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Das Leben nach der Autobahn

Die A6 zwischen Saali und Wankdorf soll zurückgebaut werden. Die Jahresausstellung des Fach­­bereichs Architektur der Berner Fachhochschule zeigt Perspektiven für den Osten Berns für die Zeit danach.

Christoph Hämmann
Unort mit Potenzial: Hanspeter Bürgi auf der Passerelle, die von der Giacomettistrasse zum Freudenbergerplatz hinunterführt. Foto: Nicole Philipp
Unort mit Potenzial: Hanspeter Bürgi auf der Passerelle, die von der Giacomettistrasse zum Freudenbergerplatz hinunterführt. Foto: Nicole Philipp

Die Wohnblöcke an der Berner Giacomettistrasse, gegenüber dem SRG-Hochhaus, wurden ­gebaut, als die Autobahn im Ostring bereits mitten durchs Wohnquartier führte. Mit Blick auf dieses Werk der automobilen ­­Moderne zu wohnen, galt vor rund fünfzig Jahren als begehrenswert.

Heute dagegen gilt die Art und Weise, wie die A6 den ­­Osten Berns durchtrennt, als eine der grössten Bausünden der Stadt­­geschichte – zumal beidseits der Autobahn Wohnhäuser stehen, die vor ihr da waren. «Was die Nähe von Wohnen und Autobahn angeht, ist die Situation für Bern hier wohl einzigartig», sagt Hans­­peter Bürgi.

Der Mitinhaber eines Architekturbüros und Professor im Fachbereich Architektur der Berner Fachhochschule steht auf der Passerelle, welche die Giacomettistrasse mit dem darunter liegenden Freudenbergerplatz verbindet. Hinter ihm donnert Auto um Auto über die A6, die eine wuchtige Brücke über den Platz spannt.

Wie könnte sich hier der öffentliche Raum entwickeln, wenn die Autobahn zurück­­gebaut würde? Hätte der Freudenbergerplatz das Potenzial zum Quartierzentrum mit Aufenthaltsqualität? Wie gelänge eine «Stadtreparatur», wie sie in diesem Stadtteil regelmässig ­­gefordert wird?

Rückbau – und dann?

Diese Fragen sind kein Hirn­­gespinst: Unter dem Projekt­­namen Bypass Bern-Ost will das Bundesamt für Strassen ­­die heutige Autobahn zwischen Saali und Wankdorf zur Stadtstrasse zurückbauen. Der Grossteil des Verkehrs soll ostwärts in einen neuen, 2,7 ­­Kilometer langenTunnel verlegt werden.

Die rund 200 Studierenden im Fachbereich Architektur bewegten sich deshalb vor einem realen Hintergrund, als sie sich im vergangenen Jahr mit sieben Perimetern befassten, denen sich mit dem Rückbau der Autobahn neue Perspektiven eröffnen würden. Seit dieser Woche und noch bis zum 22. März präsentieren sie ihre Ideen und Visionen in einer Ausstellung im Berner Kornhausforum.

Für die Zukunft des Freudenbergerplatzes und von dessen nächster Umgebung etwa wird laut Bürgi entscheidend sein, als was die zur Stadtstrasse zurück­­gebaute Autobahn konzipiert und gestaltet werde: als Autobahnzubringer mit immer noch hohen Frequenzen? Oder als langsamere Quartierstrasse mit Gebäuden, die sich auch auf den öffentlichen Raum mit einer multifunktionalen Strasse beziehen?

«Diese Diskussionen müssen frühzeitig geführt werden», sagt Bürgi. «Die Projekte der Studierenden können dabei Impulse für Behörden und Bevölkerung sein.» Erst mit Bildern, wie sie von Architektinnen und Planern entwickelt würden, sei diese Debatte richtig möglich. Auch deshalb fänden während der Ausstellung drei öffentliche Podiumsdiskussionen statt.

Nächster Halt Burgdorf

Die Vorschläge der Studierenden zeigen unter anderem, wie Egelsee, Wyssloch und Zentrum Paul Klee zu einem urbanen Landschaftspark verbunden werden könnten, wenn die Autobahn wegfiele. An anderen Orten liesse sich Wohnraum verdichten oder etwa mit modularen Holzstrukturen am Freudenbergerplatz «der schrittweise Transformationsprozess thematisieren und neue identitätsstiftende Stadträume schaffen».

Laut Bürgi bewegen sich die einzelnen Projekte zwischen «pragmatisch» und «sehr visionär», doch jedes Projekt habe anregende Seiten – und jedes sei realitätsnah genug, dass es auch wirklich umgesetzt werden könnte. «Wichtig ist, zu erkennen, dass es nicht nur einen heutigen Zustand eines Ortes und einen in zwanzig Jahren gibt.

Eine Stadt verändert sich ständig, und ein Ort sollte in jeder Phase des Wandels seine Qualität haben.» Sagts und reist nach Burgdorf, wo die rund 200 Bachelor- und Masterstudierenden im diesjährigen Frühlingssemester Projekte entwickeln. Die Ausstellung dazu folgt in einem Jahr.

Referate und Diskussionen: 7.3., 14.3. und 21.3., jeweils 18 Uhr.Mehr Infos auf www.bfh.ch.

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