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Das «Sennentuntschi» ist zurück

Heute feiert «Sennentuntschi» im Theater am Käfigturm seine Schweizer Premiere. Die Schweizer Produktion war zuerst in New York zu sehen; wie es dazu kam und was Grossstädter von der Sage aus den Alpen halten.

«Three bored, lonely shepherds create a Sennentuntschi, a female doll» (drei gelangweilte, einsame Schafhirten erschaffen ein Sennentuntschi, eine weibliche Puppe). So wurde das Theaterstück von Hansjörg Schneider im August am Fringe Theater Festival in New York angekündigt. Sie nimmt die Sage auf von der Strohpuppe, die lebendig wird und sich an ihren Erschaffern rächt. Das Talman Ensemble war von rund 2000 Bewerbern aus der ganzen Welt als einzige Theatergruppe aus der Schweiz ausgewählt worden. Der Freiburger Regisseur Niklaus Talman, der mit seiner Familie in Ueberstorf wohnt, hat seit über zehn Jahren davon geträumt. Ermuntert wurde er einzig von seiner Berner Ehefrau Alexandra Schürch, die ihn samt ihren beiden Mädchen Laila (5) und Sofia (2) nach New York begleitete. Schürch ist Fotografin beim «Berner Bär» und kreiert unter dem Künstlernamen Lexx-li Fabelwesen.

Widerständen getrotzt

«Sennentuntschi»-Autor Hansjörg Schneider teilte Schürchs Optimismus nicht. «Das schaffst Du nie, du bist verrückt», bekam Talman zu hören. Tatsächlich war es schwierig: «Das Auswahlverfahren war unglaublich langwierig und kompliziert», erzählt der Regisseur. Es dauert fast eineinhalb Jahre bevor er das langersehnte «Congratulation»-Mail aus New York erhielt. Nicht leicht war auch die Sponsorensuche.

Schauspielerin Gardi Hutter, die im Vorjahr am Fringe Festival dabei war, empfahl Pro Helvetia. Doch diese lehnte ab mit der Begründung: «noch zu wenig berühmt.»

Viel Interesse in New York

Immerhin spielte «Sennentuntschi» dann im kleinen New Yorker Off-Broadway-Theater fünf Mal vor vollem Haus. «Die Leute waren begeistert und blieben nach der Aufführung, um sich mit uns zu unterhalten», berichtet Talman strahlend. Positiv fanden sie laut Talman, dass einmal nicht bloss die Schweizer Klischees – heile Welt, Uhren, Käse und Schokolade – gezeigt worden sind.

Das Thema, der sexuelle Notstand der drei Männer allein auf der Alp, rief Parallelen hervor zu Orten einsame Männer – auf einer Bohrinsel oder im Militär – und vermutlich ähnliche, sexuell absurde Phantasien entwickeln.

Eine Besucherin aus Las Vegas erzählte Talman, dass sie sich das Theaterstück genau deswegen ansehen wollte. Gelobt wurde, dass die perversen Auswüchse nicht eins zu eins auf der Bühne inszeniert werden, wie dies etwa in den 70er Jahren häufig gemacht wurde, im Stil von nackten, auf der Bühne herumrennenden Männern. Viel mehr werde dies der Phantasie der Zuschauenden überlas sen.

Alpensaga in Englisch

Und die fremde Sprache? Selbstverständlich wurde Englisch gebüffelt. Das galt auch für die Schauspieler des Talman Ensembles. Das «Sennentuntschi» wurde nämlich in Englisch gespielt. Das ist jetzt vorbei: «Nach all dem Drill, war es gar nicht leicht, wieder auf Deutsch zu proben», sagt der Regisseur. Die Schauspieler Luc Spori, Martin Maurer und Claudia Faes sind auch im Theater am Käfigtum dabei. Sie seien «durch die New-York-Erfahrung eng zusammengeschweisst» worden.

Für die Premiere wird auch Hansjörg Schneider erwartet. Dessen «Sennentuntschi» fasziniert Talman schon lange: «Es hat mich gepackt, weil es ein ehrliches, direktes und schnörkelloses Stück ist; ehrlich wie sein Autor.» Hat Ehrlichkeit in unserer Scheinwelt überhaupt noch eine Chance? Da hegt Talman seine Bedenken: «So lange die Menschen in unserer prestigeträchtigen Gesellschaft meinen, dass sie mit Lügen besser durchkommen, wird sich leider wenig ändern.»

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