheimer Abstimmung gegen den Windpark Montoz-Pré Richard aus. 325 Stimmberechtigte nahmen teil, eine Rekordzahl für die kleine Gemeinde mit etwas über 1400 Einwohnern und um die 1000 Stimmberechtigte.

Gemeinde hätte profitiert

Das Resultat ist vor allem eine kapitale Niederlage für Energie Service Biel (ESB). «Seit zehn Jahren haben wir grosse Anstrengungen unternommen», sagte Direktor Heinz Binggeli kurz nach Mitternacht gegenüber dem «Journal du Jura», «es hat sowohl den gesetzlichen Vorschriften als auch den zu erfüllenden Bedingungen entsprochen.»

Eine Niederlage musste auch der Gemeindepräsident von Court einstecken. Jean-Luc Niederhauser hatte sich an der Versammlung für den Windpark ins Zeug gelegt und noch einmal darauf hingewiesen, dass die Gemeinde finanziell davon profitieren würde: 2 Prozent des Umsatzes pro Anlage wären an Court gegangen, insgesamt hätte sich die Gemeinde auf einen Zustupf von etwa 100000 Franken jährlich freuen können.

«Das ist nicht akzeptabel»

In der langen Debatte zählten andere Argumente. «Was sagen Sie den Familien, die diese Maschinen vor ihren Fenstern haben werden?», stellte ein Teilnehmer als rhetorische Frage in den Raum, «die Bieler werden nicht darunter leiden. Das ist nicht akzeptabel.» Applaus im Saal war ihm gewiss. Auch zeigte sich, dass ein Teil der Anwesenden eine künftige Ausweitung des Parks befürchtete. Eine weitere Befürchtung betraf die Bauphase, käme doch der Windpark in einem Gebiet zu stehen, das von Quellen durchzogen ist, welche die Wasserversorgung von Court speisen.

Der Gemeindepräsident und die Delegation von ESB versuchten, die Vorteile des Windparks im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 des Bundes hervorzustreichen: Um den Park mit einer Solarenergieanlage zu ersetzen, bräuchte es eine Solarpanel-Fläche von 245000 Quadratmetern, das entspreche 35 Fussballfeldern, argumentierte Jean-Luc Niederhauser.

Alles Weibeln half nichts. Auf 222 von den 323 gültigen Abstimmungszetteln stand ein Nein, auf deren 93 ein Ja.

«Opposition nicht sichtbar»

Am Tag nach der Niederlage zeigt sich ESB-Direktor Heinz Binggeli gefasst, ein gewisser Frust ist nicht zu überhören: «Wir haben in den vergangenen Jahren diverse Informationsveranstaltungen abgehalten und ein Mitwirkungsverfahren durchgeführt. Da gab es praktisch keine Reaktionen, eine Opposition war gar nie wirklich sichtbar», sagt er. Insofern sei die deutliche Niederlage durchaus überraschend gekommen. Das Resultat sei wohl auch «in einer gewissen Stimmung» entstanden.

Angesichts der klaren Mehrheitsverhältnisse sieht Binggeli wenig Chancen für eine rasche Neuauflage: «Für die nächsten fünf bis zehn Jahre wäre das sicherlich wenig sinnvoll.» Das Gebiet Montoz-Pré Richard bleibe aber einer der besten Standorte in der Region, und vom Projekt sei man nach wie vor überzeugt: «Es ist also denkbar, dass es dereinst wieder zum Thema wird.»

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