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Den Rattenspuren entlang

Zum Abschluss der Sanierungsarbeiten am Könizer Dorfbachkanal konnten Besucher in die Kanalisation absteigen.

Gemeinderat Hansueli Pestalozzi führt Besucher durch den frisch sanierten Dorfbachkanal. Video: Enrique Muñoz Garcia

Köniz hat eine Unterwelt: Insgesamt 1000 Kilometer Kanäle verlaufen unter der Erde. Darunter öffentliche Kanäle, private Anschlusskanäle und Kanäle für die Strassenentwässerung. Wir merken von alledem nichts und übersehen meistens sogar die Gullydeckel als einziges Zeichen des unsichtbaren Labyrinths unter unseren Füssen. Und doch würden ohne dieses System kein Wasserhahn und keine Toilette funktionieren, die Strassen würden bei Regen überflutet, und der Dorfbach träte über die Ufer.

Nach siebenmonatiger Sanierung des Dorfbachkanals sind deshalb Gemeinderat Hansueli Pestalozzi, Urs Ammann, Leiter des Dienstzweigs Abwasser, und Harald Bürki, der Projektleiter, stolz, den fertiggestellten Kanalabschnitt interessierten Besuchern zeigen zu können.

Neonlicht

Jeder Kanalbesichtiger muss dazu einen Helm aufsetzen und durch eine Luke drei Meter tief unter die Erde absteigen. Nichts für Menschen mit Platzangst und doch weniger schlimm als erwartet. Der Kanal, der die Besucher unten erwartet, ist 2 Meter breit, aber nur 1,5 Meter hoch – aufrecht stehen kann man nicht. «Ein gutes Training für die Skistellung», witzelt eine Mutter, die mit ihren Kindern in den Kanal geklettert ist. Doch schon nach wenigen Minuten wünscht man sich, sich aufrichten zu können, und man ahnt, wie anstrengend es sein muss, einen Arbeitsplatz unter der Erde zu haben.

Nichts für Menschen mit Platzangst: Durch eine Luke gehts drei Meter tief unter die Erde.
Nichts für Menschen mit Platzangst: Durch eine Luke gehts drei Meter tief unter die Erde.
Enrique Muñoz García
Stinkt es in der Kanalisation? Hat es Ratten? Diesen Fragen konnten sich die neugierigen Besucher gleich persönlich auf den Grund gehen.
Stinkt es in der Kanalisation? Hat es Ratten? Diesen Fragen konnten sich die neugierigen Besucher gleich persönlich auf den Grund gehen.
Enrique Muñoz García
Insgesamt 1000 Kilometer Kanäle verlaufen unterhalb von Köniz.
Insgesamt 1000 Kilometer Kanäle verlaufen unterhalb von Köniz.
Enrique Muñoz García
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Alle paar Meter wird der Kanal durch Neonröhren erleuchtet. Eine etwa dreissig Zentimeter breite und zu beiden Seiten leicht abschüssige Rinne wird in Zukunft das Abwasser leiten. Nur nach heftigen Regengüssen wird der Kanal mehr Wasser führen und etwa zur Hälfte gefüllt sein. Damit Schmutz und Fäkalien nicht liegen bleiben, wird der Boden speziell beschichtet werden.

Rattenspuren

Am Samstag ist das Abwasser nicht sichtbar: Wegen der Besucher wurde es durch Rohre an den Seiten vorbeigeleitet, und der Kanal war im Zuge der Sanierung gründlich abgestrahlt worden, um alle Reste zu entfernen. Die Luft riecht modrig, aber es stinkt nicht – anders wird es natürlich nach der Inbetriebnahme riechen. Eine Ratte hat sich mit kleinen Pfotenabdrücken auf dem Boden im feuchten Beton verewigt. Auch die Decke wurde neu zementiert, um die Tragfähigkeit des Kanals zu gewährleisten.

1,3 Millionen Franken kostete die Sanierung des Dorfbachkanals und des nahe gelegenen ­Kanals in der Landorfstrasse auf einer Strecke von 550 Metern. Nun ist sichergestellt, dass der Kanal wieder fünfzig Jahre lang problemlos funktioniert. Er wird aber auch in Zukunft immer wieder durchgecheckt werden müssen; ein Team aus zehn Leuten prüft fortwährend die Sicherheit.

Es wird deutlich: Dass eine Stadt reibungslos funktioniert, ist eine grosse Leistung. So sagt auch Samuel Lustenberger, der für die Gemeinde arbeitet: «Wir wollten den Anwohnern zeigen, was wir geschafft haben.» «Denn», so fügt Urs Ammann hinzu, «man sieht normalerweise den Schachtdeckel und sonst nichts.»

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