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Chauffeur wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Der 62-Jährige hat vor einem Jahr mit seinem Tiertransporter beim Rückwärtsfahren ein 9-jähriges Kind überfahren. Dieses starb auf der Unfallstelle in Utzigen. Gestern wurde der Viehhändler wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Heute vor 13 Monaten ist das Mädchen gestorben. Die Wunden sind noch lange nicht verheilt. Gestern nun hat Gerichtspräsidentin Christine Schaer im Berner Amtshaus den tragischen Unfall wieder aufgerollt und den Fahrer des Tiertransporters wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Es gehe ihm «nicht gut», wenn er an den 9. Juni 2008 zurückdenke oder in die Nähe des Unfallorts komme, sagte der Angeklagte und seufzte. Kreuzen unmöglichUnd das ist an diesem verhängnisvollen Montag geschehen: Der selbstständige Metzger und Tierhändler ist an diesem Montagmorgen seit 3.30 Uhr unterwegs. Er holte mit einer ersten Fuhre auf Bauernhöfen Tiere für die Schlachtbank ab. Gegen Mittag hatte er Munikälber für die Mast geladen. Die letzten Tiere nahm er 200 Meter von der Unfallstelle entfernt entgegen. Vom Hof weg führt ein Natursträsschen, das kaum breiter ist als sein Fahrzeug. Weil dem Viehhändler beim Wegfahren eine Autofahrerin auf dem engen Strässchen entgegenkommt, will er sein Fahrzeug zurücksetzen. Wenige Meter weiter hinten bietet sich ihm die Möglichkeit, in eine Hauseinfahrt auszuweichen. Er habe zwei Mal in die Aussenspiegel geblickt, bevor er rückwärts gefahren sei, erzählt der Mann vor Gericht. Wegen des Fahrzeugaufbaus stehen ihm für sein Manöver nur die beiden Aussenspiegel zur Verfügung. Personen oder Hindernisse kann er darin keine ausmachen. Weil er beim Rückwärtsfahren einen leichten Widerstand spürt und ein kurzes «Ahh» hört, bremst der Mann und fährt wieder etwas vor. Beim Kontrollgang findet er das Mädchen mit seinem Fahrrad unter seinem Viehtransporter. (Zu) späte EinsichtSpäter wird das Institut für Rechtsmedizin zum Schluss kommen: Das linke Hinterrad des Viehtransporters ist über den Kopf des Mädchens gerollt. «Das ist brutal», sagt der Angeklagte, «wäre ich doch nicht für die andere Autofahrerin ausgewichen.» Wie sich der Unfall zugetragen hat, ist unbestritten. Unklar bleibt, ob der Mann das Mädchen mit seinem Lieferwagen umgestossen hat, oder ob es schon vorher mit dem Fahrrad auf dem Strässchen gestürzt war. Die Verteidigung verlangte von der Gerichtspräsidentin, zu prüfen, ob der Angeklagte für das Rückwärtsfahren eine Hilfsperson hätte beiziehen müssen. Für Gerichtspräsidentin Christine Schaer war klar: Der Fahrer des Viehtransporters hätte jemanden suchen müssen, um ihm beim Rückwärtsfahren zu helfen. Er habe mit seinen beiden Aussenspiegeln ungenügend hinter sein Fahrzeug blicken und nicht jede Gefahr ausschliessen können. Sie stützte sich dabei auf Artikel 17 der Verkehrsregelnverordnung. Der 62-Jährige wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 80 Franken verurteilt. Weil der Mann sich bisher nichts zu Schulden hat kommen lassen, wurde die Strafe bei einer Probezeit von zwei Jahren bedingt ausgesprochen. Weiter hat der Viehhändler die Verfahrenskosten von 10200 Franken zu bezahlen. Die Familie des Mädchens hatte sich vor dem Prozess aus dem Verfahren zurückgezogen.

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