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Daniel von Rütte (SP)

Er startet als Aussenseiter

Daniel von Rütte fordert die Bürgerlichen heraus.
Daniel von Rütte fordert die Bürgerlichen heraus.
Christian Pfander

Daniel von Rütte duckt sich, blickt durch das Fernrohr seines Vermessungsgeräts und räuspert sich. Bald wird er hier fertig sein, die letzten Teile des baufälligen Hauses vermessen haben. Er wird seine Pläne erstellen und dem Archäologen übergeben – und dann weiterziehen. Von ­Rütte ist Vermessungstechniker beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern. Noch bis zum nächsten Sommer, dann wird er pensioniert. Von da an hätte er Zeit. Darum würde das mit ihm und dem Wichtracher Gemeindepräsidium ganz gut passen, findet er.

Der schlanke Mann mit dem markigen Händedruck ist der Aussenseiter im kommenden Wahlkampf. Nicht weil er ein Unbekannter wäre: Er sitzt seit nunmehr zwölf Jahren im Wichtracher Gemeinderat, verantwortet die Bauvorhaben der Gemeinde. Sondern weil er der Sozialdemokrat im Kandidatenfeld ist – in einem Dorf, das traditionell konservativ wählt.

Ausgleich und Aufgabe

Das baufällige Haus steht in Heimberg und war einmal eine Töpferei. Was Menschen hier einst schufen, liegt heute in der Erde rund ums Haus. Von Rütte wird nicht selbst nach den Scherben suchen, er leistet die Vorarbeit. Ihm passt diese Rolle. Weil er dabei viel herumkommt, gegraben wird schliesslich im ganzen Kanton. «Für mich ist diese Arbeit ein absoluter Traumjob.»

«Die Politik ist eine interessante Aufgabe. Eine, die ich sehr gerne erfülle.»

Kaffeepause in der Bäckerei nebenan, von Rütte bestellt sich ein Rivella Blau. Er ist ein exakter Mensch. Im Job, im Gespräch, in Mails wählt er jedes Wort mit Bedacht und drückt sich deshalb gelegentlich etwas umständlich aus. Er erzählt von früher, als er in den neuen Bundesländern gearbeitet habe. Wie er heute bei gutem Wetter mit dem Velo zur Arbeit und retour fahre – «da tue ich etwas für meinen Körper, den Geist und für die Umwelt». Wie wichtig ihm der Ausgleich sei. Deshalb rudert er, wandert er, geht er auf Skitouren. Und die Politik, ist auch sie Ausgleich? «Nein, sie ist eine interessante Aufgabe. Eine, die ich sehr gerne erfülle.»

Seine Wahl zum Präsidenten wäre ein Coup, aber keine Sensation. Er sagt: «Ich rechne mir gute Chancen aus.» Der Optimismus kommt nicht von ungefähr. Als Bauvorsteher des Dorfes trat von Rühte wiederholt mit schwierigen Projekten vor die Stimmberechtigten. Zuletzt mit der Erweiterung der Sekundarschule, einem Millionenprojekt. Das Geschäft kam durch, und zwar deutlich. Was nicht zuletzt auch sein persönlicher Erfolg war.

2015 gelang ihm zudem die Wiederwahl in den Gemeinderat mit einem Glanzresultat. Nur zwei Personen machten mehr Stimmen, darunter der amtierende Gemeindepräsident. Seine heutigen Konkurrenten liess er beide hinter sich.

Er vereinte damals sämtliche sozialdemokratischen Stimmen auf sich. Auf der Liste SP Plus stand nur sein Name – eine politische One-Man-Show.

Politisch überleben

Darauf wird es wohl auch in den kommenden Wochen hinauslaufen. Personelle Unterstützung aus dem eigenen Lager hat der 64-Jährige bislang keine erhalten. «Leider ist es uns nicht gelungen, weitere Leute für eine Kandidatur für den Gemeinderat zu bewegen.»

Das ist ein Problem, vor allem für die SP. Denn von Rütte hat seine maximale Amtsdauer als Gemeinderat erreicht – nach zwölf Jahren und drei Legislaturen ist das Präsidium die einzige Möglichkeit für ihn und die Sozialdemokraten, in der Exekutive zu verbleiben. Was bei einer Niederlage passieren würde? «Es wäre möglich, dass es uns in Wichtrach dann bald nicht mehr gäbe.» Am 8. September geht es für die Partei und ihren Mann ums politische Überleben.

In seiner Jugend war Daniel von Rütte ein talentierter Mittelstreckenläufer. «Landesspitze» sei er gewesen. Er weiss, wann er das Tempo forcieren muss. Dass man sich hin und wieder allein ins Ziel kämpfen muss. Ja, er ist der Aussenseiter in diesem Rennen – aber ein gefährlicher.

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