Zum Hauptinhalt springen

Der Kredit für die Reitschule wird dummdreist verzockt

Kommentar von BZ-Chefredaktor Michael Hug zum Kredit für die Reitschule in Bern.

Als wohl schweizweit letztes Relikt der autonomen Jugendbewegung der Achtzigerjahre pflegt und hätschelt die rot-grüne Stadt Bern ihre Reitschule als Raum, in dem Sonderrecht gilt. Nüchtern betrachtet muss allerdings festgestellt werden, dass das Experiment Reitschule sein Verfalldatum überschritten hat. Im Gegensatz zu anderen autonomen Jugendzentren ist die Berner Variante nie erwachsen geworden. Sie wird von Drogendealern und radikalen Anhängern des Schwarzen Blocks schamlos als ausserhalb des Gesetzes stehende Fluchtburg missbraucht. Das ist schade für den dort angesiedelten Kulturbetrieb. Aber solange sich dieser nicht von Kriminellen distanziert, sitzt er im selben Boot.

Selbst das endlos tolerante Berner Stadtparlament wird sich nach dem jüngsten Vorfall gut überlegen müssen, ob ein Ort, an dem Polizisten das Gesetz nicht mehr durchsetzen können, weiterhin mit 380'000 Steuerfranken pro Jahr alimentiert werden soll. Die Stadtregierung hat sich eben erst für den neuen Leistungsvertrag ausgesprochen und wiederum auf ein konkretes Sicherheitskonzept verzichtet. Das soll verstehen, wer kann. Die politischen Mütter und Väter, die ihr Refugium des Klassenkampfes verteidigen, als wäre es das Heimatmuseum ihrer revolutionären Jugend, berufen sich auf die Volksabstimmungen zugunsten der Reitschule. Die Reitschule hat tatsächlich Kredit beim Stimmvolk. Aber der wird gerade dummdreist verzockt.

(michael.hug@bernerzeitung.ch)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch