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Der eine Pfarrer zieht aus, der andere bleibt

In Limpach ist der Pfarrer weg, das Pfarrhaus zu einem ganz gewöhnlichen Wohnhaus geworden. Anders in Rüschegg: Hier hat die Kirchgemeinde dem Kanton die Liegenschaft abgekauft. Weil der Pfarrer doch ins Pfarrhaus gehöre.

Die Kirche thront wie eh und je über Limpach, doch im Pfarrhaus zu ihren Füssen wohnt kein Pfarrer mehr. Einzig die links angebaute Pfrundscheune dient der Kirche weiterhin.
Die Kirche thront wie eh und je über Limpach, doch im Pfarrhaus zu ihren Füssen wohnt kein Pfarrer mehr. Einzig die links angebaute Pfrundscheune dient der Kirche weiterhin.
Beat Mathys

Die 107 Gebäude sind weg. Nach einer langen Zeit, in der er gesucht und verhandelt, dann verkauft oder halt wieder von neuem gesucht hat, ist der Kanton vor Monatsfrist das letzte Pfarrhaus aus seinem Besitz losgeworden: Anfang Dezember hat er den geschichtsträchtigen Bau am Chilch­rain 9 in Limpach verkauft. An zwei Private.

15 Jahre hatte die Aktion gedauert, die Ende 2002 vom Grossen Rat lanciert worden war, und das Pfarrhaus in Limpach gehörte zu jenen sechs Gebäuden, die dem Kanton zu bleiben drohten. Vor zwei Jahren startete er deshalb nochmals eine Inserate­offensive, in der er die Häuser ausdrücklich auch Privaten anpries. Weil die betroffenen sechs Kirchgemeinden sogar auf Offerten mit reduziertem Kaufpreis nicht eingestiegen waren.

Die Botschaft ist angekommen. In Rüschegg jedenfalls, wo eines dieser so schlecht verkäuflichen Häuser stand: Im vergangenen Herbst konnte der Kanton Nägel mit Köpfen machen und der Kirchgemeinde das Pfarrhaus überschreiben. Für attraktiv tiefe 170'000 Franken, und das war wohl der Hauptgrund dafür, wieso das Geschäft plötzlich so glatt über die Bühne ging: In einer ersten Runde vor über zehn Jahren hatte ein Preis von 365'000 Franken bei den Stimmberechtigten keine Chance gehabt.

Urs Nussbaum fügt als verantwortlicher Kirchgemeinderat allerdings noch an: «Der Pfarrer gehört ins Pfarrhaus. Das war für uns immer klar.»

Das Pfarrhaus Rüschegg dient auch künftig als Pfarrwohnung. Bild: Urs Baumann
Das Pfarrhaus Rüschegg dient auch künftig als Pfarrwohnung. Bild: Urs Baumann

Pfrundscheune abparzelliert

Ob dieses Argument nicht auch im genauso ländlich geprägten Limpach hätte ziehen müssen? Andrea Blunier antwortet mit einem klaren Nein. Die Co-Prä­sidentin des Limpacher Kirch­gemeinderates erinnert an die ­Worte ihres Vorgängers Daniel Pulver: Der Kanton habe am Gebäude immer nur das Nötigste ­gemacht, reagierte dieser vor zwei Jahren auf die Verkaufsoffensive, entsprechend hoch sei nun der Sanierungsbedarf. «Als kleine Kirchgemeinde können wir uns ein Fass ohne Boden nicht leisten.»

Für Andrea Blunier hat sich daran auch heute, da das Haus verkauft und der Pfarrer dem neuen Besitzerpaar bereits gewichen ist, nichts geändert. Klar sei es «schon speziell», dass nun anstelle des Pfarrers jemand anderes am Chilchrain 9 wohne. Negative Reaktionen seien ihr aber keine zu Ohren gekommen. Kein Wunder: «Die Leute müssen nicht zum Pfarrer gehen, wenn sie ein Gespräch möchten. Er besucht sie zu Hause.»

Dazu kommt, dass der Pfarrer nicht aus dem dörflichen Alltag verschwunden ist. Diesbezüglich hätte sich der Kanton in seinen Verkaufsbemühungen beinahe selber ein Bein gestellt. Immerhin schreibt der dem Limpacher Pfarrer vor, in der Kirchgemeinde zu wohnen. So musste er sich nun auf die Suche nach einem Ersatz machen – «wir konnten aber Brücken bauen und auf ein Haus aufmerksam machen, das zur Vermietung stand», erzählt An­drea Blunier weiter.

Ganz vom Chilchrain 9 hat sich die Kirche übrigens nicht ver­abschiedet. Sie hat, ebenfalls im Herbst, für 130 000 Franken die angebaute Pfundscheune übernommen. Im Obergeschoss dieses nun abparzellierten Hausteils hatte sie schon vor Jahren ihren Saal eingebaut. «Im Parterre richten wir nun noch ein Pfarr­büro ein», sagt Andrea Blunier.

Pfrundland dreigeteilt

Noch komplizierter gestaltete sich der Handel in Rüschegg, wo die Kirchgemeinde zwar das Pfarrhaus, nicht aber das dazu ­gehörende Landwirtschaftsland kaufte. Auch an der Pfrundscheune, einem separaten Gebäude nebenan, hatte sie kein Interesse. Das alte, immerhin 2,4 Hektaren grosse Pfrundland wurde deshalb dreigeteilt. Heute stehen die beiden Gebäude auf je einer Parzelle mit wenig Umschwung. Der grosse Rest, samt und sonders Wiesland, wurde dem benachbarten Heimet zugeschlagen.

Und die Pfrundscheune? Sie gehört heute der Familie von Urs Nussbaum, dem Kirchgemeinderat. Dieser betont aber gleich: Das Amt sei ihm nicht zugutegekommen. Er habe sich beim Kanton als ganz normaler Interessent gemeldet und sei letztlich der einzige geblieben. Die vom Kanton geforderten 85'000 Franken habe er trotzdem bezahlt.

Mit dem Gebäude übernimmt Urs Nussbaum auch den Mietvertrag für das Unterweisungslokal, das die Kirchgemeinde im Parterre betreibt. Er selber baut das Obergeschoss zu einer Wohnung mit Galerie aus, in die er dereinst selber einziehen will. Zu seinem Arbeitsplatz in der Käserei Nö­thenhaus, wo er weiterhin als Betriebsleiter tätig ist, wird er dann pendeln.

Offen bleiben muss derweil, wie viel die 107 Pfarrhäuser dem Kanton insgesamt eingebracht haben. «Über Verkaufszahlen ­geben wir keine Auskunft», lässt das zuständige Amt lapidar verlauten.

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