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Clubsterben in der Unteren Altstadt?

Während man in der Oberen Berner Altstadt mit einem Sicherheitskonzept und Littering-Merkblättern dem Nachtleben das Konfliktpotential zu entziehen versucht, ist die Lage in der Unteren Altstadt und der Matte prekärer denn je.

Ist in der Unteren Altstadt bald ausgetanzt?
Ist in der Unteren Altstadt bald ausgetanzt?
Urs Baumann

Momentan ist im Klub Sous Soul zwar Sommerpause, doch die Probleme lösen sich deswegen nicht in Luft auf. An den Gerüchten, dass der Klub an der Junkerngasse 1 im April 2012 schliessen wird, ist offensichtlich etwas dran: Wie der «Bund» berichtet, habe der Sous-Soul-Betreiber Widmer Probleme mit Lärmbeschwerden der Anwohner und Auflagen des Regierungsstatthalters. Normalerweise sind 93 Dezibel die erlaubte Höchstgrenze, was bei einem Konzert knapp eingehalten werden könne. Auch das Fumoir steht auf der Kippe, falls der Besitzer der Liegenschaft den angemeldeten Eigenbedarf wirklich beanspruchen sollte.

Nur noch Samstags

Ähnliche Sorgen hat man auch im Wasserwerk Klub. Der Betreiber Albert Gomez sagt gegenüber dem Bund, dass das Fumoir nicht bewilligt wurde und das Gesuch um eine Verlängerung der Öffnungszeiten auch nicht durchgekommen sei. An der Wasserwerkgasse 5 sind die Öffnungszeiten auf den Samstag einschränkt worden, obwohl man am Wochenende an beiden Abenden bis 5 Uhr verlängern wollte. Dagegen haben sich Anwohner und der Matteleist aber erfolgreich gewehrt.

Auch das Wazi, wie der Klub unter Nachtschwärmern genannt wird, hat Probleme mit Lärmbeschwerden der Anrainer. Das Statthalteramt unter der Führung von Christoph Lerch (SP) empfahl daraufhin eine maximale Lautstärke von 80 Dezibel. Als Vergleich verursacht selbst Telefonläuten einen Pegel von 80 Dezibel, Verkehrslärm 75 Dezibel und Fernseher-Geräusche liegen bei rund 70 Dezibel. Solche «rigiden Lärmauflagen» machen den Klubbetreibern das Leben schwer.

Politik wird aktiv

Christian Pauli, der den Dachverband der Berner Kulturveranstalter «Bekult» präsidiert, sagte gegenüber dem Bund: «Ich vermisse beim Statthalter das Gehör für die Anliegen der Kulturschaffenden». Im Verein sind 67 Berner Kulturveranstalter zusammengeschlossen: Vom Alpinen Museum über das Theater an der Effingerstrasse, bis hin zum Gurtenfestival, der Hochschule der Künste, dem ISC Club und dem Zentrum Paul Klee.

Auch Politiker stören sich an diesem Sachverhalt. Manuel C. Widmer von den Grünen will nach den Sommerferien eine dringliche Interpellation zum Nachtleben in Bern einreichen. Laut ihm müsse der Gemeinderat einen Grundsatzentscheid fällen: Will er ein Nachtleben in der Stadt oder den Statthalter einfach so weitermachen lassen?

Gemischte Zonen mit Interessenkonflikten

Auf Rückfrage beim Regierungsstatthalteramt, ob sie das Leben der Klubbetreiber schwer machen, nimmt Hans Martin Schär Stellung: «Jeder Entscheid basiert auf dem Abwägen verschiedener Interessen und Faktoren. Die Betriebe liegen meist in gemischten Zonen, in welchen der Gesetzgeber sowohl eine gewerbliche Nutzung als auch das Wohnen vorsieht.» Somit seien Interessenkonflikte vorprogrammiert. Der Regierungsstatthalter Christoph Lerch sei deshalb der Dialog mit den verschiedenen Parteien sehr wichtig, damit er die sich gegenüberstehenden Interessen abwägen könne und sein Entscheid dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit entspreche. Als wichtiges Element für den verhältnismässigen Entscheid erachtet Schär die Messergebnisse der Lärmfachstelle der Kantonspolizei Bern.

Das Verwaltungsgericht hat vor kurzem in einem Urteil betreffend des Saals des Theater National verlangt, dass die wirtschaftliche Tragbarkeit von Massnahmen zur Lärmsanierung ebenso zu berücksichtigen seien. «Wir werden dieses Urteil sorgfältig analysieren und allenfalls die Praxis anpassen», schreibt Schär auf Anfrage. Klar sei: Eine Praxis zu finden, die alle zufriedenstellt, sei eine Herausforderung. Der Regierungsstatthalter Christoph Lerch, der diese Woche in den Ferien verweilt, sei bereit, sich dieser zu stellen.

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