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Coole Kinder springen in der Sommerhitze

Helm, Sprunganzug, überlange Ski – junge Skispringer bis 16 Jahre brachten am 25. Gurtencup Winterstimmung in den Sommertag. Wo schon Simon Ammann sprang, zeigte gestern Nachwuchshoffnung Erja Zelger aus Grabs ihr Können.

Erja Zelger hebt ab: Was Simon Ammann «voll geil» nennt, findet Erja zumindest ein «cooles Gefühl».
Erja Zelger hebt ab: Was Simon Ammann «voll geil» nennt, findet Erja zumindest ein «cooles Gefühl».
Nadia Schweizer
Ausrüstung wie im Winter, auch wenn Sonne (und Mond) noch so stark scheinen. Die Kinder bereiten sich für den Sprung über die Grosse Schanz vor. Gurtencup in Bern.
Ausrüstung wie im Winter, auch wenn Sonne (und Mond) noch so stark scheinen. Die Kinder bereiten sich für den Sprung über die Grosse Schanz vor. Gurtencup in Bern.
Nadia Schweizer
Erjas Bruder Levin Zelger auf dem Weg in die Berner Lüfte.
Erjas Bruder Levin Zelger auf dem Weg in die Berner Lüfte.
Nadia Schweizer
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«Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi ist sie sicher schon dabei», kräht ihr 11-jähriger Bruder Levin Zelger. Erja Zelger selbst wäre zu bescheiden für eine solche Aussage; sie konzentriert sich darauf, Rennwachs auf ihre 1,95 Meter langen Ski aufzutragen. Mit 13 Jahren gehört die Ostschweizerin zu den wenigen Schweizer Nachwuchsspringerinnen. Gestern nahm sie mit 32 anderen Jugendlichen von 8 bis 16 Jahren am 25.Gurtencup teil.

Mit ihren Sprungdressen, die in der Sonne glänzen, wirken die Jugendlichen auf der grünen Gurtenwiese etwas deplatziert. Abgesehen von der fehlenden Thermounterwäsche unterscheidet sich ihre Ausrüstung nicht von jener im tiefsten Winter. Wie ihre überlangen Ski tragen die Jungsportler das aber gelassen: «Es geht schon», meint Erja Zelger. Ihr jüngerer Bruder nimmt jede Gelegenheit wahr, den Anzug abzustreifen.

Skispringen ist Familiensache

Die meisten Teilnehmer stammen aus den Skisprunghochburgen Engelberg, Toggenburg und Einsiedeln. Nur gerade zwei Berner Junioren springen mit (siehe Kasten). Erja Zelger ist Mitglied des Ostschweizer Skiverbands und besucht die Sportschule im sankt-gallischen Gams. «Ausser am Montag trainiere ich eigentlich täglich», sagt sie mit demselben stoischen Gesichtsausdruck, mit dem sie auch die Kritik ihres Trainers anhört: Zu früh abgesprungen sei sie. Zum Springen kam sie durch ihren älteren Bruder, auch ein Skispringer. Klar, dass die Mutter ebenfalls dabei ist. Sonja Zelger amtet als Sprungtrainerin, obwohl sie selbst kaum je eine Schanze betritt: «Ich habe lieber Boden unter den Füssen.» Nicht sie habe die Kinder, sondern die Kinder hätten sie zu diesem Sport gebracht.

Fahren auf Wasser und Stahl

Um 11 Uhr geht es los. Zuerst springen die Teilnehmer der kleinen 20-Meter-Schanze, dann jene der 40-Meter-Schanze. Statt über Schnee fahren die Kinder auf rostfreien Stahlschienen, in denen Wasser fliesst, die Rampe hinunter. Sie landen auf ebenfalls nass gespritzten Nylonmatten. Allen gelingt der Sprung, Erjas Stil und Sprungweite (40 und 39,5 Meter) nennt der Speaker «sensationell»; sie sagt, sie sei «zufrieden». Angst kennt sie keine, Fliegen sei einfach ein «cooles Gefühl».

Nur wenige Zuschauer verfolgen das Flugspektakel auf dem Berner Hausberg. Dafür sind rund zwanzig Helfer anwesend. Einige stehen am Pistenrand und zeigen mit Armbewegungen an, wie weit die Sprünge reichten. «Uns fehlen elektronische Weitenmesser», erklärt der Wettkampfleiter, dessen Namen besser zum Anlass passt als die schweren Helme: Stefan Sommer aus Baumgarten. Er ist Präsident des Vereins Bernischer Trockensprungschanzen (VBTS), welcher als Mitglied des Stadtturnvereins Bern die Sprunganlage besitzt und wartet.

Ammann war nur Mittelfeld

Levin und Erja Zelger erreichen in ihrer Kategorie je den zweiten Platz. Dass sie nicht gewinnen konnte, findet Erja nicht schlimm. Und die Geschichte gibt ihr recht: Auch Simon Ammann konnte am Gurten nicht triumphieren. Er sei, so erzählen Mitglieder des VBTS, damals nur gutes Mittelfeld gewesen.

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