Buskers kämpft um Subventionen

Das Strassenmusikfestival Buskers fordert mehr Unterstützung von der Stadt Bern. Doch selbst wenn diese möchte, kann sie nicht. Ausser sie findet eine kreative Lösung.

Too nice to fail? Maske am Buskers Festival auf dem Münsterplatz.

Too nice to fail? Maske am Buskers Festival auf dem Münsterplatz.

(Bild: Nicole Philipp)

Michael Feller@mikefelloni

In der Mansarde ist das Buskers-Büro, im Keller ein Teil des Lagers. Und während der Festival- und Vorbereitungszeit sind die Gästezimmer und der Garten sowieso belagert. Leiterin Christine Wyss (49), eine der Gründerinnen des Strassenmusikfestivals, lebt mitten im Buskers.

2003 hat sie es zusammen mit ihrer Schwester Lisette gegründet. Noch immer steckt das Festival teilweise in den Strukturen der Gründerzeit. Zwar erhält es seit zwölf Jahren 100'000 Franken Kultursubventionen. Doch dies reicht nicht mehr.

Es fehlt ein Materiallager, es fehlt ein Büro – und es fehlt Geld, um die Angestellten anständig zu bezahlen. Deshalb hat Wyss letzten Herbst erstmals eine Subventionserhöhung auf 210'000 Franken be­antragt. Nun wurde bekannt, dass die Stadt nur eine Erhöhung auf 120'000 Franken für die Subventionsperiode 2020–2023 vorsieht.

«Geld hat die Stadt ja»

Wyss ist enttäuscht und fordert ein klares Bekenntnis zum Festival. «Geld hat die Stadt ja», sagt sie und rechnet vor: «Selbst wenn wir die geforderte Erhöhung erhielten: So viel Kultur für so wenig Geld gibt es sonst nirgends.» Jährlich zieht das Festival 60'000 bis 70'000 Leute an, 150 pro­fessionelle Künstlerinnen und Künstler aus über zwanzig Nationen treten auf. Bisher schaffte es das Buskers, einen Selbstfinanzierungsgrad von rund 90 Prozent zu erreichen.

Bevor das Buskers Festival lanciert wurde, war im Sommer tote Hose in der Berner Altstadt. «Wir rannten offene Türen ein», sagt Wyss. Das Festival wurde sofort zum Publikumserfolg und ist heute nicht mehr aus der letzten Sommerferienwoche wegzu­denken.

Doch Christine Wyss sieht das Festival gefährdet. «Erhält das Buskers nicht mehr Geld, wird die Ablösung der Gründergeneration unmöglich», sagt sie. Ihre Schwester Lisette ist mittlerweile aus­gestiegen, und auch Christine Wyss plant den Schritt. «In drei, vier Jahren möchte ich das Festival übergeben.» Doch bereits ihre Schwester konnte nicht so leicht ersetzt werden.

«Gute Leute gibt es schon. Aber sie arbeiten nicht gratis.» Neben der Infrastruktur braucht es mehr Geld, um zu­mindest das Leitungsteam anständig zu bezahlen. Dass das Festival auf die 300 Freiwillige setzt und auf ein 30-köpfiges Komitee, das für wenig Lohn arbeitet – daran würde auch die geforderte Erhöhung nichts ändern.

Uneinigkeit bei der Stadt

Paradox an der Situation: Die Stadt sendet durchaus positive Signale, auch in Gesprächen mit der Buskers-Leitung. Bern weiss, was es am bunten Festival hat. Alec von Graffenried hat sich längst als Fan geoutet und gehört auch dieses Jahr zu den Frei­willigen, die Festivalbändeli verkaufen. Demgegenüber scheint sich Veronica Schaller, Amtschefin von Kultur Stadt Bern, gegen eine substanzielle Erhöhung des Betrags zu wehren, wie aus Verwaltungskreisen zu hören ist.

Doch selbst wenn Alec von Graffenried seine Kulturchefin überstimmt: Der Stadtpräsident steckt in der Zwickmühle, die da heisst: tripartite Kultursubventionierung. Seit 2016 gehört das Buskers Festival zu den «Insti­tutionen von regionaler Bedeutung». Das heisst: Die Stadt, die Regionsgemeinden und der Kanton teilen sich die Subventionen nach einem fixen Verteilschlüssel.

Mit diesem System hat es der Kanton Bern geschafft, dass alle Gemeinden einen kleinen Anteil an den kulturellen Zentrums­lasten übernehmen. Der Nachteil zeigt sich jetzt: Das System ist unbeweglich, sofern nicht alle in dieselbe Richtung ziehen. Wenn sich die Stadt und der Kanton uneinig sind – und das ist öfter der Fall – bleibt alles beim Alten. So gesehen sind die rein städtisch subventionierten Kulturanbieter im Vorteil. Etwa das Theaterfestival Auawirleben, das voraussichtlich deutlich mehr Geld erhält.

Auch Camerata unglücklich

Insgesamt will die Stadt Bern ab 2020 2,3 Millionen Franken mehr für die Kultur ausgeben. Viele Profitieren – und jene, die leer ausgehen, fühlen sich dis­kreditiert. Gar keine Subventionserhöhung wird der Camerata Bern in Aussicht gestellt. Das renommierte Kammerorchester soll auch künftig 500'000 Franken Subventionen erhalten.

Im vergangen Herbst hat es in seiner Eingabe um eine Erhöhung von 246'000 Franken gebeten. Direktor Louis Dupras ist wütend. «Die Camerata Bern wird weiterhin mit Brösmeli abserviert, das ist einfach eine behördliche Beleidigung an die Musikerinnen und Musiker und vor allem an ihre künstlerische Leiterin Patricia Kopatchinskaja.»

Auf Anfrage gibt Stadtpräsident Alec von Graffenried zu bedenken, dass die Camerata bereits 2016 eine substanzielle Erhöhung der Mittel um 200'000 Franken erhalten habe. «Dies war der Grund, dass angesichts der knappen Mittel, die den drei Finanzierungsgebern zur Verfügung standen, für die Periode 2020–2023 keine Erhöhung vorgesehen ist.» Auch die Camerata Bern wird gemeinsam von Stadt, Regionsgemeinden und Kanton finanziert.

«Bin im Gespräch mit Wyss»

Beim Buskers will er Hand für eine Lösung bieten: «Der Generationenwechsel ist wichtig. Ich bin im Gespräch mit Christine Wyss, um Lösungen zu suchen, die ein Weiterbestehen des Buskers auch nach Ablösung der Gründerinnen ermöglichen sollen», sagt er. Die Stadt müsse alles für den Weiterbestand des Festivals tun.

Nun hofft Christine Wyss, dass des Buskers Bern tatsächlich «Too nice to fail» ist und dass also die Stadt ihr Festival nicht hängen lässt und Geld spricht. Falls nicht über die tripartite Kultur­finanzierung, dann über den Hauptstadtkredit oder über Bern Welcome, die neue Tourismusstelle, die auch mit dem Buskers wirbt.

Berner Zeitung

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