Der Klimastreik erfasst die Dörfer

Schwarzenburg

Während der Sommerferien wurde es ruhig ums Klima. Doch am Wochenende waren die Aktivistinnen und Aktivisten wieder laut. Dieses Mal nicht in den Städten, sondern in ländlichen Regionen wie etwa Schwarzenburg.

Rund 120 Klimaaktivisten zogen am Samstag durch Schwarzenburg.

Rund 120 Klimaaktivisten zogen am Samstag durch Schwarzenburg.

(Bild: Manuel Zingg)

Zwei bunte Sonnenschirme stehen auf dem Parkplatz hinter dem Gemeindehaus in Schwarzenburg. Aus kleinen Boxen erklingen Pink Floyd. Jemand schöpft aus einer Milchkanne Sirup. Nach und nach stossen mehr Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Senioren dazu. Einer von ihnen trägt ein Schild mit der Aufschrift «Keiner hat Eisbär Lars gefragt». Es besteht kein Zweifel: Der Klimastreik hat neuerdings auch Schwarzenburg erfasst.

Die Demo ist Teil einer nationalen Kampagne, die vorsieht, die Anliegen der Klimaaktivisten auch in eher ländliche Regionen zu bringen. Leona Mäder vom Organisationsteam in Schwarzenburg ist erfreut über die vielen Gesichter. «Wir haben mit etwa 50 Leuten gerechnet», sagt die 17-Jährige. Doch sind es fast dreimal so viele, die am Samstagnachmittag den Weg hierher gefunden haben.

War begeistert, weil so viele Jugendliche kamen: Leona Mäder vom Organisationsteam. Foto: Manuel Zingg

Kein Stadt-Land-Graben

Über die sozialen Medien, auf Plakaten und durch Mundpropaganda haben die Aktivistinnen und Aktivisten zur Demo aufgerufen. «Die grüne Welle ist auf dem Land noch nicht so angekommen wie in der Stadt», meint Mäder. «Doch die Klimakrise kennt keinen Stadt-Land-Graben.»

Der Klimawandel betreffe jede und jeden. «Manchmal bin ich mit dem Anliegen hier auf Desinteresse gestossen», erzählt die Schwarzenburgerin. Sie unterbricht kurz ihre Ausführungen, um ihre Grosseltern zu begrüssen. Diese liessen sich von der Schülerin überzeugen, am Anlass teilzunehmen.

Auch ein Schüler aus Mittelhäusern erzählt, dass nur wenige Freunde vom Land an die Klimademos gehen. «Im ganzen Schulhaus waren wir etwa zu zehnt, die in Bern an die Demos gingen», erklärt der 15-Jährige. Doch jetzt auf dem Gymnasium seien die Verhältnisse gerade umgekehrt.

Sprengkraft aufbauen

Die Berner Aktivisten vertreten die gleichen drei Forderungen wie die nationale Bewegung: Klimanotstand, netto null Emissionen bis 2030 und Klimagerechtigkeit. Unterdessen haben auf dem Parkplatz Leute das Wort ergriffen, die Versammelten hören zu und applaudieren.

Wurde für mehrere Reden verwendet: Das selbst gebastelte Rednerpult. Foto: Manuel Zingg

Auch Vera Diener, 22-jährige Gemeinderätin, steht am selbst gebastelten Rednerpult mit der Peace-Flagge. «Immer, wenn wir Jungen sichtbar werden, sagt man, ihr macht es falsch», sagt die Politikerin ins Mikrofon. Sie richtet die Frage an die ältere Generation, ob diese es denn besser gemacht hätten. Man wolle unterstützt, nicht gebremst werden bei der Klimabewegung.

«Es ist eine Chance, die Leute in ländlichen Regionen mit dem Thema zu konfrontieren.»Vera Diener, Gemeinderätin

Deshalb: «Nehmt uns ernst und lasst uns gemeinsam eine nachhaltige Zukunft gestalten.» Diener betont danach im Gespräch: «Es ist eine Chance, die Leute in ländlichen Regionen mit dem Thema zu konfrontieren und sie zu sensibilisieren.» Hier könne die Bewegung sogar noch mehr Sprengkraft aufbauen als in der Stadt, ist sie überzeugt.

Bunte Karawane

Nach den Reden formiert sich ein Umzug. Transparente werden hochgehalten und Parolen gerufen. Menschen in den Gärten schauen erstaunt über den Zaun. Eine solche Karawane hat die 7000-Seelen-Gemeinde wohl noch nie gesehen. Zwei Polizisten begleiten die Demonstrierenden.

An den Strassen wird kurzzeitig der Verkehr unterbrochen. Ein Bauer auf seinem Traktor schüttelt den Kopf. Eine Zuschauerin, die der Klimademo wohlgesinnt ist, erzählt, wie sich mehrere Passanten das Maul zerrissen hätten ob der Kundgebung.

Dadurch lassen sich die Umweltfreunde aber nicht stören. Friedlich und freudig gehen sie durch die Strassen, bis sie wieder zum Startpunkt gelangen. Dort wird auf die grosse Klimakundgebung am 28. September aufmerksam gemacht. Dann löst sich die Gruppe langsam auf. Die Musik verstummt, der letzte Schluck Sirup wird getrunken, und die Sonnenschirme werden eingepackt.

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