Der benebelte Autofahrer

Ein unverbesserlicher Autofahrer muss trotz Protest zum Charaktertest. Er war schon mehrfach negativ aufgefallen, zuletzt nach einem feucht-fröhlichen Jahreswechsel.

Ein Autofahrer wehrte sich bis vor Bundesgericht dagegen, dass er sich auch einer «charakterlichen Fahreignungsprüfung» unterziehen müsse, um den Ausweis zurückzuerhalten - jedoch ohne Erfolg.

Ein Autofahrer wehrte sich bis vor Bundesgericht dagegen, dass er sich auch einer «charakterlichen Fahreignungsprüfung» unterziehen müsse, um den Ausweis zurückzuerhalten - jedoch ohne Erfolg.

(Bild: Keystone)

Hans Ulrich Schaad

Das muss eine berauschende Silvesterparty gewesen sein. Im wahrsten Sinn. Das hinderte einen 24-jährigen Mann jedoch nicht daran, sich ans Steuer zu setzen. Auf der Autobahn zwischen den Verzweigungen Wankdorf und Schönbühl überholte er ein ziviles Polizeifahrzeug. Im dichten Nebel und mit überhöhter Geschwindigkeit. Die Polizei folgte dem VW Polo, machte eine Geschwindigkeitsmessung und stellte den Autofahrer.

Und das sind die Fakten vom letzten ­Neujahrsmorgen, 7 Uhr: eine Geschwindigkeitsübertretung von mindestens 46 Kilometern pro Stunde, 1,2 Promille Alkohol im Blut und Fahren unter Kokaineinfluss. So ist der Sachverhalt in einem Urteil des Bundesgerichts nachzulesen, das sich mit dem Fall beschäftigen musste.

Nach diesem Vorfall war der Führerausweis weg. Das Strassenverkehrsamt ordnete eine verkehrsmedizinische und eine -psychologische Untersuchung an. Der Lenker akzeptierte zwar den Ausweisentzug und das medizinische Gutachten. Er wehrte sich aber dagegen, dass er sich auch einer «charakterlichen Fahreignungsprüfung» unterziehen müsse, um den Ausweis zurückzuerhalten. Bis vor Bundesgericht, ohne Erfolg.

Schlechter Leumund

Denn der junge Mann hat schon ein bewegtes Autofahrerleben hinter sich. In den zwei Monaten nach dem Erwerb des Ausweises auf Probe im Jahr 2010 fiel er wegen einer Geschwindigkeitsübertretung auf und verursachte er angetrunken einen Unfall. Der Ausweis war für einen Monat weg. Ein paar Monate später ­wurde er wieder angetrunken erwischt. Der Ausweis war vorsorglich weg, das Strassenverkehrsamt ordnete eine Fahreignungsabklärung an.

Der Mann machte diese Abklärung nicht, das Permis wurde auf unbestimmte Zeit eingezogen. Nach einem negativen psychologischen Gutachten absolvierte der Mann eine Therapie. Nachdem er die ordentliche Führerprüfung nochmals absolviert hatte, erhielt er den Ausweis im März 2014 zurück.

Kokainsüchtig

Die Fahrt unter Alkohol- und Drogeneinfluss vom Neujahr sowie sein schlechter Ruf als Autofahrer liessen Zweifel an der Fahreignung aufkommen, heisst es im Urteil. Zudem leide der Mann nach eigenen Angaben unter einer Kokainsucht. Es sei nicht auszuschliessen, dass nicht nur medizinische, sondern auch charakterliche Mängel vorlägen. Diese könnten ihn dazu verleiten, sich in fahrunfähigem Zustand ans Steuer zu setzen.

Deshalb sei an der Anordnung eines Charaktertests nichts auszusetzen. Keine Rolle spielte für das Gericht, dass der Mann nach eigenen Angaben zu Fuss an die Silvesterparty ging und erst später von seinen Kollegen zum Autofahren überredet worden war – als er wegen der Wirkung von Drogen und Alkohol nicht mehr voll zurechnungsfähig war.

Berner Zeitung

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