Das Lindendorf stockt auf

Ostermundigen

Die Häuser im Quartier Lindendorf 2 in Ostermundigen sollen zwei zusätzliche Geschosse erhalten. So würden 120 neue Wohnungen möglich. Doch die Bewohner machen sich Sorgen.

Zwei Stockwerke höher: So könnte das Lindendorf 2 in einigen Jahren aussehen.

Zwei Stockwerke höher: So könnte das Lindendorf 2 in einigen Jahren aussehen.

(Bild: W2H Architekten AG)

Markus Zahno

Michelle Hunziker war ein kleines Mädchen, als sie mit ihrer Familie in die Ostermundiger Überbauung Lindendorf 2 zog. Die Wohnung war damals neu.

Heute ist Michelle Hunziker eine berühmte Moderatorin und 39-jährig. Die Wohnungen im Lindendorf 2 sind fast gleich alt. Grosse Erneuerungen haben sie seit ihrem Bau nicht erfahren. Das sieht man ihnen an: Zum Beispiel Küchen, Bäder und Fenster entsprechen nicht mehr den heutigen Standards. «Wenn jemand auszieht, ist es zum Teil schwierig, neue Mieter zu finden», sagt Stefan Lucy, Leiter Immobilien bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB), welcher zwei Wohnblöcke im Quartier gehören. Für Lucy und die GVB ist klar: «Eine Erneuerung ist nötig.»

Weiter Weg

Das Lindendorf 2 steht am nördlichen Rand von Ostermundigen und grenzt an eine grosse Wiese. Es umfasst zwölf Wohnblöcke mit insgesamt 228 Wohnungen. Die Häuser – die höchsten sind fünfstöckig – gehören insgesamt zehn Grundeigentümern: Pensionskassen, Anlagestiftungen und Immobilienfirmen. Gemeinsam haben sie ein Architektur­büro mit einer Studie beauftragt. Dabei ist eine Idee herausgekommen, die derzeit bereits am Nesslerenweg in Wabern umgesetzt wird: Die Häuser im Lindendorf 2 sollen nicht nur erneuert, sondern auch aufgestockt werden.

Bei den Behörden stösst die Idee auf Wohlwollen. «Das ist ein gutes Beispiel für die innere Verdichtung», sagt Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos). Eine neue Überbauungsordnung soll ermöglichen, dass die Häuser um ein bis zwei Geschosse erhöht werden können. Das ergäbe 110 bis 120 neue Wohnungen. Der Planungsprozess steht aber noch am Anfang, das Parlament kann wohl erst übernächsten Winter über die neue Überbauungsordnung abstimmen. Sagt es Ja, kann jeder Besitzer selbst entscheiden, ob er aufstocken will.

Höhere Zinsen

Soeben haben Gemeinde und Investoren die Pläne den Bewohnerinnen und Bewohnern des Lindendorfs 2 vorgestellt. Es sei rege und auch emotional diskutiert worden, berichtet Thomas Iten. Viele langjährige Mieter befürchten, dass sie wegen der Umbauarbeiten ihre Wohnung verlieren. Sorgen bereiten ihnen auch die Mietzinse, die steigen werden. Er habe «grosses Verständnis für diese Sorgen», sagt Iten. «Trotzdem ist es wichtig, die Diskussion zu führen.» Denn die innere Verdichtung sei ein politischer Auftrag des Volks.

Können die Mieter in ihren Wohnungen bleiben? Wie hoch werden die Zinse sein? «Das ist noch völlig offen», antwortet Stefan Lucy von der GVB. «Solange noch kein konkretes Projekt vorliegt, ­können wir die Baukosten und den Bauablauf nicht abschätzen.»

Berner Zeitung

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