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«Wer die Hitze nicht verträgt, ist am falschen Ort»

Eine Demonstration der Eintracht: Die Vorstellung des Spielplans im Berner Vierspartenhaus ging nach all der Hektik um den Abgang von Schauspielchef Cihan Inan harmonisch über die Bühne. Fast.

Der Chef und zwei, die gehen: Stephan Märki, Cihan Inan und Kevin John Edusei (von links).
Der Chef und zwei, die gehen: Stephan Märki, Cihan Inan und Kevin John Edusei (von links).
Franziska Rothenbuehler

Was für eine Woche für Konzert Theater Bern (KTB). Am Anfang steht die Ankündigung eines Abschieds. Schauspielchef Cihan Inan macht noch eine Saison, dann ist Schluss.

Die Hintergründe werden öffentlich, persönliche Konflikte in der Führungsetage. Es brodelt. Eine emotionale Versammlung der Schauspieler findet statt, die mitten im Trubel noch eine Premiere stemmen.

Wie soll man da am Ende der Woche die traditionelle Jahresmedienkonferenz abhalten und dabei das Wichtigste im Fokus behalten, das Programm der nächsten Spielzeit? Konzert Theater Bern tat es mit einer Souveränität, die man vergangene Woche vermisst hat.

Stephan Märki sind die Strapazen der vergangenen Tage anzusehen, doch er führt sachlich und ohne viele Worte zu verlieren, durch die Medienkonferenz. Emotionen gibt es nur von den Spartenleiterinnen und Spartenleitern, die Zusammenhalt demonstrieren.

Venzago fröhlich-optimistisch

Es gibt einiges zu erzählen: etwa, dass auch für Opern-Chefdirigent Kevin John Edusei die nächste Saison seine letzte in Bern sein wird. Dass das Theatercafé in der alten Kornhauspost bald eröffnen soll.

Und dass sich Mario Venzago, vor einem Jahr noch selbst ernannter «fröhlicher Pessimist», im Exil pudelwohl fühlt: Die kommende Saison wird die letzte, in der sich sein Berner Symphonieorchester heimatlos durch die Stadt konzertiert.

Danach sollte das Kultur­casino frisch saniert wiedereröffnen. «Das Casino wird einer der schönsten Konzertsäle der Welt sein», gibt sich Venzago fröhlich-optimistisch.

Er konnte es sich nicht verkneifen, noch ein paar Worte zur sorgenvollen Woche zu sagen. Auch hier sah Venzago das Positive. Reibungen brauche das Haus, um gute Kunst zu machen.

Bei Stephan Märki wolle er sich «lieb bedanken» für die bisherigen acht gemeinsamen Jahre. «Märki ist kein Mann der grossen Worte, aber der feinen», lobte er. Die Worte des Maestros taten dem Intendanten sichtbar gut.

Kritischer äusserte sich Venzago zur Äusserung von Stiftungsrats­präsident Marcel Brülhart im «Bund», das Modell des alt­ehrwürdigen Abo-Symphonik-Betriebs sei zu überdenken. «Es ist kein Auslaufmodell. Die Begeisterung für die Klassik wird weitergehen!»

Publikumsliebling geht

Die unerfreuliche Neuigkeit war jene über die erwähnte Personalie Edusei, weil Konzert Theater Bern mit dem Deutschen einen Publikumsliebling verliert. Der 41-Jährige übernimmt noch die musikalische Leitung von Mozarts «Così fan tutte», von Philippe Boesmans’ «Reigen» und von Wagners «Tristan und Isolde».

Danach wird er sich auf seine Arbeit als Chefdirigent der Münchner Symphoniker konzentrieren, für die er seit 2014 im Einsatz steht. «Das Münchner Orchester hat sich stark entwickelt und braucht viel Aufmerksamkeit», sagt Edusei.

Haben auch die Diskussionen um die KTB-Strukturen zum Entscheid geführt, seinen Vertrag nicht zu verlängern? «Überhaupt nicht. KTB ist exzellent aufgestellt, über alle Sparten hinweg», so Edusei, der bekannt ist für seinen eleganten, differenzierten Orchesterklang.

Künstlerisch schliesse sich mit der neuen Saison ein Kreis, darum sei der Zeitpunkt für seinen Abgang geeignet: Dann habe er einen «Tristan» und alle Mozart-Opern mit einem Libretto von Lorenzo Da Ponte gespielt, «was wünscht man sich mehr?».

Professionelle Abgekühltheit

Und Cihan Inan? Der Schauspielchef sass gleich neben Intendant Stephan Märki, doch die Distanz war spürbar. Vor einem Jahr noch war der einnehmende Filmer ­Inan der grosse Hoffnungsträger.

Am Freitag, nach dem frühen Bruch – und nach einer interessanten, aber künstlerisch und zahlenmässig durchzogenen Spielzeit – war zwischen Märki und Inan professionelle Abgekühltheit, wo zuvor Feuer brannte.

Auch Inan äusserte sich nicht zur Affäre, sondern stellte sein Programm vor. Wieder ist fast jede zweite Produktion eine Uraufführung. Die zweite und letzte Schauspielsaison Inans hört sich noch kühner und noch spannender an als die erste – als sei es ihm jetzt erst recht egal, ob er sich in Bern die Finger verbrennt oder nicht.

Erfolgreiche Minisparte

Apropos Feuer: Die pointierteste Aussage lieferte am Rande der Pressekonferenz die Frau mit der kleinsten Sparte, aber dem derzeit grössten Erfolg: Estefanie Miranda. Die Produktionen der Tanzsparte sind immer ausverkauft. Und der Dreifachabend «Sacré/Faun/Boléro» ist das Beste, was in dieser Saison im Berner Vierspartenhaus zu sehen war.

Miranda sagte: «Man ist im Theater immer nah am Feuer. Wenn man die Hitze nicht verträgt, ist man am falschen Ort.»

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