Bern

Der fahrende YB-Holländer

BernDank der Expo.02 landete Michiel van der Tuin in Biel und schliesslich in Bern. Seit es das Stade de Suisse gibt, ist der Holländer hier Stadionwart.

Unterwegs im weitläufigen Stadion: Platzwart Michiel van der Tuin.

Unterwegs im weitläufigen Stadion: Platzwart Michiel van der Tuin. Bild: Christian Pfander

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Das Klischee des griesgrämigen bierbäuchigen Hauswarts erfüllt Michiel van der Tuin nicht. Der Platzwart des Wankdorfstadions ist gross gewachsen. Er hat stahlblaue Augen und ist mit seinem Erscheinungsbild eher der Surfertyp.

Kein Wunder: In seiner Freizeit ist der Mann mit dem klingenden Namen leidenschaftlicher Surfer, Kitesurfer und Segler. «Wenn der Wind gut ist, nehme ich auch mal frei und geniesse den Bielersee», sagt der 45-Jährige. Wenn er mehr Zeit hat, zieht es ihn ans Mittelmeer oder an die Nordsee.

Stichwort Norden: Michiel van der Tuin ist, wie es der Name vermuten lässt, Holländer. Wie wird ein Holländer Stadionwart im Stade de Suisse? Als gelernter Bildhauer, einst arbeitete er in diesem Beruf in Rotterdam, wurde van der Tuin vor 16 Jahren für ein Projekt an der Expo.02 in Biel angefragt.

«Während der Ausstellung lernte ich meine heutige Frau kennen», erzählt der sympathische Holländer. Und deshalb entschied er sich, in die Schweiz umzuziehen. Seine Tochter ist heute 14 Jahre alt. Ein Freund machte ihn 2005 darauf aufmerksam, dass für das neue Wankdorfstadion ein Platzwart gesucht werde. «Ich bewarb mich für die Stelle – und erhielt den Job», erinnert sich van der Tuin.

Rasen muss er nicht mähen

Heute ist er viel mehr als «nur» Platzwart, er ist «Mädchen für alles» bei YB. Im weitläufigen Stadion ist Michiel van der Tuin oft mit seinem Segway unterwegs. Mal muss er Stühle im Publi­kums­bereich reparieren, dann die Tornetze und Zäune kontrollieren oder für die Konditionstrainer Trainingsequipment bauen. Auch in den Büros der YB-Angestellten gebe es immer etwas zu tun.

Nur etwas muss Michiel van der Tuin nicht machen: Rasen mähen. Die Pflege des Kunstrasens nimmt pro Woche nur etwa drei Stunden in Anspruch. Van der Tuin muss den Rasen bürsten, damit das Granulat aufgelockert und besser verteilt wird. Der Kunstrasen bringe den grossen Vorteil, dass man darauf mehr Trainings durchführen könne. «Das belebt das Stadion, der Platz wird gebraucht.»

Er erlebte auch Zeiten, in denen auf einem Naturrasen gespielt wurde. Mal war er zu feucht, mal zu trocken, «man behandelte den Rasen wie ein rohes Ei», sagt van der Tuin in seinem typischen Holland-Deutsch. Diese Probleme habe man beim Kunstrasen nicht. Aber das Wichtigste sei sowieso, «dass sich die Spieler auf dem Rasen wohlfühlen».

Oranje-Fieber an der Euro 08

Viel Abwechslung, aber noch mehr Aufwand bescheren dem Platzwart grosse Konzerte im Stadion. Dass man die Veranstalter meist schon länger kenne, vereinfache die Planung. Der Rückbau und die Reinigung würden van der Tuin bis zu einer Woche beanspruchen.

Auch heute, 10 Jahre nach der Europameisterschaft 2008, wird er immer wieder auf die Fussball-EM mit den Oranje-Spielen im Wankdorf angesprochen. «Die Arbeit war sehr hektisch», erinnert er sich. Trotzdem war die Euro mit den drei Holland-Spielen ein Highlight in seiner Tätigkeit in Bern.

Auf ein weiteres Highlight wartet er zusammen mit den YB-Fans in diesem Jahr. Auch van der Tuin hofft sehnlichst auf einen Pokal – oder sogar zwei. Und er hegt noch einen weiteren Wunsch: als Bildhauer eine Meisterskulptur herzustellen, die dann im Stadion ausgestellt wird. Wer weiss, vielleicht kann er ein solches Kunstwerk schon bald erschaffen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.04.2018, 10:34 Uhr

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